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Neuhof desolat: FC Gießen zieht mit der Eintracht gleich

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Torwart Vladan Grbovic SV Neuhof
Gebrauchter Tag für Vladan Grbovic vom SV Neuhof, der sechs Mal hinter sich greifen musste. © Charlie Rolff

Der FC Gießen hat nach drei Unentschieden in Folge wieder einen überzeugenden Heimsieg eingefahren und ist durch das 6:1 (3:0) gegen den SV Neuhof nach Punkten mit Hessenliga-Tabellenführer Eintracht Frankfurt U21 gleichgezogen.

Allerdings traf der Regionalliga-Absteiger auf schwache Gäste aus der Kali-Gemeinde, die gegenüber dem 3:2-Coup bei Türk Gücü Friedberg vor 14 Tagen mindestens eine Klasse schlechter auftraten und den Gastgebern durch gravierende Abwehrfehler die sechs Tore ermöglichten.

Hessenliga: Schiedsrichter-Assistenten stecken im Stau - Ersatz musste her

Dass die Partie überhaupt stattfinden konnte, war dem kurzfristigen Einspringen der Schiedsrichter Marcus Bengelsdorff (Stadtallendorf) und Joshua Herbert (Nüsttal) zu verdanken, die für die im Stau steckengebliebeben Noah Bursky und Luca Kloft (beide aus dem Kreis Limburg-Weilburg) als Assistenten von Felix Berger an der Seitenlinie standen. Berger war aus dem Werra-Meißner-Kreis anreisend rechtzeitig da, seine eingeteilten Assistenten schafften es aber nicht zum Anpfiff um 14 Uhr. Die Partie begann dann mit zehn Minuten Verspätung, viel später hätte es nicht werden dürfen, denn das Waldstadion in Gießen verfügt über kein Flutlicht. Neuhof begann in den ersten 20 Minuten mir einer Dreierkette geordnet und strukturiert, legte sogar den Vorwärtsgang ein und kam zu einigen Abschlüssen.

Ich dachte, wir wären konkurrenzfähig, aber unsere gravierenden Fehler waren in der Menge zu viel.

Alexander Bär, Trainer SV Neuhof

Die Gastgeber brauchten etwas, um in die Partie zu kommen. Nach dem 1:0 von Yassine Maingad (21.), der vor seinem Distanzschuss zu viel Platz hatte, war der FC Gießen die klar bessere Mannschaft. Neuhof verlor mit zunehmender Spieldauer erst die Ordnung und dann jegliche Struktur. Dem 2:0 des auf fast allen Positionen einsetzbaren Mert Pekesen (27.), ließ der ukrainische Stürmer Leonid Akulinin per Flachschuss das dritte Tor folgen (38.). Die 240 Zuschauer (Minusrekord diese Saison) erwärmten sich auch nach der Pause bei klirrenden Temperaturen am konsequenten Gießener Spiel. Eine Flanke von Denis Mangafic nickte Akulinin zum 4:0 ein (48.). Erst danach reagierte Neuhofs Trainer Alexander Bär mit drei Spielerwechseln in der 55. Minute, stellte auf Viererkette um, zu spät. Zwar markierte mit Younes Djebbari einer der eingewechselten Leute ein wirklich sehenswertes Tor zum 4:1 (66.), danach verursachte aber Raymond Williams einen unnötigen Foulelfmeter, den Matheus de Moura Beal verwandelte (70.).

FC Gießen punktgleich mit Eintracht Frankfurt an der Spitze

Den Schlusspunkt gegen nun völlig desolate Gäste setzte der A-Jugendliche Mika Gärtner zum 6:1 (72.). Kaum verwunderlich, dass Bär angesichts der schwachen Darbietung bei der Pressekonferenz im Gießener VIP-Zelt restlos bedient war, zunächst aber den Kontrahenten lobte: „Wenn man so klar verliert, fällt es dem Trainer schwer, die richtigen Worte zu finden. Uns war die Spielstärke des FC Gießen bewusst. Wenn man sich den Kader des Gegners anschaut, dann ist das eine erfahrene Mannschaft. Ich sehe den FC Gießen gemeinsam mit Eintracht Frankfurt U21 als Titelfavoriten.“ Zur eigenen Situation sagte Bär: „Wir haben andere Strukturen, in unserem kleinen Ort müssen wir mit kleineren Mitteln arbeiten.“ Zur eigenen Leistung meinte der Neuhofer Trainer: „Ich dachte, wir wären konkurrenzfähig, aber unsere gravierenden Fehler waren in der Menge zu viel. Dementsprechend haben wir sehr viele Gegentreffer bekommen. Deswegen ist die Enttäuschung über diese schwache Leistung riesengroß.“

Gießens Trainer Daniyel Cimen war hingegen hochzufrieden: „Auch die letzten Spiele waren trotz der Ergebnisse nicht so schlecht. Nur die Chancenverwertung haben wir vermissen lassen, das ist uns heute ab dem Führungstreffer besser geglückt. Danach haben wir als Mannschaft gezeigt, was für ein Selbstvertrauen wir haben.“ Zurecht, denn seit 18 Spielen ist der FCG ungeschlagen und der weiterhin von einem Notvorstand geführte FCG muss sich so langsam Gedanken über das Szenario direkter Wiederaufstieg in die Regionalliga Südwest machen. Für Cimen sind diese Träume genauso wie der mögliche Zweikampf mit Eintracht II noch weit weg, der realistische Trainer befasst sich noch nicht mit solchen Themen: „Die Mannschaft hat sich diese tolle Bilanz verdient, wenn man bedenkt, dass wir im Sommer nach dem Abstieg vier Spieler hatten und meine Zusage und jene von Michael Fink erst zehn Tage vor Trainingsbeginn erfolgte. Da haben wir nach dem schweren Saisonstart großartige Leistungen gezeigt. Wir sind sehr glücklich, dass wir zu Hause nach der Hinrunde ungeschlagen sind. Danke an die Jungs und an alle Helfer im Umfeld, dass wir jetzt auf dem zweiten Platz stehen, punktgleich mit dem Tabellenführer. Das hätte uns nicht jeder zugetraut.“

FC Gießen: Duschner; Assar, Kireski, Fink, Wessam-Ghani (73. Akkus Rodriguez) - Maingad (64. Gärtner) - Pekesen, Vural, de Moura de Beal (73. Calabrese), Mangafic (78. Mahmuti) - Akulinin (64. Gorbunow).
SV Neuhof: Grbovic; Paez, Mihaylov, Williams - Yañez Cortes (80. Gamanis), Menezes Nunes (55. Djebbari), Igkmpinompa, Sosa Perez (55. F. Kovac), Gärtner (65. Pandov) - M. Kovac, Costa Sabate (55. Thiry).
Schiedsrichter: Felix Berger (TSV Herleshausen).
Zuschauer: 240.
Tore: 1:0 Yassine Maingad (21.), 2:0 Mert Sinan Pekesen (27.), 3:0 Leonid Akulinin (38.), 4:0 Leonid Akulinin (48.), 4:1 Younes Djebbari (66.), 5:1 Matheus de Moura Beal (70., Foulelfmeter), 6:1 Mika Gärtner (72.).

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