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Schlau ist er - und richtig gut

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Von: Johannes Götze

Ein Bild aus gegenwärtigen Tagen, das die Barockstadt-Fans auch in Zukunft gerne sehen würden: Einen jubelnden Jan Lüdke.
Ein Bild aus gegenwärtigen Tagen, das die Barockstadt-Fans auch in Zukunft gerne sehen würden: Einen jubelnden Jan Lüdke. © Stefan Tschersich

Jung und doch erfahren. Einer, der Verantwortung liebt und dem das Rampenlicht manchmal zu viel ist. Klar im Kopf ist er ebenfalls und richtig Bock hat er sowieso. Auf Jan Lüdke kann sich die SG Barockstadt freuen.

Eine Szene bleibt aus den drei Spielen zwischen der SG Barockstadt und Jan Lüdkes FC Erlensee in dieser Saison im Kopf: Einen Ball im Mittelkreis steckte der 24-Jährige im Sprung mit der Hacke durch und bereitete so aus dem Nichts eine Großchance vor. Ein Raunen ging durch die Johannisau. Lüdke erinnert sich noch genau: „Den Ball bekomme ich nicht anders verarbeitet, da agiere ich instinktiv.“ Diese Aktion zeigt, was Lüdkes größte Stärke ist: In Millisekunden das Spiel verändern, ihm ein anderes Tempo verleihen. Er kann auf der Doppelsechs, der Acht oder der Zehn spielen. Das Zentrum ist sein Revier, mit den Platzhirschen Patrick Schaaf – der wie Tobias Wolf und Tobias Göbel verlängert hat – oder Leon Pomnitz an seiner Seite soll dies in Fulda nicht anders werden.

Jan Lüdke ist eines der Gesichter des Erlensee-Erfolgs

Verstecken will er sich vor ihnen nicht, wenngleich er von Schaafs Präsenz und Pomnitz‘ Spielintelligenz schwärmt. „Aber beide sind mit mir als Spielertyp gar nicht vergleichbar. Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam auf dem Platz harmonieren.“ Lüdke kann sich einschätzen und einordnen. Er ist ein Leader. Das wurde früh deutlich: Der gebürtige Langenselbolder wurde in der Erlenseeer Jugend ausgebildet, spielte mit ihr auf Top-Hessenliganiveau. Er war da schon Anführer und wurde mit 18 Jahren Kapitän des Seniorenteams. Das spielte zwar „nur“ Kreisoberliga, doch er schrieb Schlagzeilen. 18 Tore in 17 Spielen. Nicht als Stürmer, sondern als defensiver Mittelfeldspieler. Seine erste Halbserie als Seniorenspieler war oberstes Regal. Eine Schulterverletzung warf ihn lange zurück, ein einjähriges Verbandsliga-Abenteuer bei Viktoria Nidda folgte. Anschließend gelang ihm der Durchmarsch mit Erlensee bis in die Hessenliga. Lüdke war Erfolgsgarant und stets eines der Gesichter des FCE-Erfolgs. In dieser Saison weckte er einmal mehr Begehrlichkeiten: Neun Tore und sieben Vorlagen steuerte er als zentraler Mittelfeldspieler zur besten Saison der Erlenseeer bei. Oft dank explosiver Tiefenläufe. Eine seiner Stärken.

Am Sonntag könnte er seinem neuen Club helfen: Punktet Erlensee in Eddersheim, könnte Barockstadt schon fest für die Aufstiegsspiele planen, vorausgesetzt die SGB erledigt selbst am Samstag (16 Uhr) in Dietkirchen ihre Hausaufgaben. Als netten Randaspekt tut Lüdke das ab. Wobei ihn die Regionalliga reizt. Deswegen kommt er in die Domstadt. „Die Entscheidung ist mir schwergefallen. Meine engen Freunde spielen in Erlensee. Ich treffe sie viermal pro Woche auf dem Platz.“ Aber: Sportliche Perspektive, Rahmenbedingungen und das Team hätten ihn überzeugt.

Reue soll bei Lüdke später kein Thema sein

In die Barockstadt wird er von Langenselbold aus pendeln. Rund 40 Minuten pro Strecke. Nach abgeschlossenem Studium arbeitet der Ernährungswissenschaftler im noch etwas südlicher gelegenen Großwallstadt. Selbst mit der Regionalliga ließe sich seine Vollzeitstelle aber vereinbaren, wie er betont:. „Das war mir wichtig. Fußball bleibt mein Hobby.“

Wenngleich Hobby der falsche Ausdruck ist. Lüdke atmet Fußball ständig und überall, ordnet ihm fast alles unter. Schon immer. Außer Ausbildung und Beruf. Da ist er ebenfalls ehrgeizig, aber nicht so verbissen. „Vielleicht ist es eine Schwäche, dass ich die Negativerlebnisse im Fußball noch mit nach Hause nehme. Daran muss ich arbeiten“, sagt der, der noch auf seine Eltern hört. „Mein Vater hätte den Schritt ebenfalls machen können und bereut es heute. Das will ich nicht.“

Mein Vater hätte den Schritt ebenfalls machen können und bereut es heute. Das will ich nicht.

Jan Lüdke

Dass der Eintracht-Fan früher mit Sebastian Rode verglichen wurde, passt ihm nicht. Ganz andere Spielweise. Sagt er. Und Tore schießt der Rode auch nicht. Denkt Lüdke. Vielleicht. Er, der Ehrgeizige, der das Maximum will und weiß, was er kann. Nicht abgehoben ist. Und gar keine Lust darauf hat, „nur“ als Straßenfußballer charakterisiert zu werden, auch wenn er wegen seiner bisweilen spektakulären Spielweise bisweilen so wirkt.

Schließlich könne er jedes System spielen. Und schlau ist er. Nicht nur neben dem Platz. Er schaut Fußball schon jetzt aus Trainersicht. Analysiert und weiß, was ihn erwartet. Selbst in der Regionalliga. Und das traut er sich und Verein zu.

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