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Außer Gefecht wegen Long-Covid

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Aaron Gadermann vom Fußball-Hessenligisten Hünfelder SV.
Aaron Gadermann konnte ein halbes Jahr kein Fußball spielen. © Kevin Kremer

Und plötzlich bleibt die Luft weg: Der Hünfelder Hessenliga-Fußballer Aaron Gadermann spielte ein halbes Jahr nicht, weil er an den Nachwirkungen einer Corona-Erkrankung litt. Wir erzählen seine Geschichte.

An den schicksalhaften Tag im vergangenen Juli kann sich Aaron Gadermann noch gut erinnern: Für den Hünfelder SV lief er in einem unbedeutenden Testspiel auf. Bei 36 Grad im Schatten wurde ihm plötzlich eiskalt. Dem 23-Jährigen ging es hundsmiserabel, daher bat er den Trainer eiligst, ihn auszuwechseln. Viel dachte sich der junge Mann nicht dabei. Vielleicht eine Sommergrippe. Doch als er drei Wochen später wieder ins Training einsteigen wollte, streikte sein Körper. Kaum einen Fuß bekam er bei minimal erhöhter Anstrengung vor den anderen. 

Sein Trainer Johannes Helmke organisierte auf kurzem Weg einen Termin bei einem Herzspezialisten. Herzmuskelentzündungen setzten zuletzt viele Leistungssportler außer Gefecht. Vorsicht ist geboten. Die Diagnose: Gadermanns Herz ist kerngesund. Also zum Lungenspezialisten, der einen Funktionstest veranlasste. Das Ergebnis waren unterirdische Werte. So schlecht, dass sie bei einem Nichtraucher und Fußballer auf höchster Amateurebene nicht erklärbar waren. 

Ärzte führen schlechte Werte auf Gadermanns Corona-Erkrankung zurück

Gadermann erinnerte sich zurück. Monate zuvor, im Mai, hatte er sich mit Corona infiziert. Damals, in der fußballfreien Zeit, spürte er außer einem leichten Kratzen im Hals keinerlei Symptome. Geimpft war er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Seinen Ärzten fehlten Vergleichsfälle. Sie führten seine schlechten Lungenwerte allerdings auf seine Corona-Erkrankung zurück. Long-Covid.

Was allen Ärzten gemein war: Sie konnten keine Aussagen tätigen, wann es besser würde. Immer wieder fuhr Gadermann zur Rhönkampfbahn, versuchte, am Training teilzunehmen, und war bereits nach dem Aufwärmen völlig fertig. Sein treuester Begleiter wurde seine Pulsuhr. Selbst im Herbst – die Corona-Infektion lag beinahe ein halbes Jahr zurück – brauchte er für einen Kilometer bei einem Pulsbereich von 120 zwischen acht und neun Minuten. Mit Joggen hatte das nichts gemein; um im vorgegeben Pulsbereich zu bleiben, musste Gadermann einen Großteil der Strecke gehen. Vor seiner Erkrankung benötigte er nicht einmal die Hälfte der Zeit. 

Gadermann versuchte alles, insbesondere seine Hausärztin kümmerte sich intensiv und verschrieb Gadermann eine Atemtherapie, um die Lungenfunktion wieder auf Kurs zu bringen; während sein Team ihm half, nicht in Zweifel zu geraten oder gar in Selbstmitleid zu verfallen. Am schlimmsten war für Gadermann die Ungewissheit, wann er wieder leistungsfähig sein würde. Die ihm regelmäßig gestellte Frage: „Na, wann bist du wieder fit?“ nervte den Lehramtsstudenten – wenngleich er zumindest im Alltag keinerlei Probleme hatte.

Siegtor beim Comeback für den Hünfelder SV

Erst im Dezember ging es vor allem dank der Atemtherapie aufwärts, wenngleich er manch intensive Übung noch immer abbrechen musste. Dennoch konnte er noch zwei Erfolge feiern: das erste komplett absolvierte Abschlusstraining plus Siegtor im letzten Spiel der Hinrunde, seinem ersten „richtigen“ Spiel nach mehr als halbjähriger Leidenszeit

Gadermann zählt zu den laufstärksten Spielern des Hünfelder SV. Seine Lieblingsposition ist die offensive „Sechs“, weil er dort genau diese Qualität ausspielen kann. Seit Anfang März, dem Start der Hessenliga-Abstiegsrunde, ist Gadermann wieder Stammspieler. Er fühlt sich topfit. Wieder bei 100 Prozent.

Jetzt hilft er dem Team wieder, das aktuell nicht das Niveau abruft, das ihm zugeschrieben wird. Viele Verletzte, viele Corona-Fälle, kaum ein vernünftiger Trainingsbetrieb. Gadermann ist dennoch zuversichtlich, dass der HSV die Klasse hält. Ein Sieg in Zeilsheim würde helfen – und Gadermann wird sich dafür die Lunge aus dem Leib rennen.

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