Borussias ehemaliger Sportdirektor hat zweiten Wohnsitz in der Barockstadt

03.07.2015

Ross Shtyn im Interview: „Fulda hat einen ganz eigenen Charakter“

Ross Shtyn pflegt den Kontakt in die Barockstadt. Foto: Ralph Kraus

Er war eine der schillerndsten Figuren, die die hiesige Fußballszene in den vergangenen 15 Jahren zu bieten hatte. Über kaum eine andere Person als über Ross Shtyn gingen die Meinungen so weit auseinander. Der 58-Jährige hat Fulda mittlerweile als Geschäftssitz gewählt und schaut kritisch, aber auch zufrieden zurück.

Sie sind eigentlich auf der ganzen Welt zu Hause, aber in letzter Zeit trifft man Sie wieder häufiger in Fulda. Warum ist das so?

Weil ich Fulda mag, und das meine ich ganz ehrlich. Fulda hat einen ganz eigenen Charakter, eine wunderbare Kultur. Außerdem liegt die Stadt geografisch nahezu perfekt. Ob Berlin, Hamburg oder München – Fulda liegt immer in der Mitte, was für jemanden wie mich, der ständig unterwegs ist, unheimlich viele Vorteile hat.

Was machen Sie jetzt beruflich?

Ich bin seit 2011 im Consulting-Bereich tätig. Wir bereiten gerade den Start eines neuen Unternehmens vor. Wir sind da momentan in der Entwicklungsphase.

Früher waren Sie in der Musikbranche tätig, dann kam ihr Engagement bei Borussia Fulda. Wie ging es danach weiter?

Musik war immer interessant für mich. Zwischendurch haben wir eine klassische CD mit Pianomusik produziert. Dazu habe ich gemeinsam mit einem Journalisten ein Drehbuch für einen Film geschrieben. Wer weiß, vielleicht wird der Film ja irgendwann mal wirklich gedreht. Momentan lässt es meine Zeit aber eher nicht zu, denn ich arbeite quasi 24 Stunden am Tag. Viel Freizeit habe ich nicht.

Sie hatten aber auch mit der EM 2012 in der Ukraine zu tun...

Richtig. Seit 2008 besitzen wir ein eigenes Stadionmodell, das zur EM 2012 in Lemberg hätte enstehen sollen. Da kam kurzfristig mit Alpine-Bau eine große Firma um die Ecke, und der Deal ist geplatzt. Es ist schon kurios: In dem Stadion ist die Europameisterschaft gespielt worden, und es wird immer noch regelmäßig darin gespielt, obwohl es bis heute noch immer keine Nutzungsgenehmigung gibt. Bei der UEFA ist es nicht anders als bei der FIFA. Vielleicht können wir aber doch unser Modell irgendwann verwirklichen.

Wie ist Ihr heutiger Bezug zum Fußball?

Privat verfolge ich das alles sehr genau. Sowohl im Profibereich, als auch hier in Fulda. Was bei Borussia gerade passiert, freut mich unendlich. Oft verstehen die Leute gar nicht, wie wichtig Fußball ist. Hier funktioniert die Kultur, aber auch die Integration. Das muss die Politik verstehen.

2003/2004 waren Sie bei Borussia Fulda tätig. Später ging der Verein in Insolvenz, was viele immer noch mit Ihrem Namen in Verbindung bringen. Ärgert Sie das?

Nein, denn ich weiß ja, dass ich nicht die Schuld hatte. Der Insolvenzantrag kam ja auch erst drei Jahre später. Im Gegenteil: Die Vision, in Fulda ein Internat zu gründen und die Zweite Liga anzustreben, war genau richtig. Wir waren damals nach dem gescheiterten Aufstieg mit Großsponsoren im Gespräch. Als wir aber die Lizenz nicht bekommen haben, war es unmöglich, noch einen großen Geldgeber zu bekommen.

Was ist damals falsch gelaufen?

Wir hatten zuletzt verschiedene Ziele. Da war ich mit meinen Versionen, und daneben der Vorstand, dessen berechtigte Aufgabe es war, den Verein in jeder Beziehung in einem ruhigen Fahrwasser zu halten. Vielleicht war ich damals noch zu emotional. Aber ich habe heute noch Kontakt zu Hans-Dieter Alt.Wir hatten zuletzt verschiedene Ziele. Da war ich mit meinen Versionen, und daneben der Vorstand, dessen berechtigte Aufgabe es war, den Verein in jeder Beziehung in einem ruhigen Fahrwasser zu halten. Vielleicht war ich damals noch zu emotional. Aber ich habe heute noch Kontakt zu Hans-Dieter Alt.

Und auch zu Ihren ehemaligen Spielern und Trainern wie Andrzej Rudy oder Jean-Paul Ndjoumeck?

Mit Andrzej habe ich vor ein paar Tagen telefoniert, aber ansonsten sind die Kontakte alle eingeschlafen.

Könnten Sie sich vorstellen, mal wieder in irgendeiner Funktion im osthessischen Fußball tätig zu sein?

Da müsste der Zeitpunkt stimmen. Momentan geht das überhaupt nicht und ich bin ja auch schon 58. Wenn Konzept und Zeitpunkt passen, dann würde ich nie nie sagen. Aber ohne Spaß und Überzeugung niemals.

Früher hieß es immer, Sie hätten einen direkten Draht zu Roman Abramowitsch vom FC Chelsea. Was ist da dran?

Mit Rinat Achmetow hatte ich guten Kontakt und der kennt natürlich Abramowitsch. Alles andere sind Gerüchte. Das kam daher, dass ich ja früher Trainer Nevio Scala beraten habe und ihm 2002 als erstem westlichen Trainer bei Schachtjor Donezk einen Vertrag besorgt habe. / kr

Auch interessant

  • A-Liga Fulda: Germania 3:1 gegen Borussia
    Masic entscheidet Prestigederby
  • A-Liga-Stadtderby am Gallasiniring
    Video: Germania schlägt Borussia Fulda