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Gelebte Inklusion: Schiedsrichter-Assistenten mit Handicap schwenken die Fahne

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Stehen in den Startlöchern (von links): Timo Kleespieß, Kreisfußballwart Dietmar Pfeiffer, Oliver Hofmann, Kreisschiedsrichterobmann Bernhard Depta, Kreislehrwart Andreas Böck und Gespannführer Bernd Leipold.
Stehen in den Startlöchern (von links): Timo Kleespieß, Kreisfußballwart Dietmar Pfeiffer, Oliver Hofmann, Kreisschiedsrichterobmann Bernhard Depta, Kreislehrwart Andreas Böck und Gespannführer Bernd Leipold. © Karl-Heinz Weinel

Exklusive Inklusion: Wenn demnächst im Rahmen eines Pilotprojektes auf hessischen Fußballplätzen Schiedsrichter-Assistenten mit Handicap die Fahne schwenken, werden dabei auch Unparteiische aus dem Fußballkreis Schlüchtern mitmischen.

„Schiedsrichter-Assistent mit Handicap“, so heißt das Pilotprojekt des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV), an dem sich neben sechs weiteren Fußballkreisen des Bundeslandes auch der Fußballkreis Schlüchtern beteiligt. In Person von Jurji Weiss und Timo Kleespieß werden zwei Mitglieder des Inklusionsteams von der SG Bad Soden demnächst bei ausgewählten Jugendspielen die Außenlinie beackern und in ihrem auffallend orangefarbenen Trikot mithilfe der nicht weniger ins Auge stechenden Linienrichterfahne dem spielleitenden Schiedsrichter inmitten des Platzes assistieren.

Gelebte Inklusion: Schiedsrichter-Assistenten mit Handicap schwenken die Fahne

Im Beisein von Kreisfußballwart Dietmar Pfeiffer und Kreislehrwart Andreas Böck stellte Kreisschiedsrichterobmann Bernhard Depta das nunmehr anlaufende Projekt etwas näher vor. Schauplatz der Veranstaltung war das Sportlerheim der SG Bad Soden, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich Jurji Weiss (ließ sich wegen Krankheit entschuldigen) und Timo Kleespieß auf Anraten ihres Trainers und Mentors Oliver Hofmann zu diesem außergewöhnlichen Schritt entschlossen hatten. „Ich lasse mich überraschen und möchte das Spiel auch aus einer anderen Perspektive begreifen“, freut sich Offensivspieler Timo Kleespieß bereits jetzt auf seine ersten Einsätze mit der orange karierten Fahne.

Die beiden begleiten wird Bernd Leipold vom SV Breitenbach, der sich als aktiver Schiedsrichter dazu bereiterklärt hat, als sogenannter Gespannführer zu fungieren, den jungen Leuten beizustehen und ihnen erste Tipps und Ratschläge mit auf den Weg zu geben. „Ich mache das sehr gerne und habe ja gesagt“, sieht Leipold seine Aufgabe in erster Linie darin, Menschen mit Behinderung eine weitere Art der Teilhabe am Fußball zu ermöglichen. Ein besonderes Augenmerk gelte dem Fairplay-Gedanken. Gerade das Schiedsrichterwesen eigne sich hierzu ganz besonders, weil dadurch Führungsrollen übernommen würden. Diese wiederum förderten das Selbstbewusstsein, steigerten die Kommunikationsfähigkeit und ermöglichten eine ganzheitliche Partizipation am Fußball.

Das Ziel: Menschen mit Behinderung langfristig in die Strukturen der Fußballverbände zu integrieren

Schiedsrichterobmann Bernhard Depta wies in seinen Ausführungen darauf hin, dass sich bis ins Jahr 2024 alle 32 hessischen Fußballkreise mit diesem Thema beschäftigen müssten. Unterstützt von der DFB-Stiftung Egidius Braun seien die Fußballkreise angehalten, sich der Schiedsrichterausbildung für Menschen mit Handicap anzunehmen. „Wir wollen heute den Anfang machen und haben einen Fahrplan festgelegt“, ging Depta auf einige Besonderheiten der vereinfachten Ausbildung zum Schiedsrichter-Assistenten ein. Zunächst gelte es, nur dann die Fahne zu heben, wenn der Ball die Außenlinie überschritten habe.

Für Kleespieß und Weiss sei zunächst der Einsatz im D-Juniorenbereich vorgesehen, immer in Absprache und Koordination mit den Projektverantwortlichen. „Das Maximum wäre der Einsatz in der C-Liga“, sagte Depta, dem Leipold hinzufügte, dass gerade in der untersten Schlüchterner Spielklasse oftmals noch nicht einmal ein Linienrichter von den beteiligten Vereinen gestellt werden könne.

Was die Auslagen zwecks Anreise zu den Spielorten betreffe, die Anrechenbarkeit auf das Schiedsrichter-Soll sowie den Versicherungsschutz für Nicht-Vereinsmitglieder, erläuterte Depta: „Da sind noch viele Fragen offen. Doch jetzt gilt es erst einmal, einen gewissen Anfang zu machen.“ Natürlich sei man in den Reihen der Fußballkreis-Verantwortlichen für interessierte Nachahmer offen: „Bei den zwei Akteuren aus dem Inklusionsteam muss es ja nicht bleiben“, sagte Depta, der abschließend bemerkte, vordringlichstes Ziel des Projektes sei es, Menschen mit Behinderung langfristig in die Strukturen der Fußballverbände zu integrieren.

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