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"Wir sind so blöd"

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Vorlagengeber und Torschütze: Zubayr Amiri hat Dreieich den Sieg beschert und Walldorf in die Abstiegsrunde geschickt. Foto: Charlie Rolff
Vorlagengeber und Torschütze: Zubayr Amiri hat Dreieich den Sieg beschert und Walldorf in die Abstiegsrunde geschickt. © Charlie Rolff

Rot-Weiss Walldorf hätte aufgrund der Konstallationen auf den anderen Plätzen bereits ein Punkt gelangt, um in die Aufstiegsrunde der Hessenliga einzuziehen. Doch im Derby gegen Dreieich setzte es nach Führung eine 1:2 (1:2)-Pleite, die den Dreieichern nun zwölf Punkte für die Aufstiegsrunde und somit eine gute Ausgangsposition bescheren, während Dietkirchen statt Walldorf den Play-off-Platz einnimmt.

Wie sich Walldorf selbst aus dem Spiel nahm, war unnötig und beinahe unfassbar: Der eigene Verteidiger Maximilian Thomasberger blieb verletzt mitten in der eigenen Hälfte liegen, die eigenen Mannen spielten weiter und verloren im vorderen Spieldrittel den Ball. Und weil Walldorf selbst nicht das Leder ins Aus spielte, sah sich der Gast ebenfalls nicht dazu genötigt und konterte blitzschnell, was durch den am Boden kauernden Thomasberger deutlich vereinfacht wurde, denn der hob das Abseits auf. Letztlich besorgte der aufgerückte Kapitän und Abwehrchef Denis Streker auf Zuspiel von Mittelstürmer Zubayr Amiri den Ausgleich (39.).

Während sich der Zorn der Walldorfer Spieler bei dieser wohl spielentscheidenden Szene auf den unschuldigen Schiedsrichter Frederik Angermaier richtete, hatte Walldorfs Trainer Artur Lemm die "Schuldigen" selbst noch in dieser Szene benannt: "Wir sind so blöd. Spielt doch einfach den Ball ins Aus", brüllte er lautstark für alle 400 Zuschauer gut hörbar über die Sportanlage – und er schob hinterher, "dass wir hier 2:0 führen müssen". Recht hatte er mit beidem – nutzen sollte es nichts. Fünf Minuten später hatte Dreieich das Spiel gedreht. Daniel Dejanovic und Toni Reljic hatten sich glänzend durch das Zentrum kombiniert und somit Torjäger Amiri den Abschluss leicht gemacht. Durchgang zwei war ein reines Nervenspiel: Walldorf versuchte alles, doch es gelang wenig. Und Dreieich spielte seine Kontermöglichkeiten unzureichend zu Ende.

Und Walldorf hätte ohne den Fauxpas vor dem Ausgleich beste Aktien gehalten, um die Play-offs klarzumachen. Denn wie Lemms Mannen 38 Minuten lang aufgetreten waren, war spitzenklasse. Walldorf hatte das 3-4-3 des Gegners gespiegelt und ließ sich damit auf ein Spiel mit dem Feuer ein, verteidigte oft Mann gegen Mann. Aber: dank extrem gutem Positionsspiel, hohem Pressing und leidenschaftlicher Laufleistung war Walldorf schlichtweg besser. Der Führungstreffer schon nach elf Minuten war sinnbildlich: schneller Ballgewinn, schnörkelloser Abschluss durch Simon Geisler (11.). Und Timo Kunert (15.), erneut Geisler (27.) oder in einer brandheißen Situation nach einer Ecke (23.) hätte das 2:0 fallen können. Dreieich wurde hingegen nie gefährlich – bis zum Ausgleich. Der sich als entscheidend erwies.

Die Statistik:

SV Rot-Weiß Walldorf: Darmstädter; Herberg, Matheisen, Thomasberger – Borger, Kunert, Ludwig (64. Deumlich), Dogan (59. Eichfelder) – Vogt, Geisler (72. Kremer), Struwe.
SC Hessen Dreieich: Hosainie; Mouhaman, Steker, Wachs – Alempic, Dejanovic, Reljic (90. Klein), Mladenovic – Schnitzer (64. Burggraf), Amiri, Lagator (74. Alikhil).
Schiedsrichter: Frederik Angermaier (SV Oberselters).
Zuschauer: 400.
Tore: 1:0 Simon Geisler (11.), 1:1 Denis Streker (39.), 1:2 Zubayr Amiri (44.).

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