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Hadamar atmet auf, aber das Pech bleibt treu

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Luca Teller Rot-Weiss Hadamar
Luca Teller traf in der Schlussphase zur Führung für Rot-Weiss Hadamar. © Memento36

Der 1. Hanauer FC 1893 galt im Vorfeld der Hessenliga-Begegnung gegen den SV Rot-Weiß Hadamar auf dem Papier als klarer Favorit. Gegen die auf den letzten Tabellenplatz abgestürzten Fürstenstädter galt für die in der Verfolgergruppe positionienierten 93er ein Heimsieg als Formsache. Doch es kam anders: Gegen die personell erneut mit dem letzten Aufgebot angereisten Gäste setzte es in der Schlussphase eine völlig unerwartete 0:2 (0:1)-Niederlage.

Die Misere Hadamars - seit 2011 ununterbrochen in der Hessenliga und damit der „dienstälteste“ Verein der Klasse - ist hauptsächlich Personalproblemen geschuldet. Zahlreiche Stammspieler wie Jerome Zey sind verletzt. In Hanau setzte sich Gästecoach Stefan Kühne wieder einmal selbst auf den Spielberichtsbogen, musste auf Akteure aus der Reserve (Gruppenliga Wiesbaden) sowie einen U19-Spieler vertrauen. Das Verletzungspech riss auch an der Kastanienallee nicht ab, als sich der erfahrene Stürmer Marco Koch verletzte und kurz vor der Pause Larion Kosuchin herein kam.

Rot-Weiss Hadamar mit Doppelschlag in der Schlussphase

Fortan stürmte Kosuchin neben dem etatmäßigen Innenverteiger Mirko Dimter, den Kühne nach vorne beordert hatte. Zu Beginn hatte Hanau durch Ivan Samardzic die erste Führungschance, scheiterte aber am Gästetorhüter Leon Hasselbach (3.). Mit einem frühen 1:0 im Rücken hätte das Spiel womöglich die erwartete Entwicklung genommen, doch die Westerwälder agierten nach überstandener Anfangsphase defensiv immer sicherer. Früh musste Hanau Timucin Sen verletzungsbedingt gegen Niklas Biehrer austauschen (14.), für den wiederum neun Minuten nach Wiederbeginn schon Feierabend war. Die 93er spielten ohne Stürmer Kristijan Bejic und Spielertrainer Kreso Ljubicic zu kompliziert, wussten gute Chancen wie von Biehrer nach einer Ecke (43.) nicht zu nutzen. Im zweiten Abschnitt setzte der Regen ein, nun kam auch der Gast zu Möglichkeiten. Der kantige Dimter sorgte für viel Beschäftigung in der heimischen Abwehr und ermöglichte durch Kosuchin und Sumak.

Als sich die 170 Besucher auf ein torloses Remis einstellen wollten, schlug Hadamar zweimal zu. Luca Teller verwandelte einen Freistoß (77.) und Kosuchin vollendete einen Konter auf Zuspiel von Dimter (81.). Die restlichen Minuten überstand Hadamar schadlos und somit war die Überraschung perfekt und die Westerwälder gaben die Rote Laterne zumindest bis morgen an den TSV Steinbach Haiger II ab. Neben Koch musste auch noch Mohamed Zouaoui in der Schlussphase verletzt ausscheiden.

Ich habe leider keine Reaktion auf die Niederlage in Gießen bekommen. Darüber müssen wir reden.

Kreso Ljubicic

„Unsere Personallage hat sich somit erneut verschlechtert. Ungeachtet dessen haben wir hier mit Akteuren aus der Gruppenliga und einem U19-Spieler eine gute Leistung gebracht. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass ich ihr vertraue und sie die Qualität haben. Das haben wir bewiesen. 90 Minuten haben wir an uns geglaubt und gut gegen den Ball gearbeitet. Wenn man unten steht, braucht man nicht an Fußball spielen denken. Heute dürfen wir feiern, aber wir haben noch nichts erreicht. Wenn wir nächste Woche gegen Steinbach Haiger II nachlegen, war der Sieg Gold wert“, analysierte Gästecoach Stefan Kühne und ergänzte: „Ich bin davon überzeugt, dass wir da unten raus kommen. Wir haben erfahrene Spieler abgegeben und verjüngt. Mit dem heutigen Sieg haben wir einen neuen Stellenwert geschaffen, spätestens am Saisonende wollen wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben.“

Kreso Ljubicic enttäuscht über Leistung von Hanau 93

Enttäuschung pur dagegen bei Kreso Ljubicic. Der verletzte Hanauer Spielertrainer: „Ich habe leider keine Reaktion auf die Niederlage in Gießen bekommen. Darüber müssen wir reden. Wir wussten, dass Hadamar nichts zu verlieren hat, machen uns das Leben schwer und spielen zu kompliziert. Wir hatten dennoch die klareren Chancen und müssen auch mal einen machen. Da brauchen wir zu viele Chancen.“ Ernüchtert stellte er fest: „Vielleicht sind wir in der Realität angekommen. In der Hessenliga musst du gegen jeden Gegner ans Maximum gehen. Das war eine sehr enttäuschende Leistung, so darf man nicht auftreten. Das ist nicht mein Anspruch, wir müssen in Friedberg nächsten Samstag den Schalter wieder umlegen.“

1. Hanauer FC: Brao; Kaiser, Sejdovic, Sentürk, Aslan (46. Aslan) - Kalata, Ünal - Samardzic, Ferukoski (72. Türker), Sen (14. Biehrer/54. Baumann) - Makengo (56. Danso).
SV Rot-Weiß Hadamar: Hasselbach; Teller, Dillmann, Burggraf, Zouaoui (76. Ramcilovic) - Fosuhene, Kittel, Wilhelmy (90.+4 Marquardt), Sumak - Dimter, Koch (42. Kosuchin).
Schiedsrichter: Mirko Radl (Olympia Biebesheim).
Zuschauer: 170.
Tore: 0:1 Luca Teller (77.), 0:2 Larion Kosuchin (81.).

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