1. torgranate
  2. Hessenliga

Dietkirchen im siebten Fußball-Himmel

Erstellt: Aktualisiert:

Dietkirchens Kapitän Robin Dankof (Nummer 9) begrüßt den Zeilsheimer Spielführer Dominik Reining und das Schiedsrichtergespann. Foto: Pedro Acebes.
Dietkirchens Kapitän Robin Dankof (Nummer 9) begrüßt den Zeilsheimer Spielführer Dominik Reining und das Schiedsrichtergespann. © Pedro Acebes.

Am letzten Spieltag der Gruppe B der Hessenliga hat sich mit dem TuS Dietkirchen ausgerechnet jene Mannschaft das letzte Ticket für die Aufstiegsrunde gesichert, die mit der schlechtesten Ausgangsposition in den letzten Durchgang der Südstaffel ging. Während der SV Zeilsheim nach der 1:3 (0:1)-Niederlage gegen die Limburger Vorstädter am Boden zerstört war, da die Frankfurter nun mit der gefährlichen Abstiegsrunde vorlieb nehmen müssen, feierte Dietkirchen an der Lenzenbergstraße den mit diesem Erfolg verbundenen Klassenerhalt und fühlte sich wie im siebten Fußball-Himmel.

Zeilsheim hat sich das Verpassen der Aufstiegsrunde selbst zuzuschreiben. Nach dem 2:0-Sieg in Hadamar am 23. Oktober standen "die Grüne" auf Rang drei, um danach in fünf Spielen keinen Punkt mehr zu holen. Ein Zähler aus diesen Begegnungen hätte in der Endabrechnung gereicht, der wurde aber auch im entscheidenden Spiel gegen Dietkirchen verpasst, weswegen die Enttäuschung bei Trainer Soufian Houness nach dem Abpfiff spürbar war. Der Coach, der kurz vor Saisonbeginn aus der Kreisoberliga-Mannschaft aufrückend die Nachfolge des langjährigen Trainers Sascha Amstätter angetreten hatte, sagte deutlich: "Vor allem waren das auch machbare Spiele, denn wir hatten zwei Gegner von unten und heute das Finale gegen Dietkirchen. Am Ende ist das alles sehr bitter, weil die Art und Weise, wie wir gespielt haben, ganz gut war. Der Matchplan schien aufzugehen, wir waren gut im Spiel. Meines Erachtens haben die Schiedsrichter das Spiel mit entschieden."

Houness spielte auf die Situation Mitte der ersten Hälfte an, als Dietkirchens Torhüter Max Gotthardt außerhalb des Strafraums SVZ-Stürmer Yves Böttler umriss. "Er trifft den Ball nicht. Meines Erachtens eine klare Rote Karte", beschwerte sich der Zeilsheimer Trainer. Die Gäste, unablässig akustisch unterstützt durch eine größere mitgereiste Fangruppe, hatten Routinier Steffen Moritz als einzige Sturmspitze aufgeboten, der in der neunten Minute einfach mal aus 40 Metern abzog und das Tor knapp verfehlte. Aber auch die Frankfurter kamen zu ihren Möglichkeiten. Nach einer Hereingabe von Josef Sultani wurde Keanu Hagleys Schuss abgeblockt und kurz danach verfehlte Ivan Samardzic aus aussichtsreicher Position das Tor. Schnell wurde dann beim Erkunden der anderen Spielstände in Ginsheim und Walldorf deutlich, dass der Sieger der Begegnung an der Lenzenbergstraße letztlich profitieren würde. Zur Halbzeit war den knapp 250 Zuschauern klar, dass Zeilsheim sogar ein Unentschieden reichen könnte.

Wörsdörfer überglücklich: "Der Verein kann jetzt ruhig planen."

Dietkircher Jubelkreis nach dem Abpfiff. Foto: Pedro Acebes.
Dietkircher Jubelkreis nach dem Abpfiff. © Pedro Acebes.

Da waren aber die Gäste durch Dennis Leukel nach einem Freistoß in Führung gegangen (41.). Auch an der Entstehung dieses Treffers hatte Houness etwas auszusetzen: "Bei der Ballmitnahme im Lauf war die Hand im Spiel. Die zweite klare Fehlentscheidung war ein Genickbruch. So trat bei uns als instabiler Mannschaft wieder Verunsicherung auf." Die wurde dann drei Minuten nach Wiederbeginn größer, als Dietkirchen durch den abgefälschten Schuss von Colin Schmitz die Gäste in einen Fußball-Rausch versetzte (48.). Die Gastgeber brauchten eine Weile, um sich vom Schock zu erholen, kamen dann aber nach drei Spielerwechseln durch Patrick Kalata per Direktabnahme zum Anschlusstreffer (72.). Jetzt fehlte dem SVZ ein Tor zum Glück, während Gästecoach Thorsten Wörsdörfer seine Mannen bei vier Grad im Nieselregen kurzärmelig dirigierte. Zeilsheim erhöhte den Druck, doch Böttler und Raffael Grigorian fehlte das Glück im Abschluss.

Mit dem wuchtigen Schuss von Rechtsverteidiger Moses Nickmann zum 1:3 (85.) war Dietkirchen dann endgültig im siebten Fußball-Himmel. Doch Restzweifel blieben in der sechsminütigen Nachspielzeit. Was, wenn Walldorf doch zum 2:2 ausgleichen würde? Auch nach dem Schlusspfiff, als die enttäuschten Zeilsheimer längst in der Kabine verschwunden waren, wurde minutenlang auf die Bestätigung des Dreieicher Sieges gewartet. Dann brandete die Dietkircher Delegation samt mitgereistem Anhang im kollektiven Jubel auf. Wörsdorfer, der den Club nach dem Ende dieser Saison verlässt, rang nach Worten: "Wie die Jungs hier gefighted haben, das war schon überragend. Ich bin überglücklich, denn für den Verein heißt das auch nächste Saison Hessenliga zu spielen. Wir können jetzt ruhig planen. Mein Nachfolger kann eine Mannschaft zusammenstellen, junge Spieler weiterentwickeln." Zur Konstellation sagte Wörsdörfer: "Es sollte wohl einfach so sein. Das hat sich die letzten Spiele so abgezeichnet, wo Du nicht gut spielst, aber gewinnst. Jetzt freuen wir uns auf Stadtallendorf und Fulda, Wahnsinn."

Die Statistik:

SV Zeilsheim: Reining; Hofmeier, Fujiwara, Uslu, Pitas (64. Aykir) - Sultani (56. Kalata), Hagley - Samardzic (56. Pandza), Grigorian, Maingad - Böttler.
TuS Dietkirchen: Gotthardt; Nickmann, Bergs, Böcher, Stahl - Hautzel - Leukel (89. Groß), Kratz, Dankof, Schmitz (87. Mink) - Moritz (80. Müller).
Schiedsrichter: Daniel Velten (TSV Laufdorf).
Zuschauer: 247.
Tore: 0:1 Dennis Leukel (41.), 0:2 Colin Schmitz (48.), 1:2 Patrick Kalata (72.), 1:3 Moses Nickmann (85.).

Auch interessant