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Jan Ullrich: „Hessenliga ist Amateursport, ein Hobby.“

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Von: Johannes Götze

Jan Ullrich (links, hier gegen Hünfelds Simon Schilling) vom SV Adler Weidenhausen liegt in der Torschützenliste mit zwei anderen Spielern vorne.
Jan Ullrich (links, hier gegen Hünfelds Simon Schilling) ist in der Region kein Unbekannter: Er kommt aus dem Hersfelder Stadtteil Beiershausen und stürmte eineinhalb Jahre für den SV Steinbach. Morgen tritt er mit Adler Weidenhausen in Steinbach an.  © Jonas Wenzel

Jan Ullrich war kein „normaler“ Radfahrer. Den Erfolgen folgten Eskapaden. Und Namensvetter Jan Ullrich ist kein „normaler“ Fußballer. Doch das hat andere Gründe. 

Der Fußballer Ullrich ist gerade erst 24 Jahre alt geworden und doch genießt er schon eine ganze Weile einen klaren, nicht alltäglichen Blick auf sein Hobby. „Fußball ist nur Fußball“, sagte er einmal und fügte an, „dass die Hessenliga Amateursport ist, vergessen manche leider. Ich spiele dafür, dass die Spritkosten gedeckt sind und ich mir ein paar vernünftige Fußballschuhe leisten kann. Das war’s.“ Kurz vor dieser Aussage, 2019 war das, hatte er den SV Steinbach in die Hessenliga geschossen, die bislang beste Serie seiner jungen Karriere gespielt. Zehn Treffer in der Meistersaison, zwei im entscheidenden Spiel. Gerade 20 war er da.

„Hessenliga ist Amateursport, ein Hobby. Das vergessen viele.“

Doch in der Hessenliga lief für ihn wenig zusammen, er wechselte Anfang 2020 und somit dem Beginn der Corona-Krise zu Adler Weidenhausen, spielte dort wegen der Pandemie fast nie, kehrte für eine Saison zurück zu Stammverein Niederaula/Kerspenhausen, erlebte dort eine grauenvolle Kreisoberliga-Saison, und ist seit Sommer zurück in Weidenhausen. Wieder Hessenliga. Und seit ein paar Wochen Stammspieler beim Aufsteiger. 

Geändert hätte sich zu damals wenig, sagt Lehramtsstudent Ullrich, der heute von Beiershausen nach Kassel zieht. Er sei etwas ehrgeiziger geworden, mag dem Fußball aber dennoch nicht zu viel unterordnen. Fußball bleibt Fußball. Nur eine von vielen Prioritäten. Dass er sich dennoch Weidenhausen anschloss, es noch einmal wissen wollte?„Weil ich meinen Lebensmittelpunkt immer weiter nach Norden verlagert habe, weil ich die Jungs in Weidenhausen mag und weil ich die in Anführungsstrichen großen Fußballjahre nicht einfach wegschenken will.“ Auf dem Platz gibt er ohnehin alles, ist ein Wühler, denkt defensiv. Seine Einstellung? Auf dem Platz stets vorbildlich.

Dass sein Bruder Tim ebenfalls am Chattenloh spielt, trifft sich gut. Die Ullrichs sind neben den Gonnermanns Tim und Sören sowie den Krugs Moritz und Kilian eines von drei Brüderpaaren im Dress des Aufsteigers. Für den lief der Start unerwartet gut, doch seit sechs Spielen gelang nicht einmal mehr ein Remis: „Die Euphorie ist weg, wir sind am Boden der Tatsachen angekommen und haben in den letzten Spielen gemerkt, dass wir vielleicht noch nicht reif genug sind. Der SVS ist sicherlich ein Team auf Augenhöhe, dem aber nun drei Hessenliga-Saisons zugutekommen“, sagt Ullrich, der im 4-2-3-1 als Außenstürmer aufläuft.

Ich bin ehrgeiziger geworden.

Jan Ullrich vergleicht sich selbst

In Steinbach freut er sich Samstag (15 Uhr) auf ein Wiedersehen mit den alten Weggefährten – und eine besondere Atmosphäre: „Beide Vereine verbinden viele heiße Duelle aus der Verbandsliga, beide Vereine sind wie gallische Dörfer in der Hessenliga und verfolgen ähnliche Philosophien. Das fühlt sich wie ein kleines Derby an“, sagt Ullrich und sehnt seinem ersten Hessenliga-Tor überhaupt entgegen. Der SVS will dies selbstredend verhindern und hat nicht nur gegen den SV Adler, sondern ebenfalls am Montag ein Heimspiel vor der Brust: Gegen Spitzenteam Türk Gücü Friedberg. Ein Stresstest – nicht zuletzt für den Rasen.

Der SV Neuhof tritt hingegen zweimal auswärts an: Samstag geht es zu Rot-Weiss Hadamar und am Montag nach Griesheim. Nach harscher Kritik von Trainer Alexander Bär an den eigenen Spielern könnten diese Duelle wegweisend werden. Denn wie der SV Neuhof sind beide Gegner im Abstiegskampf verstrickt. Jeweils um 15 Uhr wird angestoßen.

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