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„Die meisten gehen, weil wir zu wenig bieten können“

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Von: Steffen Kollmann

Alexander Bär und Raymond Williams SV Neuhof
Alexander Bär (links) und Raymond Williams wollen den schlechten Saisonstart mit dem SV Neuhof bald vergessen machen. © Charlie Rolff

Zum ersten Mal in dieser Saison treten beide osthessischen Hessenligisten zeitgleich am Sonntag (15 Uhr) zu Hause an. Und doch könnte die Stimmung kaum unterschiedlicher sein. 

Denn während es sich der SV Steinbach in den Top fünf gemütlich gemacht hat, steht der SV Neuhof auf einem Abstiegsplatz. „Die Mannschaft steht in der Bringschuld“, betont deshalb SVN-Trainer Alexander Bär. Dass es ausgerechnet gegen den Vorjahres-Vizemeister Eintracht Stadtallendorf geht – „gegen die wir außer der Platzwahl noch nichts gewonnen haben“ – passt Bär weniger in den Kram, wenngleich er weiß: „Zu diesem Zeitpunkt sind wir einfach ein dankbarer Gegner. Das waren wir auch vergangene Woche beim Tabellenletzten.“

SV Neuhof bietet in der Hessenliga ein Work-&-Play-Konzept

Bei Aufsteiger Unter-Flockenbach setzte es eine 1:5-Klatsche, die der Trainer in der Höhe auch darin begründet, dass er „zu früh alles oder nichts“ gespielt habe. Ob der mickrigen Ausbeute von vier Punkten aus sechs Spielen nimmt der Übungsleiter aber nicht nur sich, sondern besonders seine Spieler in die Pflicht. „Wir hatten eine kurze Vorbereitung, weil viele Spieler in ihren Heimatländern waren – und in einem athletisch schlechten Zustand zurückgekommen sind. Dabei können wir nur über die Physis und mannschaftliche Geschlossenheit kommen. Denn den großen Ausnahmespieler haben wir nicht.“

Und wie schwierig das Zusammenwachsen innerhalb der Mannschaft ist, wird angesichts Bärs nächster Sätze deutlich. „Wir betreiben ein Work-&-Play-Konzept, Spieler wollen sich bei uns ins Schaufenster spielen. Die meisten Spieler werden nach einem Jahr wieder abgeworben, weil wir zu wenig bieten können“, erklärt der 51-Jährige und denkt an Spieler wie Edi Kulas, der nach Stadtallendorf gewechselt ist. Der erlebte es in der vergangenen Saison mit, wie der SVN nach sechs sieglosen Spielen zum Start durchstartete, als Mannschaft zusammenwuchs und frühzeitig den Klassenerhalt sicherte. Wiederholung nicht ausgeschlossen.

SV Steinbach mannschaftlich das Gegenteil von Neuhof

Der SV Steinbach profitierte dagegen von einer starken Abstiegsrunde und scheint den Schwung in die neue Saison gänzlich mitgenommen zu haben. Wo der SVS dem SVN mindestens einen Schritt voraus ist: Im Mühlengrund passt die mannschaftliche Geschlossenheit vollends. „Jeder hat verstanden, dass man alles geben muss, um in dieser Liga zu bestehen. Jeder Einzelne ist wichtig für die Mannschaft“, betont Trainer Petr Paliatka.

Der 38-Jährige konnte bisher noch nie zweimal hintereinander mit derselben Startelf spielen – doch egal, wer neu reinkommt, auch auf teils ungewohnten Positionen, jeder erfüllte im 3-5-2-System seinen Job. „Wir haben richtig gute Kicker drin, die in dieser Formation aufblühen. Und wir spielen das System seit einem halben Jahr: Jeder weiß, was er zu machen hat“, sagt Paliatka, der vor dem Heimspiel gegen Hanau um den angeschlagenen Strategen Alexander Reith bangt.

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