B-Liga Fulda/Rhön: Lothar Fischer äußert sich zu seiner Entlassung in Neuswarts

14.09.2018

„Menschlich hat das eine tiefe Wunde in mir hinterlassen“

Stellt sich als Kapitän vor die Mannschaft: Kilian Kirchner (links). Foto: Ralph Kraus

Es war die Überraschung in der vergangenen Woche. Die Spvgg. Neuswarts und Lothar Fischer beendeten nach fünf Jahren die Zusammenarbeit. Nun äußert sich der ehemalige Trainer zu seiner Entlassung.

„Diese menschliche Enttäuschung, welche ich an diesem Abend erlebt habe, hat eine tiefe Wunde in mir hinterlassen“, muss Lothar Fischer eingestehen und spricht mit dieser Aussage den Mittwochabend seiner Entlassung an. Fischer, der fünf Jahre lang das Sagen an der Seitenlinie bei der Spielvereinigung hatte und nun durch Julian Kirchner ersetzt wurde, ringt immer noch etwas nach Worten, wenn er davon spricht. Angefangen hat alles mit dem Heimspiel vor zwei Wochen gegen den SC Wiesen. „Ich hatte das Gefühl, dass das Spiel von einem Teil der Mannschaft hergeschenkt worden war, da ich einen Spieler aufgestellt habe, der nicht erwünscht war. Wir haben im Endeffekt in der letzten Minute 4:3 verloren. Das Ergebnis ist aber nebensächlich, wenn man im Laufe des Spieles als Trainer bemerkt, dass nicht mit dem neu eingesetzten Spieler, sondern gegen ihn gearbeitet wird.“

Bereits am Abend nach dem Spiel fand eine interne Spielersitzung statt, ohne Fischer, der aber davon wusste. „Am Mittwochmorgen wurde ich informiert, dass wir uns abends treffen würden um die aufkommenden Punkte zu besprechen. Mir wurde eine Liste vorgelesen mit Punkten, die der Mannschaft im Argen liegen würden. Nachdem ich versucht habe, meine Sicht der Dinge zu erläutern und auch bereit war, Kompromisse einzugehen, merkte ich schnell, dass eigentlich bereits feststand, dass ich nicht weiter Trainer sein werde“, meint Fischer. „Die erste Mannschaft hatte schon einen Nachfolger meiner Person bestimmt und ging mich anschließend in übelster Weise mit haltlosen Vorwürfen an. Aus diesem Grund habe ich die Sitzung verlassen“, sagt Fischer weiter, der zudem anmerkt, dass der Vorstand vorab keinerlei Informationen erhalten habe, um was es in der Sitzung gehen würde.

Am späteren Abend wurde der 50-Jährige vom Vorstand per Telefonanruf über seine Entlassung informiert. „Wenn ich dieser nicht nachgekommen wäre, würde die erste Mannschaft den Spielbetrieb einstellen“, so der Ex-Trainer, der anfügt, „dass es nach fünf gemeinsamen Jahren völlig normal ist, dass sich die eine oder andere Sache eingeschlichen hat. Weshalb hat sich die Mannschaft dann nicht früher beim Vorstand gemeldet? Man hätte sich viel eher zusammensetzen und Lösungen finden können.“ Nach dem Abstieg in die C-Liga übernahm Fischer in der Saison 2013/2014 das Ruder im Tanner Ortsteil und führte den Verein 2016 mit der gewonnen Meisterschaft zurück in die B-Liga Fulda/Rhön. Wie es mit seinem Sohn Patrick, der ebenfalls zum Kader der ersten Mannschaft gehört, weitergeht, ist unklar. Nach dem Trainerwechsel spielte der 22-Jährige vorerst für die Reserve.

"Die Mannschaft steht sportlich hinter dieser Entscheidung"

Der Kapitän der Spvgg. Neuswarts, Kilian Kirchner, stellt sich derweil schützend vor die Mannschaft und betont, „dass die Mannschaft, wie sie aktuell spielt, hinter dieser Entscheidung steht. Wir sind sportlich davon überzeugt. Wir wissen aber auch, dass dies menschlich gesehen nicht der sauberste Weg war.“ Der 25-Jährige spricht in erster Linie von Emotionen der Spieler, die der ausschlaggebende Grund waren. „Schlussendlich wurde die Mannschaft nicht mehr so erreicht, wie es vielleicht sein muss. Es wurde insgesamt zu lange nicht miteinander gesprochen und Sachen nicht offen gesagt, auch von mannschaftlicher Seite“, so Kirchner, der auf die Problematik mit dem neu eingesetzten Spieler meint, „dass man dies schon so sehen kann“. Er als Kapitän habe sich in den Dienst der Mannschaft gestellt. „Wir hatten in den vergangenen fünf Jahren mit Lothar Fischer auch viele Erfolge. Deshalb ist es schade, wie es nun auseinander geht.“