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„Ich kam als Junge und gehe als Mann“

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Von: Ralph Kraus

Auch am Montag gingen für Julian Pecks und Co. die Feierlichkeiten weiter. In Gedanken immer mit dabei: der Anfang 2021 verstorbene Betreuer Stefan Wenzel.
Auch am Montag gingen für Julian Pecks und Co. die Feierlichkeiten weiter. In Gedanken immer mit dabei: der Anfang 2021 verstorbene Betreuer Stefan Wenzel. © Tobias Konrad

Mit seinem Hackentor zum 3:2-Sieg in Eddersheim hat sich Julian Pecks ein Denkmal gesetzt. Das Tor des Innenverteidigers machte für die SG Barockstadt den Weg in die Regionalliga frei. Für den 29-Jährigen ein traumhafter Abschied vor seinem Wechsel zur SG Bronnzell.

Haben Sie überhaupt schon realisiert, was am Samstag passiert ist?

Es ist immer noch schwer zu begreifen und in Worte zu fassen. 20 Jahre ist es her, dass wir in Fulda Regionalligafußball erlebt haben. Und jetzt bin ich mit meinem letzten Schuss für den Verein durch mein Tor dafür verantwortlich, dass dieser Traum wieder Realität wird. Das begreifst du nicht so schnell.

Hatten Sie noch daran geglaubt, die Meisterschaft feiern zu können?

Es war der Wunsch von uns allen, aber kein einziger Spieler hatte mehr damit gerechnet. Der einzige, der daran geglaubt hat, war unser Trainer Sedat Gören. In jedem Training, nach jeder Sitzung hat er uns eingetrichtert, dass wir an uns glauben sollen, dass wir das schon noch schaffen. Das war unnormal.

„Das kann kein Hollywood-Streifen wiedergeben“

Was war das Besondere am Sieg vom Samstag?

Aufstiege sind oft ein bisschen planbar. Du weißt genau, dass du es irgendwann schaffst. Das ist wie mit einem Datum, wenn du Geburtstag hast. Aber was in Eddersheim passiert ist, das ist nicht greifbar. Das wird noch Tage oder Wochen dauern, ehe wir diesen Spielfilm begreifen. Da spielst du die letzten Minuten mit Freudentränen und musst dann draußen still sein, damit unser Manager Sebastian Möller am Telefon euren Redakteur Steffen Kollmann hört, der live aus Dreieich berichtet. Wahnsinn. Wir haben Historisches für die Stadt Fulda geleistet.

Ihr Vater Andreas ist ein gestandenes Mannsbild, war aber so glücklich, dass ihn die Emotionen total ergriffen haben. Was haben Sie da gefühlt?

Er hatte mir schon vor dem Spiel gesagt, wie stolz er auf mich ist. Wie das aber gelaufen ist, und dass ich in meinem letzten Spiel so ein Tor mache, das hat dann auch einen 1,95-Hünen übermannt. Das war höchst emotional. Und dass einem wie ihm die Worte fehlen, macht mich wiederum stolz.

Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Die SGB war am Samstag Meister, dann wieder raus, wieder Meister und musste dann eine gefühlte Ewigkeit nach Spielende bibbern, ehe das Konkurrenzspiel in Dreieich zu Ende war. Hätte man so ein Drehbuch schreiben können?

Das kann kein Hollywood-Streifen wiedergeben, so kannst du keine Regie führen. Noch nie vorher habe ich ein Tor mit der Hacke gemacht, und dann gelingt dir so was im entscheidenden Spiel im genau richtigen Moment. Das ist schon fast kitschig.

Wechsel zur SG Bronnzell „steht fest“

Als Sie das Tor schossen, war der Treffer noch bedeutungslos. Wussten Sie das in dem Moment?

Nein. Wir hatten keine Zwischenstände vom Stadtallendorf-Spiel. Nur in der Halbzeit hatte ich mich kurz informiert. Wir wollten uns voll auf unsere Hausaufgaben konzentrieren.

Jetzt gehen neun Jahre Lehnerz und SG Barockstadt zu Ende. Was hat die Zeit mit Ihnen gemacht?

Ich bin mit 20 quasi als kleiner Junge gekommen und gehe jetzt als gestandener Kerl. Die Zeit hat mir viel gegeben, denn sie hat mich reifen lassen. Es sind viele Freunde wie Patrick Schaaf, Dominik Rummel oder Sebastian Sonnenberger dazu gekommen.

Warum jetzt der Wechsel nach Bronnzell?

Weil ich dort mit meinen besten Freunden spielen kann – und das nicht in der Kreisliga, sondern auf Verbandsebene. Ich werde jetzt mehr Zeit für mich haben und deutlich mehr Lebensqualität. Für den Fußball bekommst du zwar eine gewisse Aufwandsentschädigung, aber damit gibst du die Verpflichtung ab, alles dem Fußball unterzuordnen, wie beispielsweise die Urlaubsplanung. Jetzt will ich einfach mehr Raum für mich, ein wenig mehr Freizeit.

Barockstadts Finanzvorstand Martin Geisendörfer hat angekündigt, dass er noch einmal wegen des Wechsels mit Ihnen sprechen will.

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich mit Martin durch die Freundschaft zu seinen Söhnen ein familiäres Verhältnis habe. Wir kennen uns seit 20 Jahren – er hat mich nach Lehnerz geholt und mir diese sportliche Chance erst ermöglicht. Aber diese Entscheidung kann mir niemand abnehmen. Seit Monaten ist das in mir gereift. Die Entscheidung steht fest, weil ich auch Bronnzell etwas für die herausragende Zeit dort in der Jugend wiedergeben möchte.

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