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Eric Ganime: Ein Globetrotter wird in Fulda heimisch

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Von: Steffen Kollmann

Fußball 2021-2022/Hessen-Pokal 2021-2022/Halbfinale/SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (schwarz) - TSV Steinbach Haiger (rot) 1:3
Eric Tavares Ganime Bastos wechselte im Januar von Neuhof zur SG Barockstadt.  © Charlie Rolff

Brasilien. USA. Wuppertal. Neuhof. Barockstadts Neuzugang Eric Ganime ist nach vielen Umwegen endlich dort angekommen, wo er immer sein wollte. Bei „Barockstadt inside“ erzählt der 25-Jährige seine Geschichte.

Ich war immer ein Fan von Deutschland. Und ganz besonders dem Fußball hier: Die Bundesliga mit den Stadien und Fans hat mich schon als Kind fasziniert. Deswegen habe ich 2019 sofort die Gelegenheit ergriffen, zum SV Wuppertal in die Regionalliga West zu wechseln. Doch ich konnte nicht in Deutschland bleiben, weil ich keinen europäischen Pass hatte. Ich musste zurück in meine Heimat Brasilien. Dann kam Covid19. Und die schwierigste Zeit meiner Karriere begann.

Den leichtesten Weg bin ich nie gegangen. Als ich 17 Jahre alt war, bekam ich von einem amerikanischen College das Angebot, in die USA zu gehen. Am Anfang konnte ich mir das nicht vorstellen. Ich habe immer in Rio de Janeiro gelebt, im Nachwuchs der großen Vereine Flamengo und Fluminense gespielt – unter anderem mit dem heutigen Nationalspieler Lucas Paqueta, der am gleichen Tag wie ich zu Flamengo kam und heute bei Olympique Lyon spielt. Mein großes Ziel war es ebenfalls, Profifußballer zu werden. Meine Eltern konnten mich überzeugen, dass der Schritt in die USA ein guter wäre. Dort konnte ich auf hohem Niveau spielen und zudem meinen Abschluss in Wirtschaft machen.

Die Zeit in Amerika war ziemlich erfolgreich, ich konnte mehrere Titel einfahren. Ich habe in Iowa, Pennsylvania und Florida gelebt, viele Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturen kennengelernt. Und meine Verlobte. Sie kommt genauso wie ich aus Brasilien und spielte am College Volleyball.

SG Barockstadts Eric Ganime: Freundschaftsspiel mit Wuppertal gegen Bayer Leverkusen

Nachdem ich meinen Abschluss in der Tasche hatte, vermittelte mich ein deutscher Agent nach Wuppertal. Ich konnte die Sprache nicht, verstand kein Wort Deutsch. Aber jeder war sehr geduldig mit mir, und die Vorbereitung auf die Regionalliga-Saison lief gut. Bei jedem Freundschaftsspiel war ich dabei, auch gegen Bundesligist Bayer Leverkusen. Stars wie Kerem Demirbay und Kevin Volland spielten mit, gegen Moussa Diaby hatte ich einige gute Tacklings.

Es sollte mein letztes Spiel für Wuppertal bleiben, meine Arbeitserlaubnis lief nach drei Monaten ab. Obwohl ich schon vor rund zehn Jahren einen italienischen Pass beantragt hatte – meine Ur-Großeltern kommen aus Italien –, dauerte es bis April vergangenen Jahres, bis ich den Pass endlich bekam. Zwei Jahre zuvor war er aber noch nicht da, also musste ich Deutschland verlassen. Kurz danach begann die Corona-Pandemie, der Spielbetrieb wurde überall gestoppt.

Zum Glück bekam ich vor einem Jahr das Angebot, zum SV Neuhof zu wechseln. Wir haben eine gute Saison gespielt, die SG Barockstadt wurde auf mich aufmerksam. Der Club und ich haben das gleiche Ziel: Wir wollen in die Regionalliga. Dabei will ich helfen und das Vertrauen in mich zurückzahlen.

Meine Verlobte ist bei mir und unterstützt mich, wir lernen gemeinsam die deutsche Sprache. Ich konzentriere mich nur auf den Fußball. Denn ich will mir nicht irgendwann vorwerfen, nicht alles versucht zu haben. Ich möchte so lange wie möglich auf dem höchsten Niveau spielen und gerne länger in Deutschland bleiben. Die Lebensqualität ist hier sehr gut.

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