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Wille, Leidenschaft – und ein bisschen Wehmut

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Vielleicht das letzte Foto der "Bratwurst-Kurve", so wie man sie bisher kannte. Jetzt rollen die Bagger an. Foto: 'Ralph Kraus
Vielleicht das letzte Foto der "Bratwurst-Kurve", so wie man sie bisher kannte. Jetzt rollen die Bagger an. © 'Ralph Kraus

Ein versöhnlicher Jahresabschluss, der Hoffnung für die Aufstiegsrunde 2022 macht – so kann man die Leistung von Hessenligist SG Barockstadt beim abschließenden 3:1 (1:1)-Heimsieg im Topspiel gegen den 1. FC Erlensee kurz und knapp umschreiben.

„Wir wussten, dass es das erste von elf Endspielen für uns war, entsprechend sind wir auch aufgetreten“, freute sich Dennis Müller, dessen 3:1 ein Sinnbild für die Vorstellung vom Samstag war. Denn wie das Team nachsetzte und mit welcher Entschlossenheit Müller den Ball in die Maschen wuchtete, zeigte, was dieser Treffer bedeutete. „Mit dem Tor hat man gespürt, welcher Druck von uns abgefallen ist“, so Müller, dessen Teamkollegen in der Jubelorgie nach dem Tor regelrecht über ihn herfielen.

Spielgestalter Leon Pomnitz sagte, „dass es nur über die Grundtugenden gehen konnte. Mehr hat nicht gezählt. Wir hatten ein bisschen Glück, dass Erlensee nicht kurz vor unserem Treffer zum 2:1 selbst in Führung gegangenen ist, aber ehrlich gesagt hatte ich zu keinem Zeitpunkt Bammel, dass wir das Spiel nicht gewinnen würden.“

Überraschend wieder dabei war Torjäger Dominik Rummel. Seit dem 28. September schaute Rummel mit Ausnahme eines Kurzauftritts im Heimspiel gegen Hünfeld zu. Nun stand der 28-Jährige völlig überraschend sogar in der Startelf. „Seine bloße Anwesenheit hat uns geholfen. Durch ihn haben wir immer wieder Bälle festmachen können“, so Leon Pomnitz.

Rummel selbst erklärte sein überraschendes Comeback im letzten Spiel des Jahres so: „Es musste ja ob der Situation bei mir irgendwie gehen. Entsprechend war es auch egal, dass ich erst eine Woche mittrainiert habe“, stellte sich der Stürmer in den Dienst der Mannschaft. Auch Rummel lobte die Einstellung seines Teams: „Die positive Energie war bei jedem zu spüren. Wir waren aggressiv und wollten unbedingt das Spiel ziehen“, beschrieb der Angreifer die Leistung der Barockstadt.

Indes ist die Barockstadt der einzige Gegner, gegen den Erlensee den direkten Vergleich nicht gewonnen hat. „Gegen Neuhof hat jeder ein Mal gewonnen und ein Mal verloren, alle anderen direkten Vergleiche hatten wir vor dem Spiel gezogen“, so Coach Jochen Breideband.

Für alle Nostalgiker war es jedoch ein trauriger Tag. Denn die Partie gegen Erlensee war das letzte Spiel im Städtischen Stadion, so wie man bisher kennt. Bereits am heutigen Montag wird mit den Abrissarbeiten der beiden Stehtribüne hinter den Toren begonnen. In der Rückrunde werden also nur noch die Haupt-. und die Gegentribüne zur Verfügung stehen, die erst in einem späteren Bauabschnitt umgebaut und saniert werden.

Vielleicht war dies auch der Grund, warum sich so viele Groundhopper im Stadion einfanden. „Das war Wahnsinn“, so Sportmanager Sebastian Möller. „Das waren diesmal bestimmt 70 bis 80 Leute, die sich die Plätze anschauen. Die kamen aus Hamburg, Chemnitz, Halle, München und Ulm. Die Ulmer waren sogar zwei Stunden vor dem Spiel schon vor Ort und haben alles fotografiert. Es kommen ja immer etliche Groundhopper, aber diesmal war die Zahl ungewöhnlich hoch.“

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