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"Natürlich macht man sich Gedanken"

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Patrick Schaaf schildert in Barockstadt inside seine Gedanken zu den zurückliegenden Monaten. Foto: Charlie Rolff
Patrick Schaaf schildert in Barockstadt inside seine Gedanken zu den zurückliegenden Monaten. © Charlie Rolff

Schon seit zwei Monaten ist Barockstadts Kapitän Patrick Schaaf (32) zum Zuschauen verdammt. Bei „Barockstadt inside“ spricht er über seine Herzprobleme.

Es ist nie schön, nicht mitspielen zu können. Von außen betrachtet wirke ich beim Zusehen vielleicht ruhig, innerlich bin ich aber ziemlich angespannt. Gegen Hünfeld war mein Puls teilweise über 180. Man fiebert mit, fühlt sich ein Stück weit hilflos.

Am 9. Oktober in Fernwald habe ich mein letztes Spiel gemacht. Ich hatte in den Wochen zuvor schon Erkältungssymptome, montags habe ich dann gemerkt, dass es mehr als eine normale Grippe ist. Ich hatte beim Einatmen stechende Schmerzen in der Lunge. Es hat sich herausgestellt, dass ich eine Infektion übergangen und sich dadurch Lunge und Herzbeutel entzündet hatten. Die Folge: drei Monate Sportverbot.

Dabei hatte ich noch Glück im Unglück. Die ersten Diagnosen gingen sogar in Richtung einer Lungenembolie, da konnte ich froh sein, dass es letztlich nur eine Entzündung war. Und dass es nur den Herzbeutel und nicht den Herzmuskel betroffen hat. Sonst hätte ich ein halbes Jahr ohne Fußball auskommen müssen. Schon Ende Juni hatte ich eine bakteriell bedingte Lungenentzündung. Das war komisch, weil es aus dem Nichts kam und etwas komplett Anderes als eine muskuläre Verletzung ist. Möglich ist, dass es in der Vergangenheit einen Berührungspunkt mit Corona gab, was aber nicht festgestellt worden ist. Vier Wochen musste ich pausieren, am ersten Spieltag gegen Flieden konnte ich aber bereits wieder mit dabei sein.

Zum Glück konnte ich im Oktober zu einem Spezialisten vermittelt werden, der eine klare Aussage traf, wie lange ich pausieren muss. Falscher Ehrgeiz ist ein Bewusstsein, das bei mir stark ausgeprägt ist. Ich sehe das auch bei anderen Spielern aus der älteren Generation – beim ein oder anderen jüngeren würde ich mir diese Grundeinstellung manchmal wünschen.

Natürlich macht man sich in dieser Zeit Gedanken wie: ‚War‘s das jetzt?‘ Ich habe eine Frau, eine kleine Tochter, den Job bei der Sparkasse Fulda als erstes Standbein. Ich werde nicht nur beim Fußball gebraucht. Man geht Worst-Case-Szenarien durch.

Aber mein Körpergefühl sagt mir, dass ich für ein Karriereende schon größere Schmerzen erwarten würde. Bis auf einen Kreuzbandriss in Lehnerz und einen Syndesmosebandriss in Gladbach hatte ich keine größeren Verletzungen. Ich möchte so lange es geht weiter auf dem höchstmöglichen Niveau in der Region spielen, wenn es sich mit Familie und Arbeit vereinbaren lässt.

Ich hoffe, dass ich nach einem Belastungs-EKG in diesem Monat und Besuchen beim Kardiologen im Januar in der Vorbereitung wieder voll einsteigen kann. Obwohl ich zuletzt nicht spielen konnte, war ich in jedem Abschlusstraining und in jeder Teambesprechung. Ich bin bei den Spielen rechtzeitig da und mache meine Ansprachen im Kreis, die ich auch halte, wenn ich fit bin.

Im Spiel versuche ich mich aber zurückzuhalten. Ich weiß ja genau wie es ist, wenn man auf dem Platz die Schlauschwätzer daneben hört. Dumme Sprüche in der Whats-App-Gruppe, um die Jungs bei Laune zu halten, gibt es aber natürlich. Ich habe weiter ein gutes Gespür dafür, wie es im Team aussieht.

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