Leon Zöll (rechts) kam in allen acht Saisonspielen zum Einsatz - sechsmal von Beginn an. Foto: Charlie Rolff
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Leon Zöll (rechts) kam in allen acht Saisonspielen zum Einsatz - sechsmal von Beginn an.

"Dieses Vertrauen ist nicht selbstverständlich"

Nach vielen Jahren in Erfurt zog es Leon Zöll zurück in die Heimat. Nicht ganz, denn der gebürtige Eiterfelder wechselte zum Hünfelder SV. Beim Hessenligisten eroberte Zöll einen Stammplatz auf der linken Verteidigerseite.

Das erste spielfreie Wochenende des Hünfelder SV brachte Zeit zum Durchatmen. Auch für Leon Zöll. Und damit Zeit, den Saisonstart Revue passieren zu lassen. In allen acht Spielen kam der 19-Jährige zum Einsatz, sechsmal von Beginn an. Trainer Johannes Helmke vertraute dem in Frankfurt, Offenbach und Erfurt ausgebildeten Verteidiger. "Das ist für einen Spieler, der aus der Jugend kommt, nicht selbstverständlich", freut sich Zöll, gleich nachschiebend, dass er dieses Vertrauen Woche für Woche mit seinen Leistungen zurückzahlen zu wollen.

Es sind die Worte eines 19-Jährigen, der für sein Alter bereits sehr reif wirkt. Mit 14 wechselte Zöll ins Sportinternat von Rot-Weiß Erfurt, war schon früh im Leben auf sich allein gestellt. „In dieser Zeit habe ich sehr viel mitgenommen in Sachen Eigenständigkeit. In der Persönlichkeitsentwicklung habe ich in den Jahren riesige Schritte gemacht“, sagt Zöll. Schwer sei die Anfangszeit allemal gewesen, in den ersten Monaten war Heimweh das bestimmende Gefühl. Doch in Erfurt fand er Bezugspersonen, hatte seine Mitspieler. Irgendwann kam der Zeitpunkt, als er sich an den Wochenenden bei der Familie wieder auf die Rückfahrt in die thüringische Landeshauptstadt freute.

Dass er in Erfurt landete, lag unter anderem daran, dass seine Eltern enormen Aufwand leisten mussten. Mit zehn Jahren ging es von Eitratal zu Eintracht Frankfurt. Drei- bis viermal die Woche wurde Zöll ins Training gefahren, am Wochenende standen bundesweit Turniere an. „Aber das war eine super Erfahrung, ich habe mit sehr guten Leuten zusammengespielt“, blickt Zöll zurück. Nach zwei Jahren aber endete die Zeit bei der SGE. Neun Spieler aus dem 14er-Kader wurden aussortiert, der Eiterfelder war ein Wackelkandidat. „Ich hätte bleiben können, aber mit Aussicht auf wenig Spielzeit. Als Junge willst du Fußball spielen“, sagt Zöll und wechselte nach Offenbach, freundete sich dort mit dem heutigen Mainz-Profi Paul Nebel an. Ein Schritt zurück, um zwei nach vorne zu gehen. Den Schritt nach Erfurt.

"Ich bin jetzt angekommen"

Die ganze Entwicklung, die er bei seinen Stationen in der Jugend mitgenommen habe, sowohl sportlich als auch persönlich, komme Zöll nun zu Gute. An das Niveau der Hessenliga hat er sich gewöhnt, auch wenn er ein paar Spiele gebraucht habe. "In Erfurt habe ich ein Jahr im Kader der ersten Mannschaft trainiert, das war für mich rückblickend ein Vorteil. Trotzdem war es eine große Umstellung. Aber ich denke, dass ich jetzt angekommen bin", sagt Zöll, der den Klassenerhalt mit Hünfeld am liebsten so früh wie möglich sichern würde. Bedeutet: zur Winterpause. "Wir sind selbstbewusst genug, aber das wird natürlich schwer", weiß der 19-Jährige.

Denn neben Alzenau und Stadtallendorf warten in den kommenden Wochen Derbys gegen die Barockstadt. Wichtiger werden allerdings die beiden kommenden Spiele gegen Neuhof und Flieden. Partien gegen die osthessischen Konkurrenten, auf die sich Zöll freut: "Grundsätzlich gehen wir jedes Spiel gleich an, aber vor den Derbys ist eine besondere Spannung im Training zu spüren. Bei diesen Spielen sind normalerweise mehr Zuschauer da, das pusht einen als Spieler noch mehr."

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