Max Stadler vom SV Steinbach vergab gegen Rot-Weiß Walldorf zwei Riesenchancen.
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Max Stadler vom SV Steinbach vergab gegen Rot-Weiß Walldorf zwei Riesenchancen.

Walldorf effektiv

Da drohen schlaflose Nächte: Steinbachs Stürmer treffen das Tor nicht

Wie brutal Fußball sein kann? Einfach mal im Lager des SV Steinbach nachfragen: Gegen Rot-Weiß Walldorf dominierte der Hessenligist eine Stunde lang das Spiel – und unterlag doch mit 1:3 (0:0). Insbesondere Steinbachs Stürmer Max Stadler dürfte hadern.

Denn er allein hatte es in der Hand, das Spiel in die andere Richtung zu lenken. Kurz vor der Pause hatte ihn Leon Wittke hervorragend freigespielt, da nahm er den Ball freistehend elf Meter vor dem Tor an, traf erst den linken und dann den rechten Pfosten. Vielleicht noch größer war seine Chance direkt nach Wiederanpfiff, als Stadler den Ball eroberte, gar Walldorfs Keeper Marcel Czirbus ausspielte und letztlich das verwaiste Tor aus nicht allzu spitzem Winkel verfehlte. Es waren die zwei größten des halben Dutzends guten Chancen, das der SVS in der ersten Stunde des Spiels liegen ließ. Das passende i-Tüpfelchen auf das glücklose Spiel des SVS setzte Homan Halimi, der in der Schlussphase einen Elfmeter vergab. Immerhin gelang Fabian Göb quasi mit Abpfiff sein erstes Hessenligator.

Max Stadler pachtet das Pech und vergibt Riesenchancen für den SV Steinbach

Da allerdings war Spiel längst gelaufen – und zwar in die andere Richtung. Die ersatzgeschwächten Walldorfer fanden in der ersten Halbzeit gar nicht in die Partie, weil der Gegner mit viel Selbstvertrauen und spielerischer Linie agierte. Trainer Artur Lemm war an der Außenlinie schier am Verzweifeln. Nicht einen klaren Abschluss verzeichnete Walldorf nach 64 Minuten – und hatte das Spiel nur fünf Minuten später entschieden. Ursächlich war eine klasse Einzelaktion von Mikael Neway, der nach einem weiten Schlag durchbrach und vor dem bis dato beschäftigungslosen Philipp Bagus eiskalt blieb.

Kurz später war es Thore Hütsch, der fahrlässig den Ball herschenkte, und Tom Wiegand gegen Laurin Vogt ins Foul zwang. Den Strafstoß verwandelte Ahmet Dogan in Abwesenheit von Stammschütze Simon Geisler. Später machte der diesmal nur eingewechselte Nico Struwe nach gelungenem Flankenlauf von Manuel Konate Lueken den Sack endgültig zu. Struwe hatte länger arbeiten müssen und wurde von einem Betreuer nachgefahren. „Wir haben heute auch gegen viele Widerstände antreten müssen“, sagte Lemm nach dem Spiel recht versöhnlich.

Bagus, neben Stadler die ärmste Sau auf Steinbachs Seite, sagte nach dem Abpiff im Vorbeigehen: „Ich könnte heulen.“ Drei ernsthafte Schüsse bekam er aufs Tor, alle drei waren drin. Etwas analytischer war Steinbachs Co-Trainer Joachim Weber: „Wenn du dann so ein Spiel verlierst, ist das schon bitter. Wir haben den Gegner komplett beherrscht, komplett dominiert. Unser System hat so gut gepasst.“ Recht hatte er und auch sein „Chef“ Petr Paliakta merkte an, „dass wir das eigentlich nicht besser spielen können“.

Wegen Ramadan: Gegessen wird während des Spiels

Kurios wurde es in Minute 25: Es war gerade 20.15 Uhr, da blieb Vogt am Boden liegen, ließ sich behandeln, während einige seiner Teamkameraden die Pause nutzten, um sich zu stärken. Nämlich die, die sich als praktizierende Muslime gerade im Fastenmonat Ramadan befinden und sehnlichst den Sonnenuntergang herbeigesehnt hatten. Dass die Aktion von Vogt nicht aus dem Nichts kam, war offensichtlich, denn schon kurz zuvor bewaffnete ein Walldorfer Ersatzspieler mit Wasser und Bananen und machte sich auf die Gegenseite auf. Was beiden Teams nicht schmeckte: Vor dem Spiel hatten sie Schiedsrichter Thorsten Eick (Eifa) um eine Spielunterbrechung nach Sonnenuntergang gebeten, der verweigerte dies aber. „Gerade in diesen Zeiten ist das für mich nicht verständlich“, sagte der gebürtige Ukrainer Lemm nach dem Spiel, dessen Team das vierte Mal in Anti-Kriegs-Trikots auflief und das vierte Mal gewann.

Statistik

SV Steinbach: Bagus; Hildenbrand, T. Wiegand, Hütsch – Madzar, Kvaca (85. Göb), F. Wiegand, Wittke – Uth (66. Halimi) – Stadler, Hanslik (76. M. Wiegand).
Rot-Weiß Walldorf: Czirbus; Borger (46. Struwe), Haliti, Konietzko, Schneider – Konate Lueken, Ludwig, Thomasberger (83. Wolde), Dogan – Neway (77. Eichfelder), Vogt.
Schiedsrichter: Thorsten Eick (TSV Eifa).
Zuschauer: 100.
Tore: 0:1 Mikael Neway (65.), 0:2 Ahmet Dogan (69., Foulelfmeter), 0:3 Nico Struwe (80.), 1:3 Fabian Göb (90.+2).
Verschossener Foulelfmeter: Homan Halimi (Steinbach) scheitert an Marcel Czirbus (87.).

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