1. torgranate
  2. Hessenliga

Rot, Elfmeter-Fehlschuss und 14 gelbe Karten: FC Gießen gewinnt emotionales Spiel

Erstellt:

Fußball 2022-2023/Hessenliga 2022-2023 - Hier: SV Steinbach (grau) - FC Gießen (rot) 3:3 - Torwart Aleksa Lapic (FC Gießen - gelb)
Aleksa Lapcic, Keeper des FC Gießen, parierte kurz vor Schluss einen Elfmeter von Noah Michel. © Charlie Rolff

In einem emotionalen Hessenliga-Spiel mit Derbycharakter hat Türk Gücü Friedberg am Samstagabend vor der besten Saisonkulisse von 360 Zuschauern gegen den FC Gießen mit 1:2 (0:1) verloren und durch die erste Heimniederlage auf dem Burgfeld und die zweite Niederlage in Folge wichtigen Boden in der Tabelle verloren.

Statt nach Punkten mit Tabellenführer Eintracht Stadtallendorf gleichzuziehen musste Türk Gücü Friedberg nicht nur die formstarken Gießener an sich vorbei ziehen lassen, sondern fiel hinter dem FSV Fernwald sogar auf Rang fünf zurück. Dagegen setzt sich der Höhenflug des FC Gießen nach dem achten ungeschlagenen Spiel in Folge fort. Die Mannschaft von Trainer Daniyel Cimen schob sich mit 27 Punkten auf Rang drei vor und könnte am Mittwoch im Nachholspiel gegen TuS Dietkirchen (19.30 Uhr in Gießen-Rödgen) sogar die Tabellenspitze anvisieren.

Neuzugang vom FC Gießen trifft gegen Friedberg doppelt

„Die neuformierte Mannschaft nimmt eine tolle Entwicklung. Das steht bei uns nach dem Abstieg aus der Regionalliga im Vordergrund. Natürlich fördern die positiven Ergebnisse diesen Prozess. Die Basis für den Erfolg ist, dass wir als Mannschaft unheimlich gut verteidigen und vorne haben wir die Qualität und den Glauben, dass wir die nötigen Tore schießen. Das ist nach einem Viertel der Saison eine schöne Momentaufnahme“, beurteilte Gießens Trainer Daniyel Cimen die Tabellenlage.

Mann des Tages bei den Gästen war in Friedberg der erst kürzlich verpflichtete Mittelstürmer Michael Gorbunow. Der 24-Jährige war nach dem Auslaufen seines Vertrages bei Regionalliga-Absteiger TSV Schott Mainz auf dem Markt und gab im Montagsspiel gegen Rot-Weiß Hadamar sein Debüt. Im zweiten Einsatz - diesmal von Beginn an für den verletzt ausgefallenen Ukrainer Leonid Akulinin - gelangen dem Angreifer gleich zwei Tore. Neben dem frühen Führungstreffer (2.) staubte Gorbunow in der 75. Minute nach einem kuriosen Lattentreffer von Innenverteidiger Adrian Kireski, als der Ball gleich dreimal mit voller Wucht gegen das Aluminium knallte und dazwischen auf dem Rasen abprallte, zum 2:0 ab. „Wir sind froh, dass die Verpflichtung Gorbunows so kurzfristig geklappt hat. Akulinin hat sich im Abschlusstraining verletzt und es sieht nicht gut aus für die zwei Heimspiele. Deswegen sind wir froh, dass Michael jetzt da ist“, sagte Cimen. Kurz danach wurde Friedbergs Abwehrchef Masih Saighani wegen Reklamierens mit der Gelb-Roten Karte bedacht (76.).

