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Regionalliga-Träume, obwohl die Stars nicht spielen

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Niklas Rottenau hat kaum gespielt, aber auch ohne ihn und vieler seiner Mitspieler läuft es beim FC Eddersheim mehr als rund. Foto: Marcel Lorenz
Niklas Rottenau hat kaum gespielt, aber auch ohne ihn und vieler seiner Mitspieler läuft es beim FC Eddersheim mehr als rund. © Marcel Lorenz

Der FC Eddersheim stand vor einem Jahr am Abgrund, hielt vielleicht nur die Hessenliga, weil Corona für den Saisonabburch sorgte. Und jetzt? Reitet der Verein die Erfolgswelle, kann von der Regionalliga träumen und dem Spitzenspiel am Freitagabend (19.30 Uhr) beim SC Hessen Dreieich entgegenfiebern.

Der Ist-Zustand könnte kaum besser sein: Acht Spiele bringen die Play-off-Teilnehmer jeweils in das neue Jahr ein. Eddersheim hat Stand jetzt fünf Spiele davon gewonnen und nur eines verloren. Zwei Spiele – gegen den Tabellenzweiten Dreieich und zum Abschluss gegen Play-off-Wackelkandidat Waldgirmes – stehen noch aus. Im Idealfall – beide Spiele würden gewonnen, dazu erreichen neben Dreieich auch Hadamar, Zeilsheim und Walldorf die Play-offs – käme Eddersheim gar auf 22 von 24 möglichen Punkten. Selbst an 20 Punkte würde kein Konkurrent heranreichen können.

Viele Rechenspiele, die Erich Rodler wenig beeindrucken. Der Sportliche Leiter des FCE analysiert vielmehr nüchtern: "Vor der Saison war klar, dass mindestens sieben Teams unbedingt in die Play-offs wollen, dass wir dies, unser primäres Ziel, so früh geschafft haben, macht uns einfach sehr, sehr glücklich und die Planungen sehr viel leichter." Zuletzt spielte sich das Team gar in einen Rausch, hat in den vergangenen fünf Spielen nicht ein einziges Gegentor kassiert. Der FCE präsentiert sich als verschworene Einheit, die füreinander läuft und arbeitet.

Star-Sextett bringt es auf 20 Startelfeinsätze

Obwohl gleich ein halbes Dutzend der "Starspieler" kaum bis gar nicht gespielt hat: Da wären die beiden Kapitäne Niklas Rottenau und Patrick Hilser, Spielmacher André Fließ, Top-Neuzugang Daniel Döringer oder die beiden Goalgetter Turgay Akbulut und Anthony Wade. Zusammen bringt es das Sextett wegen diversen Verletzungen auf gerade einmal 20 Startelfeinsätze nach nun schon 18 Spielen. Die Kohlen holen stattdessen eine ganze Reihe an jungen Spielern aus dem Feuer und spielen gerade in den Topspielen "immer am Limit und bemerkenswert sicher", wie es Rodler nennt. Er selbst scheut sich, wegen der Personallage zu lamentieren. Warum auch? Es läuft beinahe von selbst.

So gut, dass der FCE in wenigen Monaten die Regionalliga-Lizenz beantragt? "Eins nach dem anderen", sagt Rodler und gibt Einblick in die vereinsinternen Gespräche: "Uns ist unfassbar wichtig, dass wir unsere Werte im Verein nicht vernachlässigen. Wir wollen den maximalen sportlichen Erfolg mit den Mitteln erreichen, die uns zur Verfügung stehen – ohne dass unsere Struktur darunter leidet. Und die funktioniert mit Ehrenamt und ruhiger, sachlicher Arbeit." Ganz in diesem Stil wolle man die Thematik nach Abschluss der Qualifikationsrunde im Verein erörtern, wie Rodler erklärt und ausführt, "dass das Thema im Verein und Umfeld herumgeistert. Und dass wir uns davor nicht verschließen – ebenfalls. Stand jetzt gibt es weder eine Entscheidung dafür oder dagegen", sagt Rodler.

Balser froh, dass es weitergeht

Dass weiterhin gespielt werden soll, hatten die Hessenligisten bei einer Umfrage in großer Mehrheit vor einer Woche gemeinsam entschieden. Hessenliga-Sprecher Tom Balser (SV Zeilsheim) sah keinen Grund, jetzt anders zu entscheiden. "Ganz ehrlich. Uns fehlen in Waldgirmes am Samstag sechs Spieler. Da wäre eine Unterbrechung rein sportlich vielleicht sogar die bessere Lösung. Aber darum geht es nicht. Wir sollten jetzt einfach die Spiele durchziehen, damit wir die Qualifikationsrunde hinter uns bekommen, um gut ins neue Jahr zu starten.“

Dass in Waldgirmes für Zeilsheim ein Spiel mit entscheidendem Charakter ansteht, ist Balser bewusst. Und er gibt sich nach einer echten Schocknachricht keinen Illusionen hin. Genau ein Spiel hatte Leonardo Bianco nach seiner Rückkehr aus Eddersheim für Zeilsheim absolviert, dann fiel der Stürmer ab dem 5. September des vergangenen Jahres verletzt aus. Nun, 14 Monate später, spielte er am Sonntag erstmals für die Reserve und verletzte sich am Dienstag im Training ohne Einwirkung eines Mitspielers erneut. "Verdacht auf Kreuzbandriss", sagt Balser und erklärt, "dass das schon für viele ein Schock war." Nun erhofft er sich, "dass wir vielleicht eine Jetzt-erst-Recht-Mentalität entwickeln, allerdings ist Waldgirmes eben auch eine sehr stabile Mannschaft."

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