Am Samstag greift Schiedsrichter Volker Höpp letztmals zur Pfeife in der Hessenliga. Der 47-Jährige leitet die Partie zwischen Fernwald und Flieden. Foto: Charlie Rolff
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Am Samstag greift Schiedsrichter Volker Höpp letztmals zur Pfeife in der Hessenliga. Der 47-Jährige leitet die Partie zwischen Fernwald und Flieden.

Noch 90 Minuten purer Genuss

Volker Höpp nimmt Abschied. Abschied von der Hessenliga. Das Aufeinandertreffen am Samstag zwischen dem FSV Fernwald und dem SV Buchonia Flieden wird des Schiedsrichters 100. Partie in Hessens Beletage und zugleich der Ausklang des 47-Jährigen nach 13 Jahren im Verbands-Oberhaus.

Emotional könnte es Samstagnachmittag werden. Das gibt Höpp zu. Doch bei unserem Gespräch hat ihn jenes Gefühl noch nicht erreicht. Er zähle nur die Tage bis zu seinem letzten Auftritt, richtig über die bevorstehenden Geschehnisse wird er wohl am Freitagabend nachdenken. Dann, wenn er seine Tasche packt. Dass der erfahrene Referee überhaupt mit 47 Jahren noch Hessenliga pfeifen darf, hat er einer Ausnahmeregelung zu verdanken. Eigentlich ist mit dem Erreichen des 47. Lebensjahres Schichtende. Die Altersgrenze spielt eine Rolle, wie im Sommer durch Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe vermehrt hörbar wurde. Diese gilt auch auf Verbandsebene. Weil die Hessenliga aber coronabedingt pausierte, räumte Verbandsschiedsrichterobmann Gerd Schugard (Dipperz) eine Abschiedsrunde bis zum 31. Dezember diesen Jahres ein.

Der für den FSV Dauernheim pfeifende Höpp nahm jene Möglichkeit gerne wahr. Eine Ehre und Anerkennung sei es für ihn. Akzeptiert hätte er jede andere Entscheidung ebenfalls. "Aber so freut man sich auf jedes Spiel. Da ich wusste, dass im Dezember Schluss ist, habe ich viel mehr genossen. Mit dem Team unterwegs zu sein, macht einfach Spaß. Und in Absprache mit Gerd durfte ich mir sogar Assistenten wünschen", gesteht der 47-Jährige, der zwar nach der samstäglichen Partie die Verbandsebene verlässt, jedoch weiterhin bis zur Gruppenliga hinauf zur Pfeife greifen möchte. Schiedsrichter sei er, weil's Spaß macht. Egal ob auf dem Feld, daneben als Beobachter oder als Kreislehrwart in seiner Region in Büdingen. Zudem leitet er Spiele bis zur Futsal-Regionalliga.

Zur Schiedsrichterei kam Höpp mit 19 Jahren. Seit 1993 greift er zur Pfeife, seit 2008 in der Hessenliga. Das war für ihn immer das Ziel, eine höhere Liga nie der Ansinn. Aus beruflichen Gründen, der Dauernheimer ist Physiotherapeut, fehlte schlicht die Zeit. Höhepunkte gab es etliche in den langen Jahren, zwei bleiben ihm explizit im Kopf. Zum einen leitete er das Nordhessen-Derby zwischen dem KSV Hessen Kassel und dem KSV Baunatal am Ostermontag 2019. Im Auestadion weilten 15.488 Zuschauer. Für Höpp eine Auszeichnung und Belohnung, jenes Duell in der Hessenliga leiten zu dürfen. Zum anderen bleibt ihm das Freundschaftsspiel zwischen Ober-Schmitten und Bundesligist VfB Stuttgart aus dem Jahr 2005 hängen, als die Schwaben mit vielen großen Namen vorspielten.

Neben den schönen Erinnerungen musste Höpp aber feststellen, dass in all den Jahren eine Sache immer weniger wurde: die Geselligkeit. "Früher war das anders. Man konnte sich mit den Leuten nach dem Spiel unterhalten, heute ist oftmals schnell alles leer. Zudem ist das Niveau gesunken. Es hat zu Beginn meiner Zeit mehr Klasse", verrät Höpp, der eins verspricht: "Für Fernwald und Flieden geht es in dem Spiel um viel. Danach bleibt jedoch genug Zeit, um noch das eine oder andere Bierchen zu trinken. Jeder, der da ist, ist herzlich eingeladen." Es könnte als ein langer Abend nach Höpps letztem Hessenligaspiel werden.

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