Ich finde gut, dass Noah immer wieder hingeht, aber wenn man sich nicht sicher fühlt, kann auch mal ein anderer schießen.“

Friedbergs Trainer Enis Dzihic über den verschossenen Elfmeter

Und dennoch hätte Türk Gücü trotz einer insgesamt nicht guten Vorstellung noch einen Zähler ergattern können. Nach einer Kopfballablage des eingewechselten Japaners Kodai Hayashi war der defensive Mittelfeldspieler Daniel Henrich per Kopf erfolgreich (80.). Und dann hätte Torjäger Noah Michel gegen seinen Ex-Verein mit einem an ihm selbst verwirkten Foulelfmeter wenigstens noch einen Punkt retten können, doch FCG-Torwart Aleksa Lapcic parierte bravourös (87.). Als dann Friedberg in der Nachspielzeit alles samt Torhüter Felix Koob nach vorne warf, versuchte es Gießen mit Wessam-Ghani aus 50 Metern, doch der Ball hoppelte langsam am Tor vorbei. Türk Gücü Friedbergs Trainer Enis Dzihic war über das Auftreten enttäuscht: „Wir haben die erste Hälfte verpennt und haben nicht gut gespielt. Momentan machen wir es dem Gegner zu einfach. Auch meine erfahrenen Spieler machten zu viele ‚unforced errors‘. Wir schießen zwei Freistöße planlos ins Seitenaus, ohne dass jemand von uns da steht. Nach dem 0:4 in Fernwald haben wir den Turnaoround in den Köpfen nicht geschafft.“

Noah Michel verschießt Strafstoß kurz vor Spielende

Der Ex-Profi nahm auch zur kleinlichen Spielleitung von Christian Stübing Stellung, de insgesamt 14 Gelbe Karten verteilte, eine davon an ihn selbst: „Das zweite Gegentor resultiert aus einer unberechtigten Ecke, da fragt mein Spieler, warum das Ecke war und bekommt Gelb-Rot. Die Linie der Schiedsrichter war heute sehr einseitig, was Gelbe Karten angeht. Die Nachspielzeit von drei Minuten war viel zu kurz. Wir haben dann mit zehn Mann besser gespielt, machen das Tor zum 1:2.“ Zum wiederholt von Noah Michel verschossenen Elfmeter hatte Dzihic auch einen interessanten Denkansatz: „Wir müssen mal hinterfragen, ob wir das eigene Ego hinten anstellen. Ich finde gut, dass Noah immer wieder hingeht, aber wenn man sich nicht sicher fühlt, kann auch mal ein anderer schießen.“

Sein Kollege Cimen hatte „ein sehr intensives Spiel gesehen, in dem wir im ersten Abschnitt auf einem schwierigen Platz kaum etwas zugelassen haben. Wir mussten uns den Gegebenheiten anpassen, waren sehr präsent in den zweiten Bällen und sind oft hinter die Kette gekommen. Nach dem 2:0 dürfen wir so schnell nicht den Anschlusstreffer bekommen. Danach war es hier eine total hitzige und emotionale Stimmung. Wir sind nach dem für mich unberechtigten Elfmeter cool geblieben und manchmal siegt auch die Gerechtigkeit mit.“ 

Türk Gücü Friedberg: Koob; Häuser, Saighani, Usic (46. Scheffler), Eren - Henrich, Jost (46. Mahmudov) - Imek (69. Hayashi) Reljic, Yikimaz - Michel.
FC Gießen: Lapcic; Assar, Kireski, Fink, Wessam-Ghani - Harder (70. Mahmuti), de Moura Beal, Hagley, Maingad - Filsinger (83. Pekesen), Gorbunow.
Schiedsrichter: Christian Stübing (SV Breitenborn).
Zuschauer: 360.
Tore: 0:1 Michael Gorbunow (2.), 0:2 Michael Gorbunow (75.), 1:2 Daniel Henrich (80.).
Gelb-Rote Karte: Mahsi Saighani (Friedberg/76.).
Besonderes Vorkommnis: Gießens Torhüter Aleksa Lapcic hält Foulelfmeter von Friedbergs Noah Michel (87.).

Auch interessant