Unterhauner im Interview

24.10.2018

Bundesliga scheint für Daniel Hanslik Frage der Zeit

Daniel Hanslik (rechts) musste sich am vergangenen Spieltag unter anderem mit Ex-Nationalspieler Christian Schulz auseinandersetzen setzen – und gewann 1:0. Foto: Regios24

Daniel Hanslik sorgt in der Regionalliga für Furore. Der 22-Jährige führt mit zwölf Treffern die Schützenliste an, sein Verein, die U23 des VfL Wolfsburg, das Klassement. Der gebürtige Unterhauner, der in Osthessen für den JFV Bad Hersfeld, den SVA Bad Hersfeld und zuletzt für den SV Steinbach gespielt hat, schickt sich mehr und mehr an, im Profigeschäft richtig durchzustarten.

Hast Du die Meldungen um den Elterser Moritz Reinhard verfolgt, der einen ähnlichen Weg wie Du anstreben könnte?

Ja, und ich freue mich für ihn. Ich habe ihn zwar nie live spielen gesehen, aber in den Torgranate-Videos festgestellt, dass er sehr viel Potenzial und eine enorme Durchschlagskraft besitzt. Ihm kann der Sprung aus der Ferne betrachtet sicherlich gelingen.

Würdest Du ihm zu einem Wechsel raten?

Wenn er die Chance bekommt, sollte er sie auf jeden Fall nutzen. Er hat doch nichts zu verlieren. Es ist schön zu sehen, dass gerade in unserer Region für Spieler auf dem zweiten Bildungsweg doch noch die Möglichkeit gegeben ist, im Profifußball Fuß zu fassen.

Kannst Du Vor- und Nachteile ohne die Ausbildung in einem Nachwuchsleistungszentrum benennen?

Die Ausbildung in einem Bundesligaverein ist heutzutage einfach so gut, dass die Jungs von kleinauf bei jeder Kleinigkeit Unterstützung erfahren. Die größte Lücke liegt für uns im technischen Bereich. Der Vorteil ist, dass wir das Leben ganz anders kennenlernen durften. Wir schätzen den Zeitfaktor ganz anders. Moritz hat studiert und nebenbei sicherlich auch gearbeitet, ich habe die Ausbildung bei der Polizei begonnen. Vom Charakter sind wir vielleicht deswegen verbissener und ehrgeiziger, wollen die Chance unbedingt wahrnehmen und wissen, was auf dem Spiel steht. Wir können besser einschätzen, welche Vorteile wir genießen, wenn wir das Recht besitzen, von Berufswegen Fußballer zu sein.

In Deinem letzten Interview mit uns sprachst Du das körperliche Loch nach der Ankunft in Wolfsburg an – unter anderem hattest du die Ernährung umgestellt. Ist die Eingewöhnungsphase mittlerweile völlig abgeschlossen?

Am Anfang ist die Umstellung deutlich spürbar. Und bei jedem ist die Dauer individuell, auch davon abhängig, wie viel man investieren möchte. Du musst wissen, was du willst und dir genaue Ziele setzen. Inzwischen hat sich der Körper an die Anforderungen gewöhnt, der Kopf war schon immer da. Ich bin in einen Rhythmus gekommen, habe eine gewisse Routine für meinen Tagesablauf entwickelt. Man lernt von den anderen Spielern, versucht sich die richtigen Sachen abzuschauen und daraus sein eigenes Ding zu machen.

Dein eigenes Ding ist aktuell das Toreschießen. Du triffst beinahe, wie Du willst. Ist das mehr, als Du dir vorher erträumt hätten?

Zunächst wollte ich schauen, ob ich überhaupt vom Niveau und der Spielgeschwindigkeit her mithalten kann. Ich konnte mich von Monat zu Monat weiterentwickeln, habe immer mehr Spielzeit erhalten. Und gerade in der Rückrunde, die für mich persönlich mit acht Toren und acht Vorlagen erfolgreich verlief, habe ich gesehen, dass noch mehr Potenzial vorhanden ist, was ich nutzen und aufs Feld bringen muss. Ich habe gerade in der Sommerpause versucht, meine Schwächen zu reduzieren und gezielt zu trainieren – und aktuell läuft es noch besser. Aber da darf ich mich nicht ausruhen, sondern muss eher immer noch einen Tick drauflegen.

An welchen Schwächen hast Du speziell gearbeitet?

Ich hatte noch ein paar technische Defizite, die ich nach und nach ablege. Außerdem habe ich am Antritt und der Beweglichkeit in der Hüfte gearbeitet, um noch wendiger zu werden. Alles Sachen, die man im Internat von kleinauf mitbekommt, bei mir aber noch gefehlt haben und teilweise fehlen. Aber ich befinde mich auf einem sehr guten Weg.

Genau wie die Mannschaft. Ist die Dritte Liga, in der aktuell keine U23 vertreten ist, das erklärte Ziel?

Vor der Saison haben wir uns vorgenommen, solange und so gut wie möglich oben mitzuspielen. Dass es so gut läuft, ist umso schöner, weil wir ein sehr, sehr junges Team sind und daher die Konstanz, die wir an den Tag legen, schon beeindruckt. Das Entscheidende für persönlichen wie mannschaftlichen Erfolg ist aber, dass sich jeder Spieler anbieten möchte, in jedem Training 110 Prozent gibt, so jeder den anderen hochpusht und sich und ihm alles abverlangt. Deswegen sind wir ein sehr gutes Team als Mannschaft, was sich auf dem Platz widerspiegelt.

Wie man hört, durftest Du hier und da auch schon Trainingsluft bei den Bundesliga-Profis schnuppern…

Ja, ich durfte schon ein paar Mal unter Bruno Labbadia trainieren – auch schon in der vergangenen Rückrunde. Aber das ist nichts Festes, sondern eher ein Hin und Her. Das Niveau ist oben natürlich noch einmal höher, alles einen Tick schneller und gleichzeitig werden weniger Fehler produziert. Mir gefällt es natürlich, wenn ich oben mittrainieren darf. Das ist ein Privileg, das bringt mich weiter, das zeigt mir auf, wo ich hinkommen möchte und was ich dafür verbessern muss.

Und wie weit entfernt ist die Bundesliga noch?

Das kann ich nicht genau definieren. Ich muss meine Leistungen in der Mannschaft bringen, in der ich spiele – und das ist die U23. Und ob der Sprung hier in Wolfsburg vielleicht schon diese Saison gelingt oder auch nächste, das weiß ich nicht. Ich kann nicht genau sagen, wo mein Weg hinführt und mache mir da auch keinen unnötigen Druck. Am Ende entscheide nicht ich persönlich, sonst hätte ich am Wochenende gegen Bayern im Kader gestanden (lacht). Entscheidend sind meine Leistungen und andere Entscheidungsträger.