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Herbert und Wettels: Ziemlich verschiedene Aufsteiger

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Von: Steffen Kollmann

Justin Herbert Eric Wettels Schiedsrichter
Justin Herbert (links) und Eric Wettels dürfen in der kommenden Saison beide in der Hessenliga pfeifen – der bisherige Höhepunkt in der Laufbahn der jungen Schiedsrichter. © Charlie Rolff

Sie sind fast gleich alt, haben einen ähnlichen Weg hinter sich und dürfen beide in der nächsten Saison in der Hessenliga pfeifen. Es gibt viele Parallelen zwischen Justin Herbert (21) und Eric Wettels (22), doch auf den zweiten Blick werden die Unterschiede noch offensichtlicher.

Wenn man den Namen Justin Herbert googelt, landet man zunächst bei einem jungen Mann, der Schätzungen zufolge 6,6 Millionen Dollar im Jahr verdient. Namensvetter Justin Herbert aus den USA ist Quarterback des NFL-Clubs Los Angeles Chargers, ein vielversprechendes Talent. „Es ist ganz gut, dass man mich nicht direkt findet. Das heißt, dass ich als Schiedsrichter noch nicht negativ in den Schlagzeilen war“, nimmt der Unparteiische Herbert – im Übrigen überhaupt kein Football-Fan – die Sache mit Humor.

Herberts Weg als Schiedsrichter war vorbestimmt – das kann man nicht anders sagen. Sein sechs Jahre älterer Bruder Joshua ist einer der bekanntesten Schiedsrichter der Region und hauptverantwortlich dafür, dass Justin auch zur Pfeife gegriffen hat. „Er hat mich damals überredet. Ich hatte eigentlich gar nicht so viel Lust darauf. Aber jetzt kann ich sagen, dass die Schiedsrichterei das geilste Hobby ist, was man sich vorstellen kann“, sagt der seit 2014 pfeifende Gotthardser.

Justin Herbert: „Schiedsrichterei das geilste Hobby, das man sich vorstellen kann“

Warum die Schiedsrichterei so toll ist? „Es gibt ganz viele Facetten, die dir nicht nur im Fußball, sondern auch im persönlichen und beruflichen Leben weiterhelfen. Man entwickelt sich unheimlich. Dazu kommt das Drumherum im Team, das richtig Spaß macht“, denkt der duale Student beim Land Hessen beispielsweise an das besondere Gespann beim Hessenpokal-Finale zwischen Kickers Offenbach und dem TSV Steinbach Haiger (1:0) dieses Jahr. Bruder Joshua pfiff, Justin und Tim Waldinger waren die Assistenten.

„Das war nicht nur von der Brisanz und den Zuschauern besonders, sondern vor allem deshalb, weil es das letzte wichtige Spiel von meinem Bruder war“, erklärt Justin Herbert. Bruder Joshua hat sich aufgrund fehlender Perspektive aus der Regionalliga in die Hessenliga zurückgezogen, die Herberts werden also auf dem gleichen Niveau pfeifen. „Mein Bruder hat sich zum Beispiel aus der Regionalliga zurückgezogen, weil der Fokus eher auf den jungen Schiedsrichtern liegt. Ich weiß, dass es nicht immer nur nach oben geht“, sagt der Referee des FSV Schwarzbach.

Der 21-Jährige, der erst vor zwei Jahren in die Verbandsliga aufgestiegen war, arbeitet deshalb nicht verbissen auf den nächsten Schritt hin. „Natürlich bin ich froh, wenn meine Leistung honoriert wird. Ich freue mich aber genauso darüber, wenn ich ein Kreisoberliga-Spiel pfeifen darf“, sagt Justin einen Satz, der auch von Bruder Joshua stammen könnte. Und bei den Vorstellungen, wie ein Referee agieren sollte, klingen sie ebenfalls ziemlich gleich: „Ich sehe mich als Teil des Spiels, versuche, mit den Spielern zusammenzuarbeiten. Ich gebe eine falsche Entscheidung lieber zu, um ein gutes Miteinander zu erreichen, denn das wird dir zurückgezahlt.“

Eric Wettels: „Als Sportler sollte man das Ziel haben, so hoch wie möglich zu kommen“

Im Gegensatz zu Justin Herbert hatte Eric Wettels keine Schiedsrichter-Vorbilder in der Familie. Der ein Jahr ältere Haimbacher, der ebenfalls als 13-Jähriger Unparteiischer wurde, kann sich gar nicht mehr daran erinnern, warum er die Pfeife damals erstmals in die Hand nahm. Die Entscheidung war jedenfalls eine gute, die nach vier Jahren in der Verbandsliga mit dem Hessenliga-Aufstieg vorläufig gekrönt wurde. „Natürlich ist einem bewusst, dass man jetzt zu den besten in Hessen gehört und bald auch über die Landesgrenzen hinaus pfeifen darf“, freut sich Wettels darüber, außerdem A- und B-Junioren-Bundesligaspiele leiten zu dürfen.

Mit höherklassigen Vereinen kam der Schiedsrichter schon öfter in Berührung. Wettels leitete beispielsweise das Kreispokal-Halbfinale zwischen der SG Barockstadt und dem SV Neuhof oder das Testspiel zwischen Buchonia Flieden und dem FSV Frankfurt. Zur neuen Saison folgen nun die nächsten Schritte für den ehrgeizigen 22-Jährigen. „Ich habe mich riesig über das Vertrauen gefreut“, sagt der Steuerfachwirt, der seinen Weg noch keineswegs als beendet sieht. „Als Sportler sollte man immer das Ziel haben, so hoch wie möglich zu kommen – auch wenn eine Menge Arbeit dahintersteckt.“

Der Schiedsrichter des Haimbacher SV hat für sich den bestmöglichen Weg gefunden, um die Spiele zu leiten: „Ziel des Schiedsrichters sollte es sein, nicht aufzufallen. Man sollte das Chefsein nicht raushängen lassen, auch wenn man gerade als junger Schiedsrichter mal durchgreifen muss. Wichtig ist es aber, dass sich Spieler und Schiedsrichter auf einer Ebene bewegen“, so der Beisitzer des Fuldaer Kreisschiedsrichter-Ausschusses, der einen Dank an seine Assistenten ausspricht.

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