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Beste Platzierung der Vereinsgeschichte winkt

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Von: Steffen Kollmann

Während Sebastian Bott (rechts) und der SV Steinbach die beste Platzierung der Vereinsgeschichte hinlegen könnten, müssen Akif Kovac und der SV Neuhof um den Klassenerhalt in der Hessenliga bangen.
Während Sebastian Bott (rechts) und der SV Steinbach die beste Platzierung der Vereinsgeschichte hinlegen könnten, müssen Akif Kovac und der SV Neuhof um den Klassenerhalt in der Hessenliga bangen. © Charlie Rolff

Aus fünf mach zwei: Nach dem Aufstieg der SG Barockstadt sowie dem Abstieg des Hünfelder SV und SV Flieden spielen mit dem SV Steinbach und SV Neuhof nur noch zwei Osthessen in der Hessenliga. Die Gemütslage bei beiden könnte kaum unterschiedlicher sein.

Die Lage

Anders als in der Vorsaison, als die Liga zur Winterpause in Auf- und Abstiegsrunde geteilt wurde, wird wieder im normalen Modus gespielt. Bei 20 Vereinen in der Liga heißt das: Die Mannschaften befinden sich in einer Mammutsaison. 23 von 38 Spieltagen sind über die Bühne gebracht worden, wenngleich einige Teams noch Nachholspiele haben – vier Vereine sogar zwei. Oben scheint alles auf einen Titelzweikampf zwischen Frankfurt II und Gießen hinauszulaufen. Und im Abstiegskampf ist noch niemand endgültig abgeschrieben – wenngleich vier Teams ganz sicher direkt runter müssen.

Top

Was war das für ein Saisonstart des SV Steinbach! Nach drei Spieltagen stand die Truppe vom Mühlengrund dank zwei überzeugenden Auswärtssiegen bei sieben Punkten – und somit auf Tabellenplatz eins. In der Spitzengruppe konnte sich der SVS zwar nicht halten, trotzdem spielt die Mannschaft von Petr Paliatka eine tolle Saison. Ob die starke Zentrale um die Spielgestalter Alexander Reith und Luca Uth sowie Abräumer Jannis Kehl, Torjäger Petr Paliatka junior oder der überragende Torwart Philipp Bagus – die junge Mannschaft weiß überall zu gefallen. So konnten auch die vielen Ausfälle, die unter anderem den Shootingstar der vergangenen Saison, Max Stadler, in ihrer Entwicklung störten, den Steinbachern wenig anhaben.

Aber nicht nur der SVS spielte in der vergangenen Saison lange gegen den Abstieg und steht heute auf einem einstelligen Tabellenplatz: Türk Gücü Friedberg, RW Walldorf, Hanau 93 und der KSV Baunatal dürften mit der bisherigen Saison allesamt zufrieden sein. Besonders für Friedberg geht es noch um einiges: Der Rückstand auf den Tabellenzweiten Gießen, der den Regionalliga-Abstieg besser verkraftet hat als im Vorfeld von vielen Seiten vermutet, beträgt nur vier Punkte.

Flop

In der vergangenen Saison Teil der Aufstiegsrunde, hat heute kein Verein weniger Punkte auf dem Konto als der SV Neuhof. Die Mannschaft aus der Kaligemeinde wurde einmal mehr runderneuert, doch diesmal scheint es weder menschlich noch sportlich in der Zusammenstellung zu passen – trotz erprobter Spieler wie Ex-Barockstädter Akif Kovac oder Torwart Vladan Grbovic, der schon wieder weg ist. Noch ist alles möglich, in der Vorsaison schaffte es der SVN mit einer beeindruckenden Siegesserie zum frühzeitigen Klassenerhalt. Der Kader gibt es her, eine Wiederauferstehung zu schaffen, zumal es im Winter Veränderungen geben wird. Doch diese müssen jetzt, anders als im Sommer, wirklich sitzen.

Enttäuschend lief die Saison bisher auch für den 1. FC Erlensee und Rot-Weiss Hadamar, für die es nach starker vergangener Spielzeit nur um den Klassenerhalt geht. Von Eintracht Stadtallendorf durfte ebenfalls viel erwartet werden - zumal der Vizemeister des Vorjahres bis zum 13. Spieltag noch auf Rang eins stand. Doch aus den vergangenen zehn Spielen holte der TSV nur noch sieben Punkte, so dass eine Saison im Niemandsland der Tabelle droht.

In Erinnerung bleibt

Wenn Vater und Sohn gemeinsam auf dem Platz stehen, ist das schon in der Kreisliga ein Kuriosum. In der fünfthöchsten Liga ist die Geschichte der Paliatkas aber wohl einmalig. Trainer Petr und Stürmer Petr fanden sich am 7. September zusammen in der Startelf wieder, weil die Steinbacher Personalsituation derart angespannt war. Und das ausgerechnet im Osthessen-Derby beim SV Neuhof. Petr senior nahm zwei Gegentreffer auf seine Kappe, die Mannschaft von Alexander Bär gewann dank eines lupenreinen Hattricks von Mirza Kovac mit 3:2 – es sollte ein seltenes Highlight aus Sicht des SVN bleiben.

Zahlenspiel

1098: So viele Zuschauer kamen durchschnittlich zu den Heimspielen von Eintracht Frankfurts U21 – der einzige vierstellige und generell mit Abstand höchste Wert aller Hessenligisten. Nicht nur sportlich – besonders die 67 erzielten Tore beeindrucken – ist die Reserve von Deutschlands Sportmannschaft des Jahres 2022 eine klare Bereicherung für die Liga. Dass die Eingruppierung der SGE in Hessens Beletage ein Geschmäckle hinterlassen hatte, dürften die meisten Vereine spätestens dann vergessen haben, wenn die Eintracht mit ihren zahlreichen talentierten Nachwuchskickern bei ihnen zu Gast war. 1500 Leute waren es beispielsweise am ersten Spieltag in Alzenau.

Die zweitmeisten Zuschauer begrüßt ebenfalls ein Hessenliga-Neuling: Der SV Weidenhausen, Meister der Verbandsliga Nord in der vergangenen Saison, lockt durchschnittlich fast 600 Zuschauer an den Chattenloh. Und auswärts wissen die Adler ebenfalls zu begeistern. Nach Dreieich zu Eintracht Frankfurts U21 fuhren Mitte November rund 200 Fans mit.

Ausblick

Der SV Steinbach wird im Sommer in seine fünfte Hessenliga-Saison in Folge gehen. Die Mannschaft ist sogar stark genug, um am Ende einen einstelligen Tabellenplatz zu belegen und damit die bislang beste Platzierung der Vereinsgeschichte zu erreichen.

Nicht ansatzweise so rosig sind die Vorzeichen beim SV Neuhof. Unklar ist, wie sich das Gesicht der Mannschaft verändern wird – doch die Spieler müssen auf wie neben dem Platz zusammenwachsen. Sonst geht es zurück in die Verbandsliga – zumal es vier bis sechs direkte Absteiger geben wird und die davor befindliche Mannschaft in die Relegation muss. Für Teams wie Dietkirchen, Weidenhausen und Steinbach II dürfte es ebenfalls richtig eng werden.

Im Meisterkampf spricht derweil alles für Eintracht Frankfurts U21. Die Bundesliga-Reserve verfügt über das größte Potenzial. Erster Herausforderer ist Absteiger Gießen, der als Tabellenzweiter allerdings den Blick in den Rückspiegel nicht vernachlässigen darf.

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