„Wir sind der absolut verdiente Meister“ sagt Barockstadt-Trainer Sedat Gören.
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„Wir sind der absolut verdiente Meister“ sagt Barockstadt-Trainer Sedat Gören.

Stimmen von Spielern und Trainer

Hessenliga-Meister SG Barockstadt verteilt Spitzen und bedankt sich

Die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz hat das vor wenigen Wochen nicht mehr für möglich gehaltene geschafft: Dank der Niederlage von Eintracht Stadtallendorf in Dreieich und dem gleichzeitigen Erfolg in Eddersheim ist der Verein erstmals in die Regionalliga aufgestiegen.

Und das war nach der Achterbahnfahrt gar nicht so leicht zu verarbeiten: Minutenlang warteten die Spieler im Mittelkreis auf das Endergebnis in Dreieich. Als das erste Mal riesiger Jubel aufbrandete, war dort aber noch gar nicht Schluss, vielmehr hatte Dreieich das 2:1 erzielt und das Regionalliga-Tor noch weiter geöffnet. Ein paar Pessimisten dachten kurz an Schalkes Vizemeisterschaft 2001, doch dann herrschte Gewissheit: In Dreieich ist Schluss, Fulda ist Meister. Die Mannschaft, die in der Qualifikationsrunde die meisten Punkte geholt hatte – und in der Aufstiegsrunde ebenfalls. Eine auch von der Papierform her verdiente Meisterschaft, nachdem der Modus mit geteilter Liga das eine oder andere Mal von Fuldaer Seite kritisiert worden war.

Gören hochemotional und mit Spitzen nach Stadtallendorf

Auch daran dachte SGB-Trainer Sedat Gören, der zunächst einmal ein „herzliches Dankeschön“ an Dreieich entsendete, aber gleichzeitig sagte, „dass Eddersheim uns ebenfalls alles abverlangt hat“. Danach beglich Gören eine offene Rechnung mit Stadtallendorfs Trainer Dragan Sicaja: „Wir hatten zehn Spiele zum Saisonstart gewonnen, als ein Trainer sagte, dass wir ausgelaugt seien. Jetzt haben wir wieder sieben Spiele in Folge gewonnen, Stadtallendorf noch überholt und ich frage mich zwangsläufig, wer denn jetzt ausgelaugt war? Wir jedenfalls nicht. Wir sind der absolut verdiente Meister.“

Einer, der im entscheidenden Spiel viele Helden hervorbrachte: Keeper Tobias Wolf hielt nach drei Minuten einen Strafstoß, Marius Grösch übernahm vom Elfmeterpunkt Verantwortung, Patrick Schaaf traf mit aller Überzeugung, Leon Pomnitz rackerte bis ins Unendliche und Julian Pecks traf entscheidend – mit der Hacke. Schaaf versuchte das alles ein wenig zu ordnen und befand: „Den einen Helden gibt es nicht. Wir haben in den letzten Jahren so vielen Negativerlebnissen getrotzt. Waren immer in der Spitzengruppe und wären ohne Corona sicherlich aufgestiegen. Durch den Zusammenschluss ist das Ziel gewesen, dass wir in die Regionalliga aufsteigen. Das haben wir nun geschafft und darauf bereiten wir uns vor.“ Aber nicht heute.

Wer ist ausgelaugt? Wir nicht!

Sedat Gören verteilt Spitzen nach Stadtallendorf

Und auch nicht die kommenden Wochen, wie Goalgetter Dominik Rummel ergänzte: „Wir feiern jetzt eine Woche, dann fliegen wir nach Malle und feiern noch ’ne Woche und dann gucken wir mal wie es weitergeht.“ Er, der 20 Treffer im Saisonverlauf erzielte, obwohl er zahlreiche Spiele verletzungsbedingt verpasste, versuchte einzuordnen, warum der verlorengeglaubte Titel doch noch eingefahren worden ist: „Wir waren komplett und haben es mit der Zeit geschafft, das Fehlen von Markus Gröger durch kleinere Umstellungen zu kompensieren.“

Hillmanns Achterbahnfahrt

Wie sich Achterbahnfahren anfühlt, erlebte Kevin Hillmann am ehesten. Er traf kurz nach dem Seitenwechsel ins eigene Tor zum 1:1. „Da habe ich plötzlich völlige Leere gefühlt, mich aber relativ schnell wieder aufrichten können. Ich gehöre zu denen, die allein schon vom Alter her vorangehen müssen.“ Das tat er und zog nur ein paar Minuten später aus 30 Metern ab, den folgenden Eckball nutzte Schaaf zum neuerlichen 2:1. Hillmann sank zu Boden und feierte das Tor ganz für sich. „In dem Moment ist alles abgefallen. Und nach Julians Treffer noch viel mehr.“ Pecks traf per Hacke – in seinem letzten Spiel. Eine unfassbare Geschichte. Hillmann fragte sich: „Wie will er denn jetzt wegwechseln. Das geht doch gar nicht.“ Dann war Hillmann weg. Bierdusche. Feiern. Jubeln. Mit den mitgereisten Fans. Die Fuldaer Altstadt wird heute Abend fest in Barockstädter Hand sein.

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