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Wildes Spiel rückt nach rassistischer Beleidigung in den Hintergrund

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Von: Tobias Konrad

Dominik Rummel Barockstadt Waldgimres Golafra
Barockstadt Dominik Rummel (weiß) behauptet den Ball unter anderem gegen Waldgirmes‘ Kian Marius Golafra (rechts), der später die Gelb-Rote Karte sah. © Tobias Konrad

Der SC Waldgirmes und die SG Barockstadt kämpften beim 3:3 (2:2)-Unentschieden mit harten Bandagen. Doch rund 20 Minuten vor Spielende rückte die Hessenligapartie in den Hintergrund. Eine rassistische Beleidigung führte zu einer zehnminütigen Spielunterbrechung.

Doch was war passiert? In einer hitzigen Partie sah Waldgirmes‘ Kapitän Kian Marius Golafra für ein wiederholtes Foulspiel die Gelb-Rote Karte (70.). Die Gemüter der Zuschauer waren erhitzt, ein Wortgefecht zwischen einem Zuschauer unmittelbar neben der Barockstadt-Bank und Golafra artete ein Stück weit aus. Just zu jenem Zeitpunkt trabten die Auswechselspieler des SCW an dem Zuschauer vorbei in Richtung der Trainerbank. Der beiden Teams nicht bekannte Zuschauer, von Beginn an immer wieder mit auffälligen Aussagen in Richtung der heimischen Mannschaft, fasste dabei SCW-Auswechselspieler Glodi Bebe in den Fokus und bedachte ihn mit einer rassistischen Beleidigung. Nun bildete sich ein Tumult, der Zuschauer wurde umgehend von Ordnern abgeführt und vom Sportgelände verwiesen.

Fortan stand das Spiel auf der Kippe. Das Schiedsrichtergespann ging in die Kabine, die Mannschaften verharrten auf dem Platz. Die Fassungslosigkeit stand allen Beteiligen ins Gesicht geschrieben. Nach rund zehn Minuten – die Barockstadt wollte gerade den Kunstrasen verlassen – kamen die Schiedsrichter zurück und ließen die restliche Spielzeit fortführen. „Unser Verein steht für ein offenes und friedliches Miteinander. Wir tragen ein Emblem und Trikots und sprechen uns ganz klar gegen Rassismus aus. Selbst unsere Fans skandieren ‚Nazis raus!‘. Was genau passiert ist, weiß ich nicht. Ich habe keine Aussage gehört. Aber egal was gesprochen wurde, es ist in keinster Weise zu entschuldigen“, sagte SGB-Trainer Sedat Gören.

Schappert: „Ein Vollidiot zerstört alles“

In die unterste Schublade steckte SCW-Coach Mario Schappert das Geschehene. Auch er hatte nichts von der Aussage mitbekommen, „aber ich kenne Glodi Bebe als total ruhige Seele. Der Barockstadt kann man keinen Vorwurf machen. Ein außenstehender Vollidiot hat einen schönen Nachmittag zerstört.“ In der Zeit des Wartens trafen Schappert und seine Mannschaft den Entschluss, die Partie trotz Unterzahl zu Ende spielen zu wollen. „Es stand ein Abbruch zur Debatte. Wir haben Glodi gefragt, ob wir weiterspielen sollen. Für ihn war das in Ordnung und so haben wir für ihn bis zum Ende gekämpft“, ergänzte Schappert.

Für Glodi war es in Ordnung, weiterzuspielen, und so haben wir für ihn bis zum Ende gekämpft.

SCW-Trainer Mario Schappert.

Nach dem Vorfall war die fußballerische Linie bei beiden Teams weg. Die Barockstadt war bemüht und wollte den ersten Sieg in der Aufstiegsrunde mit aller Macht, doch wirklich Gefahr entstand nicht mehr. In der Nachspielzeit forderten die Gäste Strafstoß – Marius Grösch erhielt einen Kontakt –, doch Schiedsrichter Manuel Winkler, der von Beginn an nicht den glücklichsten Eindruck machte, entschied auf Weiterspielen. „Wir waren komplett aus dem Konzept und bis wir wieder drin waren, war das Spiel vorbei“, fasste Gören zusammen.

Barockstadt wacht nach 0:2 auf, Rummel verletzt

Beide Mannschaften neutralisierten sich rund eine halbe Stunde, ehe ein Eckball die Waldgirmeser Führung brachte. Lukas Fries köpfte am ersten Pfosten ein (26), ehe beim 2:0 Winkler in den Fokus rückte. Claudius Fürstenau zog aus der Distanz ab, SGB-Keeper Tobias Wolf konnte das Leder nicht entscheidend über die Latte lenken. Der Ball trudelte ins Tor (32.), doch bevor dieser die Linie überquert hatte, pfiff Winkler ab und deutete auf Ecke. Die mehrminütige Diskussion brachte nichts ein, die Gemüter waren erstmals erhitzt. Doch die Gäste zeigten eine Trotzreaktion und glichen noch vor der Pause aus. Erst Dominik Rummel aus zentraler Position (37.), dann Tolga Duran vom Elfmeterpunkt (39., Moritz Reinhard war gefoult worden).

Die Barockstadt kam nach Wiederanpfiff besser ins Spiel und ging verdient in Führung. Eric Tavares Ganime Bastos köpfte nach einem Freistoß ein (51.). Doch Waldgirmes hatte mit Felix Erben einen Joker, der nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung auf 3:3 stellte (65.). Das Spiel war offen – doch kurz darauf rückte das sportliche Treiben in den Hintergrund. „Es war eine Berg- und Talfahrt. Wer weiß wie das Spiel geendet wäre“, äußerte sich Schappert, dem einige Wortgefechte zwischen der Barockstadt-Bank und dem Schiedsrichtergespann nicht verborgen blieben. Zu allem Übel verletzte sich kurz vor Spielschluss noch Dominik Rummel nach einem Zusammenprall mit SCW-Keeper Maik Buss und musste ins Krankenhaus.

Statistik

SC Waldgirmes: Buss; Enobore, Fries, Schmidt, Stephan (59. Erler) – Böttcher (73. Kim), Golafra – Fürbeth (63. Erben), Fürstenau, Hartmann – Tega. 
SG Barockstadt: Wolf; Löbig, Ganime Bastos, Pecks, Müller – Grösch, Reinhard, Duran, Hillmann (90. Kovac), Wüst (82. Göbel) – Rummel (87. Kassa). 
Schiedsrichter: Manuel Winkler (TSV Landau). 
Zuschauer: 300. 
Tore: 1:0 Lukas Fries (26.), 2:0 Claudius Fürstenau (32.), 2:1 Dominik Rummel (37.), 2:2 Tolga Duran (39., Foulelfmeter), 2:3 Eric Tavares Ganime Bastos (51.), 3:3 Felix Erben (65.). 
Gelb-Rote Karte: Kian Marius Golafra (70., Waldgirmes). 
Besonderes Vorkommnis: Zehnminütige Spielunterbrechung aufgrund einer rassistischen Beleidigung.

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