Mario Gerstung (links) plauderte mit Torgranate-Redakteur Tobias Konrad bei einem Glühwein. Foto: TG
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Mario Gerstung (links) plauderte mit Torgranate-Redakteur Tobias Konrad bei einem Glühwein.

Als "Ossi" mit Borussia in der Regionalliga

Bei Borussia Fulda sammelte Mario Gerstung (41) Erfahrungen in der Regionalliga. Doch nicht nur deswegen beschreibt er jene Zeit als die schönste in seiner Laufbahn. Bei einem Glühwein haben wir mit dem ehemaligen Torhüter über alte Zeiten geplaudert.

Als junger Spieler bist du zu Borussia Fulda gekommen und hast einige Jahre dort verlebt. Welche Erinnerungen kommen beim Rückblick auf?

Auf eine bestimmte Anekdote lässt sich das nicht herunterbrechen. Bereits mit meinem Wechsel ging es los. Aus dem kleinen Geisa kam ich Mitte der Neunzigerjahre als einer von zwei Ossis nach Fulda in den Jugendbereich. Auf der einen Seite habe ich Sprüche aus Geisa bekommen, weshalb ich denn rüber wechsle und auf der anderen Seite wurde ich in Fulda gefragt, was ich denn hier will. Alles war Neuland, für mich aber stand von Beginn an fest, dass ich mich durchsetzen muss. Ich musste hart an mir arbeiten. Die A-Jugend war in etwa eine Bezirksauswahl, später durfte ich in der Hessenauswahl agieren, als Juniorenspieler unter Klaus Dörner bei den Senioren mittrainieren und dann sogar bei Spielen auf der Bank sitzen. Das war als junger Spieler Wahnsinn. Ein erstes Highlight war, als der etatmäßige Torhüter César Thier im Heimaturlaub in Brasilien weilte und wir ein Sponsorenspiel gegen die Eintracht hatten. Eineinhalb Jahre zuvor spielte ich noch am Dorf, nun waren 4000 Zuschauer Stadion und ich auf dem Rasen.

Die ersten Minuten in der Regionalliga waren sicher ein Traum?

Gegen den VfR Aalen bekam César Rot und ich als 19-Jähriger musste die letzte halbe Stunde ins Tor. Leider verletzte ich mich in der Woche darauf im Training und es blieb bei einem Einsatz. Wir stiegen ab und direkt wieder auf. Diesmal war Roland Borrmann die Nummer eins, der sich im Saisonverlauf verletzte. Die letzten acht Spiele durfte ich noch mal ran. Beim Rückblick auf Spiele wie gegen Bayern II pocht das Herz schneller. Jungs wie Philipp Lahm, Zvjezdan Misimovic oder Stefan Wessels waren dabei, später ging es noch gegen Kaiserslautern II und Tim Wiese. Die Zeit in Fulda mit den vielen Geschichten war die schönste in meiner Laufbahn. Bis vor einem Jahr konnte ich noch bei der Traditionsmannschaft mitwirken, durch meinen beruflichen Wechsel nach Kassel bleibt dafür aktuell leider keine Zeit. Schade, denn alte Weggefährten wie Francisco Martinez, Eldar Hasic, Jörg Meinhardt, Marc Diegmüller und allen anderen vermisse ich.

Es folgten Stationen in Lehnerz, Ausbach und Hünfeld.

Jeder Verein hatte seinen Charme und kam zur passenden Zeit. Zu Zeiten bei Borussia ging ich noch zur Schule und konnte den Fokus auf Fußball legen, während ich in Lehnerz die ersten Schritte in der Arbeitswelt machte und noch auf einem guten Niveau spielen konnte. Zu Ausbach-Zeiten machte ich eine berufliche Weiterbildung. Zum Schluss bei Hünfeld wollte ich es noch mal wissen, war Ende 20 und fand ein gutes Umfeld vor. Der HSV steht für Miteinander, ob ich dann in der Oberliga-Elf oder der Zweiten spielte, war egal.

Mit 31 Jahren war zeitig Schluss. Doch dieser Schlussstrich war nicht endgültig.

Ich baute das Haus um und beruflich hat sich etwas gedreht. Anfangs stand ich noch als Stand-by-Spieler zur Verfügung. Als Dominik Weber das Traineramt übernahm, war ich ein Jahr Torwarttrainer. 2014 kehrte mehr Ruhe ein. Durch meine Verbundenheit zum SV Lahrbach half ich vor vier Jahren allerdings in der Rückrunde aus. Seitdem mache ich freitags das Torwarttraining bei der SG Ulstertal. Das ist mein Ausgleich zur Arbeit. Die Strecke von meinem Wohnort Eiterfeld nehme ich gerne auf mich.

Sieht man dich künftig mal als Trainer?

Als hauptamtlicher nicht. Wenn, würde ich als Torwarttrainer mitwirken. Dafür muss die berufliche Situation passen. Auf einem guten Niveau reicht ein Training in der Woche nicht aus. Vielleicht kann ich meinem Sohn die Fußballaffinität mitgeben und es entwickelt sich daraus ein Weg.

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