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Neuhofs Neuzugang ist in Südkorea ein YouTube-Star

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Von: Tino Weingarten

Jeong-Jin Lee vom SV Neuhof mit GoPro Youtuber
Jeong-Jin Lee auf seinem Arbeitsplatz mit seinem Arbeitswerkzeug. Der Spieler des SV Neuhof dreht seine Videos mit einer GoPro. © Tino Weingarten

Jeong-Jin Lee ist sein bürgerlicher Name, viele seiner Fans werden ihn als „jfootballtv“ kennen. Denn der 28-Jährige führt einen YouTube-Kanal mit 680.000 Abonnenten. Die werden bald den SV Neuhof kennen, denn der Südkoreaner heuerte beim Hessenligisten an.

Beim Testspiel gegen den SV Steinbach überzeugte Lee eine Halbzeit lang, gegen Dreieich durfte der Südkoreaner erstmals in der Hessenliga an den Start - und spielte die vollen 90 Minuten. Sein Trainer Alexander Bär schwärmt in höchsten Tönen vom 28-Jährigen, sagt, Lee bringe alles mit, was ein Spieler in der Hessenliga braucht. Der Südkoreaner ist für anderthalb Jahre mindestens in Deutschland, in Fulda macht er einen Sprachkurs. In Neuhof hat er gleich bis 2023 zugesagt. „Wir planen fest mit ihm“, betont Bär.

Der Kontakt kam über den Ex-Neuhofer Steven Henning zustande: „Ich war auf der Suche nach einem neuen Verein, weil mein Vertrag ausgelaufen war. Steven und ich haben zusammen gespielt und er hat mir den Kontakt hergestellt.“ Vor dem Jahreswechsel spielte Lee beim Bangkok FC, einem Verein in der dritten thailändischen Liga. Kurze Zeit später schon meldete sich Neuhof.

Jeong-Jin Lee musste den SV Neuhof auf Google suchen

Das Timing der Anfrage aus Neuhof sei perfekt gewesen, betont Lee. Im Februar meldete sich der Hessenligist, dann ging alles ganz schnell. Zuvor musste sich der 28-Jährige jedoch erst einmal über seinen neuen Verein erkundigen. „Als ich von Neuhof gehört habe, wusste ich natürlich nichts von dem Verein. Ich habe bei Google gesucht“, schmunzelt Lee. In Deutschland angekommen ist er positiv angetan vom SVN: „Ich bin sehr überrascht von dem Niveau in Deutschland. Es ist sehr gut und ich freue mich schon auf die Liga.“

Bei seinem Debüt in Dreieich mussten sich Lee und Neuhof 1:2 geschlagen geben. Gegen Waldgirmes und Hadamar wird der Südkoreaner erstmals in einem Heimspiel auflaufen. „Mein Ziel ist es einfach, dem Team zu helfen und für die Mannschaft zu spielen“, sagt Lee.

Nach dem positiven Verlauf der Gespräche mit Neuhof setzte sich Lee in den Flieger, landete in Frankfurt. Von dort ging es mit dem Zug Richtung Neuhof. „Als ich angekommen bin, war es schon abends und dunkel. Alles war ruhig, das war ich nicht gewohnt“, sagt Lee, der zuvor in der 8 Millionen Einwohner-Stadt Bangkok lebte. Allzu groß war der Kulturschock für ihn am nächsten Tag aber nicht: „Als ich aufgewacht bin, war das Wetter gut und die Aussicht sehr schön. Ich mag es sehr hier. Es ist ruhig, die Luft ist gut und Neuhof ist ein schöner Ort.“

Auf YouTube hat er bis zu 10 Millionen Klicks auf seine Videos

Doch Jeong-Jin Lee ist nicht durch den Fußball so bekannt geworden. Auf der Video-Plattform YouTube nennt er sich „jfootballtv“, über 680.000 Menschen haben ihn dort abonniert. Mit einer GoPro filmt sich Lee beim Fußball spielen - aus seiner eigenen Perspektive. „Viele Menschen sagen, dass sie die Videos sehr mögen“, betont Lee. Im Schnitt haben seine Videos 200.000 Aufrufe, in der Spitze sogar bis zu zehn Millionen.

Dabei wusste der Südkoreaner anfangs noch nicht, was er überhaupt hochladen sollte. „Ich bin in den Laden gegangen und habe sehr viel Equipment von GoPro gesehen. Ich habe darüber nachgedacht, das beim Fußball zu tragen und fand die Idee gut. Es war sehr interessant und hat Spaß gemacht, deshalb habe ich damit weitergemacht“, sagt Lee. Den Kanal unterhält der 28-Jährige alleine, ab und an gibt ihm sein Vater Tipps. „Videos, Schnitt und Planung mache ich selber. Drei bis vier Stunden am Tag kümmere ich mich um YouTube“, verrät Lee.

Neuhofs Außenspieler wird an den Werbeeinahmen beteiligt. Google, das Mutterunternehmen von YouTube, überweist ihm dafür monatlich Geld. Damit kann er seinen Lebensunterhalt finanzieren. Dass Lee, der im Dezember 2019 sein erstes Video hochgeladen hat, so schnell wächst, hätte er nicht gedacht: „Mein Traum war es, 100.000 Abonnenten zu haben. Als ich das geschafft habe, war ich glücklich. Aber es gibt viele Menschen, die gute Videos machen. Ich kann noch viel mehr erreichen.“

Von Trainer Alexander Bär hat er die Erlaubnis bekommen, im Training zu filmen. Videos aus dem SVN-Training oder aus seinem Alltag in Deutschland sind geplant. „Im Training werde ich aber nicht so häufig filmen, weil es auch etwas gefährlich ist und ich meine Mitspieler nicht immer stören möchte“, betont Lee. Dennoch dürfen sich seine 680.000 Fans darauf freuen, schon bald das beschauliche Neuhof näher kennenzulernen.

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