Hendrik Hilpert legt die Handschuhe beiseite

31.10.2018

Mit viel Demut und zu großem Dank verpflichtet

Hendrik Hilpert will in den kommenden Wochen das Maximum aus den Play-Offs herausholen. Foto: Syracuse Athletics

Im April wurde Hendrik Hilpert „Athlete of the year“ seiner Universität. Neulich kürte der US-Sport-Sender ESPN eine herausragende Parade des gebürtigen Eiterfelders zum „Number-1-Play“ des Wochenendes. Als Kapitän seines Uni-Teams spielt er in den kommenden Wochen um die amerikanische College-Meisterschaft. Und doch wird der 23-Jährige alsbald den Fußball hinter sich lassen. Aus guten Gründen, wie er im Gespräch verrät.

Mit elf Jahren verließ Hendrik Hilpert die Heimat und zog ins Jugendinternat nach Jena. Nach zwei Jahren folgte der nächste Karriereschritt hin zur Hoffenheimer TSG, dort wohnte er Tür an Tür mit Niklas Süle und spielte gemeinsam mit Davie Selke. Ab 2013 versuchte sich Hilpert – nicht von allzu viel Erfolg gekrönt – bei Eintracht Braunschweig und entschied sich auch deshalb im Sommer 2015, das angebotene Stipendium der Syracuse University (US-Bundesstaat New York) anzunehmen. Fortan konnte er Fußball und Studium parallel auf hohem Niveau ausüben. Und so schnell wird er die USA auch nicht mehr verlassen, denn nach seinem BWL-Studienabschluss mit dem Schwerpunkt Finanzen wird er ein Jobangebot der größten Bank der Welt, der Citibank in New York, annehmen. Hilpert hätte auch weiterhin Fußball spielen können, vielleicht hätte ihn ein MLS-Club schon längst gedraftet, wenn er dies denn auch gewollt hätte. Er will nicht.

Die Entscheidung bedeutet gleichzeitig, dass mit dem aktiven Fußball Schluss sein wird, denn ein Breitensportangebot mit Amateurligen wie hierzulande ist in den USA nicht vorgesehen. "Der Fußball wird immer ein Teil von mir sein. Er hat mir so viel gegeben, dass ich ihn nie hinter mir lassen kann“, schickt Hilpert voraus. Und er lässt Sätze folgen, die für sich sprechen: „Das Wissen, dass ich über Finanzen erlangt habe, kann sich jeder aneignen, der sich bei Amazon die entsprechenden Bücher bestellt. Doch die Erfahrungen auf dem Feld musst du selbst erleben.“ Mit 16 sagte ihm der Nationaltrainer, dass er ihn aufgrund seiner Körpergröße nicht wolle, mit 20 stellte er fest, dass es für eine Karriere im deutschen Profifußball nicht reichen würde. Er brach mit dem Gedanken in die USA auf, es nicht geschafft zu haben. Gescheitert zu sein.

Die Tore der Finanzhauptstadt stehen Hilpert offen

Hendrik Hilpert wurde im April eine besondere Ehre zuteil.

„Doch wenn ich meinem 16-jährigen Ich jetzt noch einmal etwas sagen dürfte, dann dass du, wenn du dein Sportlerleben auf dem Weg zum Profi bewusst lebst, niemals scheitern kannst.“ Seine Sätze klingen wie die eines weisen Mannes, der gelernt hat Niederschläge wegzustecken und aus ihnen Kraft zu schöpfen. Die Worte des damaligen Nationaltrainers hätten ihn nur einmal zerstört. Er habe gelernt, dass ihm Menschen bei allem Talent sagen, dass er für gewisse Dinge aus Gründen, die nicht immer beeinflussbar sind, nicht gut genug sei. Deswegen hat Hilpert keine Angst mehr, Druck verspürt er auch auf dem Fußballfeld nicht. Wenn dieser Tage die Play-Off-Spiele anstehen, stelle er sich vielmehr vor, wie er am Ende Siegerpokal in die Höhe strecke. Hilpert strebt das Maximum an.

Einmal stand er in seiner nun fast vierjährigen Zeit in Syracuse schon im landesweiten Final-Four, im gleichen Jahr gewann er den prestigeträchtigen Conference-Titel. Mitspieler wie Julian Büscher schafften den Sprung in die MLS, Hilpert hingegen schenkte immer auch dem Studium volle Aufmerksamkeit. Als er im April auf die Bühne gebeten wurde, um den ehrenhaften Preis entgegenzunehmen, sagte er, dass es ein Privileg sei, auf so hohem Niveau Sport und Studium vereinen zu können. Mit viel Demut und zu großem Dank verpflichtet.

Kurz später verbrachte er den Sommer zum zweiten Mal nicht in Deutschland, sondern absolvierte abermals ein Praktikum bei der Citibank, die im kommenden Jahr sein Arbeitgeber werden soll. Im Gegensatz zu Deutschland sind Sportler gern gesehene Bewerber für Jobs mit Führungsanspruch. Teamplayer zu sein und sich hohe Ziele zu setzen seien Skills, die man eben nicht in der Schule lernen könne. Hilpert bringt sie mit. Und so macht er aus seinem herausragenden, aber doch nicht überirdischen Torwarttalent das Beste: schon jetzt unvergessene Erfahrungen auf dem Fußballplatz und mit 23 Jahren eine herausragende Ausbildung in der Tasche, die ihm Tür und Tor in der Finanzhauptstadt weit geöffnet haben.