1. torgranate
  2. Hessenliga

Neuhof war für die Eintracht ein gutes Omen

Erstellt:

Von: Ralph Kraus

Teamfoto: Die Eintracht in Rot, Neuhof und die Auswahl in Grün.
Teamfoto: Die Eintracht in Rot, Neuhof und die Auswahl in Grün. © Privat

Anlässlich seines 70-jährigen Jubiläums hatte der SV Neuhof am 10. Mai 1980 Eintracht Frankfurt für ein Freundschaftsspiel zu Gast. Vor allem der Zeitpunkt des Spiels hat heute schon fast etwas legendäres.

Denn das Spiel fand unmittelbar vor einem der größten Erfolge in der Vereinsgeschichte von Eintracht Frankfurt statt. Drei Tage vorher hatte die Eintracht das Hinspiel des UEFA-Cup-Finals gerade erst mit 2:3 bei Borussia Mönchengladbach verloren. Es folgte eben jenes Spiel in Neuhof und wenige Tage danach der Triumph im Rückspiel im Waldstadion. An diesem 10. Mai ahnte also noch niemand, dass ausgerechnet ein „Neuhofer“ zum Europapokal-Helden werden sollte. Den entscheidenden Treffer zum UEFA-Cup-Sieg beim 1:0 im Rückspiel erzielte bekanntlich Fred Schaub.

Europapokal-Sieg: SV Neuhof war für Eintracht Frankfurt ein gutes Omen

Genau dieser Schaub fehlte in Neuhof noch, weil er eine zehnwöchige Sperre abbrummen musste und auch in Freundschaftsspielen nicht eingesetzt werden durfte. „Das war schon ein bisschen schade, denn die Leute wollten ihn ja unheimlich gerne auch auf dem Feld sehen. So war er nur draußen mit dabei“, erinnert sich Werner Möller, der Schaub einst in der Neuhofer Jugend trainiert hatte. Möller, der über 1000 Pflichtspiele für den SV Neuhof bestritt, coachte Schaub in der Zeit von 1974 bis 1976, ehe der den Weg zur Eintracht ging. „Wir hatten damals eine richtig gute Jugendarbeit, die zu den Besten im Bezirk gehörte.“

An den Moment, als Schaub die Eintracht zum UEFA-Cup-Sieg schoss, erinnert sich Möller noch ganz genau: „Ich saß zu Hause vor dem Fernseher. Das war ein toller Moment, der unvergessen bleibt. Aber Fred war halt auch ein klasse Spieler. Wenn der am Laufen war, dann war er nicht mehr zu halten.“

Werner Möller SV Neuhof und Friedel Rausch Eintracht Frankfurt
Vor dem Match nahm sich Eintracht-Trainer Friedel Rausch (rechts) Zeit für einen Plausch mit Neuhofs Werner Möller. © privat

3000 Zuschauer kommen zum Jubiläumsspiel gegen die Eintracht

Das Jubiläumsspiel gegen die Eintracht wurde vom Vorsitzenden Reinhold Auth eingefädelt und organisiert. Es wurde ein voller Erfolg. 3000 Zuschauer fanden den Weg in die Glückaufkampfbahn, und die Eintracht hatte bis auf die verletzten Harry Karger und Cha Bum-kun die volle Kapelle mit dabei. Das Spiel selber nahm den erwarteten Verlauf. Harry Gerhard gelang das viel umjubelte Ehrentor der Neuhofer Auswahl. Und fast wäre noch ein zweiter Streich gelungen, als Eintracht-Keeper Jürgen Pahl in höchster Not gerade noch die Hände an den Kopfball von Achim Simon brachte (77.).

„Die Eintracht hat sich sehr volksnah präsentiert“, schaut Werner Möller zurück. „Am gesprächigsten war Bernd Hölzenbein. Aber auch Trainer Friedel Rausch hat einen netten Eindruck hinterlassen.“ Nach dem Spiel saß die Eintracht noch eine Stunde mit der Neuhofer Mannschaft zum Essen beisammen. Außer Coach Friedel Rausch. Der machte sich nach Abpfiff von Neuhof aus direkt auf den Weg nach Mainz, denn er war an diesem Abend der Talkgast im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF.

Auswahl Neuhof (1. Halbzeit): Paul Lazecky; Wolfram Enders, Jürgen Simon, Walter Möller, Werner Möller, Achim Simon, Harry Gerhard, Hohmann (alle SV Neuhof), Bernd Zimmer, Joachim Geibel (SG Bad Soden), Stephan Walter (Germania Fulda), Karl-Heinz Bunzenthal (Buchonia Flieden).

Auswahl Neuhof (2. Halbzeit): Kurt Kowarz (SG Bad Soden); Wolfgang Felber (beide SG Bad Soden), Hack (Borussia Fulda), Wolfgang Schäfer (Buchonia Flieden), Martin Adrian (TV Neuhof), Albert Herzig (SV Mittelkalbach), Schnopp, Mackwitz (73. Peter Eisenstein), Harry Winter, Torsten Schultheiß (alle SV Neuhof).

Eintracht Frankfurt: Jürgen Pahl; Horst Ehrmanntraut (46. Rigobert Gruber), Willi Neuberger (65. Klaus Funk), Karl-Heinz Körbel (65. Fischer), Bruno Pezzey (61. Hans-Peter Boy), Werner Lorant, Bernd Hölzenbein, Wolfgang Trapp, Ronny Borchers (46. Stefan Lottermann), Bernd Nickel, Norbert Nachtweih.

Schiedsrichter: Wilfer (Rönshausen).

Zuschauer: 3000.

Tore: 0:1 Karl-Heinz Körbel (7.), 0:2 Bernd Hölzenbein (34.), 0:3 Karl-Heinz Körbel (35.), 0:4 Wolfgang Trapp (36.), 1:4 Harry Gerhard (40.), 1:5 Ronny Borchers (44.), 1:6 Norbert Nachtweih (65.), 1:7 Wolfgang Trapp (77.), 1:8 Norbert Nachtweih (82.), 1:9 Stefan Lottermann (88.).

Auch interessant