Johannes Helmke (links) trug mal wieder in der Hessenliga für den Hünfelder SV nach vielen Jahren das Trikot.
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Johannes Helmke (links) trug mal wieder in der Hessenliga für den Hünfelder SV nach vielen Jahren das Trikot.

Niederlage bei Türk Gücü Friedberg

Mit Helmke, Grosch und Brunner am Platz: Hünfelds Abstiegs besiegelt

Jetzt ist amtlich, was sich seit einigen Wochen abgezeichnet hatte. Der Hünfelder SV steigt nach zwei Jahren Klassenzugehörigkeit wieder in die Verbandsliga Nord ab. Durch die 1:2 (0:2)-Niederlage im drittletzten Spiel der Abstiegsrunde bei Türk Gücü Friedberg ist auch die letzte theoretische Hoffnung dahin. Um diese aufrechtzuerhalten, wäre ein Sieg am Ober-Rosbacher Eisenkrain vonnöten gewesen. Doch es kam wie erwartet: Die seit acht Spielen ungeschlagenen Wetterauer durften nach dem Abpfiff den Klassenerhalt und ihren Retter Enis Dzihic feiern.

Die Gäste hatten lediglich 14 Akteure auf dem Spielberichtsbogen eingetragen. Neben Trainer Johannes Helmke stellten sich noch Co-Trainer Simon Grosch und Ersatztorhüter Fabian Brunner zur Verfügung. Der war mangels Alternativen als Feldspieler eingeplant. „Das sagt eigentlich alles über unsere Personallage. Wir gehen personell auf dem Zahnfleisch, da sind wir absolut am Limit“, sagte Helmke nach dem Abpfiff. Nachdem Helmke und Grosch die ersten 45 Minuten auf den Trainerstühlen saßen und Brunner sich alleine auf der Ersatzbank befand war die Hünfelder Bank nach dem Seitenwechsel zunächst komplett leer. Alle drei Ersatzspieler machten sich nach dem 0:2-Pausenrückstand warm. Zeitweise befand sich der Hünfelder Betreuer alleine in der Coaching-Zone. In der 59. Minute kam das Trainerduo dann rein, „nachdem wir zuletzt vor fünf Jahren für die Zweite Mannschaft in der Kreisoberliga gespielt haben“, wie Helmke darlegte. Fortan coachte dann der ausgewechselte Steffen Witzel von außen.

In der 77. Minute ging dann Kapitän Julian Rohde vom Feld, übergab die Binde an Brunner, der sich nun in der Sturmspitze auf Hessenliga-Niveau beweisen durfte. Dass sich Hünfeld aller personellen Widrigkeiten zum Trotz in der Wetterau noch vernünftig präsentierte und sogar zum sehenswerten 2:1-Anschlusstreffer durch den Distanzschuss von Andre Vogt kam (68.), war trotz des Abstieges aller Ehren wert. Eindeutig war allerdings, dass Friedberg auch ohne den coronabedingt fehlenden Torjäger Noah Michel hoch überlegen war und das Spiel deutlich höher hätte gewinnen müssen. „Die spielerische Klasse der Gastgeber war enorm, die zweite Halbzeit haben wir aber besser rein gefunden“, betonte Helmke. Friedberg war durch Demyan Imek in Führung gegangen, nachdem Peter Jost ihn schön in den Lauf gespielt hatte (14.). Die Gäste überließen den Friedbergern weiter den Ball, kamen durch Vogt zu einem ersten Abschluss. Vor den Augen von Verbandsfußballwart Thorsten Bastian hebelte Imek mit einem weiteren einfachen Pass die Gästeabwehr aus, Eray Eren versenkte vor HSV-Torhüter Benedikt Kaiser zum 2:0 (42.).

Türk Gücü Friedberg auf der Suche nach neuer Heimspielstätte

Nach dem Seitenwechsel verpassten es die Gastgeber, das Ergebnis in die Höhe zu schrauben. Trotz der beschriebenen Wechsel fiel Hünfeld nicht auseinander, was aber auch an der fehlenden Konsequenz der TGF-Angreifer lag. Viel zu oft wurde quer gelegt, statt zu schießen. Insbesondere Kamil Yikilmaz traf beim Torabschluss zu oft die falsche Entscheidung. Nach dem Anschlusstor ging Friedberg kein Risiko mehr ein, da der Sieg definitiv zum Klassenverbleib langen würde. In Gefahr geriet der Dreier dann nicht mehr, auch wenn es die Zusestädter in der Nachspielzeit noch einmal mit langen Bällen probierte. „Wir sind ein bodenständiger Verein, der Abstieg ist für uns alle total bitter. Wir stecken viel Herzblut in den Fußball. Es ist aber nicht heute passiert, sondern es hat sich seit Wochen abgezeichnet. Wir blicken jetzt aber nach vorne und sind frohen Mutes, in der Verbandsliga eine gute Truppe zu stellen“, sagte Helmke.

Bei Türk Gücü Friedberg wollte sich Dzihic nach der gelungenen Mission nicht als alleiniger Retter feiern lassen: „Ich bin ein Teil der Mannschaft. Einer langt nie, denn es ist ein Mannschaftssport. Ich habe den Spielern elementare Sachen im Fußball abverlangt, dass die Qualität da war, wusste ich. Diese Mentalität hat das Team hervorragend umgesetzt. Ein Teil davon bin ich, denn ohne die Mannschaft bin ich nichts“, blieb Dzihic bescheiden. „Wir hatten Hünfeld klar im Griff, nach dem 2:1 haben wir es relativ gut runter gespielt. Bei manchen Situationen raste ich aber als ehemaliger Stürmer aus, wenn aus 35 Metern geschossen wird und nicht aus fünf“, so Dzihic. Am Rande der Partie wurde bekannt, dass sich TGF für die neue Saison eine neue Heimspielstätte suchen muss. Der Vertrag für die Nutzung des Sportplatzes des FC Ober-Rosbach wird nicht verlängert. Womöglich könnte Türk Gücü auf dem Friedberger Burgfeld unterkommen, wo im November noch unter Ex-Trainer Carsten Weber der 1:0-Sensationssieg über Drittligist SV Wehen Wiesbaden gelang. Sicher ist das noch keineswegs. „Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden und mit der Stadt Friedberg zu einer Einigung kommen“, äußerte sich Dzihic zum Thema.

Statistik

Türk Gücü Friedberg: Koob; Usic, Dudda, Saighani - Henrich, Eren - Jost (88. Mahmudov), Schorr, Häuser (72. Fukuhara) - Yikilmaz, Imek (57. Demir). 
Hünfelder SV: Kaiser; Zvekic, Faulstich, Witzel (59. Grosch), Schilling - Witte (59. Helmke), Vogt, Rohde (77. Brunner), Alles - Vogler, Krieger.  
Schiedsrichter: Joschka Pfeifer (FSV Rimbach). 
Zuschauer: 103. 
Tore: 1:0 Demyan Imek (14.), 2:0 Eray Eren (42.), 2:1 Andre Vogt (68.).

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