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Friedberg stürmt die Adler-Festung

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Masih Saighani trägt seit Januar 2022 wieder das Trikot von Türk Gücü Friedberg. In den Jahren zuvor verwirklichte er seinen Traum vom Profi-Fußball in Indien und Bangladesch.
Masih Saighani brachte Türk Gücü Friedberg in Weidenhausen in Führung. © Bernd Vogt

Zwei Erkenntnisse brachte das Topspiel der Hessenliga zwischen dem SV Adler Weidenhausen und Türk Gücü Friedberg. Während die Bäume beim Aufsteiger nach der 0:3 (0:1)-Heimniederlage nicht in den Himmel wachsen, setzten sich die seit März ungeschlagenen Wetterauer mit einer pragmatischen Vorstellung an der Tabellenspitze fest.

Beeindruckt waren die Friedberger von der Zuschauerkulisse am Chattenloh. 780 Zuschauer rund um den Rasenplatz, die sich auch nicht von einem kurzfristig aufkommenden Gewitter vetrieben ließen und mit ihren Fanutensilien echte Fußballkultur verbreiteten. Die Gastgeber mussten auf Leistungsträger wie die beiden 19-jährigen Krug-Brüder Kilian und Moritz verzichten. Trainer Roland Leonhardt erkannte nach einem gebrauchten Tag die Unterlegenheit der Adler an: „Absolut verdienter Sieg der Friedberger. Wir wussten um die Stärke der Gäste bei Standards. Die haben wir nicht entscheidend genug verteidigen können. Nach der Pause wurden zwei Abspielfehler mit Kontern gnadenlos bestraft. Uns hat die Passgenauigkeit gefehlt.“ Zudem konnte Torjäger Sören Gonnermann, der immer wieder auf lange Bälle lauerte, nicht gut genug in Szene gesetzt werden.

Türk Gücü Friedberg geht im Gewitter in Führung

Die Friedberger gingen nach einer beschwerlichen Anreise bei ihrem erstmaligen Besuch im Werra-Meißner-Kreis durch das 4:0 in Stadtallendorf selbstbewusst ins Spiel. Torjäger Noah Michel hatte bedient durch den neuen Spielmacher Toni Reljic gleich die Führung auf dem Fuß, zielte aber aus kurzer Distanz über das Tor. Statt einfache Pässe zu spielen, wurden schwere Bälle durch das Zentrum gespielt, gerade in diesem Bereich war Weidenhausen zunächst aber besonders aufmerksam. Im Spiel ohne Ball war besonders Demyan Imek oft nicht auf der Höhe, konnte dem Spiel auf der rechten Seite seinen Stempel nicht aufdrücken. Unterdessen brauten sich am Himmel schwarze Wolken auf, die sich in einem Gewitter entluden. Just in dieser Phase, als die ersten Regentropfen vom Himmel fielen, ging Friedberg in Führung.

Nach einem Standard flankte Patrick Schorr in die Mitte, Abwehrhüne Masih Saighani köpfte ein (27.). Nach dem Seitenwechsel kam Weidenhausen zu zwei dicken Möglichkeiten, Türk Gücü überstand aber die kleine Drangphase der Gastgeber und setzte nach vorbeigezogenem Gewitter zu einem sehenswerten Konter nach einem kapitalen Fehlpässe im Spielaufbau der Hausherren an. Michel behielt die Übersicht und Reljic vollendete zum 2:0 für die Kreisstädter (57.). TGF-Trainer Enis Dzihic, seit seinem Debüt im März weiterhin ungeschlagenen, war dennoch am Seitenrand nicht ganz zufrieden. Spätestens nach der Gelb-Roten Karte gegen Weidenhausens Spanier Manuel Toro Moreno (67.) war das Spiel aus Sicht der Gastgeber gelaufen. Trotzdem ließ Friedberg Weidenhausen anrennen, statt die Überzahl auszuspielen. Durch den eingewechselten Japaner Kodai Hayashi setzte Friedberg auf Zuspiel Reljics dann endgültig den Deckel drauf (78.). Für Trainer Leonhardt bedeutete die Niederlage keinen Beinbruch: „Durch die Ausfälle war ein Qualitätsverlust nicht vermeidbar. Die drei Siege haben aber gut getan in Sachen Selbstbewusstsein. Ich denke, wir werden in dieser langen Ssison eine gute Chance haben, um den Klassenerhalt zu schaffen.“

Sein Kollege Dzihic, der Leonhardt erst am Spieltag kennen lernte, war phasenweise mit dem Friedberger Auftreten nicht einverstanden: „Als Trainer sucht man immer dieses Haar in der Suppe, ich bin nie zu 100 Prozent zufrieden. Wenn du in Stadtallendorf 4:0 gewinnst, willst du danach nicht suchen. Heute haben ein paar Spieler Sachen nicht eingehalten, das hat mich geärgert. Im zweiten Abschnitt haben wir uns gesteigert, da haben wir mehr Zugriff bekommen und sind mit unserer Standardstärke zum Erfolg gekommen.“ Was die Tabellenspitze nach fünf Spieltagen bedeute? „Nicht mehr als eine schöne Momentaufnahme, die ich so lange wie möglich haben möchte. Englische Wochen sind abgehakt, jetzt gilt die Konzentration dem Heimspiel gegen Bayern Alzenau.“ Auch der Ex-Profi war erstmals am Chattenloh und von der Atmosphäre angetan: „Zuschauer mit Trikots und Schals, das wünsche ich mir auch bei uns irgendwann. So eine Fankultur wie hier in Weidenhausen finde ich toll. Ich war froh, dass wir nicht noch mehr Stimmung von den Rängen haben zugelassen.“

SV Adler Weidenhausen: Wassmann; Görs, Schneider, Toro Moreno, Renke - Pfliegner (61. Beng), T. Gonnermann - Stunz (64. Nguyen), Gerbig, Felmeden (61. Ullrich) - S. Gonnermann.
Türk Gücü Friedberg: Koob; Eren, Saighani, Usic, Schorr - Henrich (89. Dudda), Jost (89. Gatamura) - Imek (70. Hayashi), Reljic (83. Fujiwara), Yikilmaz (79. Mahmudov) - Michel.
Schiedsrichter: Felix Ebert (TSG Kirtorf).
Zuschauer: 780.
Tore: 0:1 Masih Saighani (27.), 0:2 Toni Reljic (57.), 0:3 Kodai Hayashi (78.).
Gelb-Rote Karte: Manuel Toro Moreno (Weidenhausen, 67.).

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