1. torgranate
  2. News

„Die Erfahrung in Katar war sensationell“

Erstellt:

Von: Steffen Kollmann

Damir Agovic mit Winfried Schäfer
Damir Agovic (links) trainierte beim Al-Khor SC an der Seite von Trainerlegende Winfried Schäfer. © privat

Damir Agovic geht den nächsten Schritt in seiner Trainerlaufbahn. Der 32-Jährige aus Steinau an der Straße kehrt nach einem halben Jahr im WM-Austragungsland Katar zu seinem früheren Verein Eintracht Frankfurt zurück.

Vor gut neun Monaten brach Damir Agovic zu einem Abenteuer auf. Statt weiter die U19 von Energie Cottbus in der A-Junioren-Bundesliga zu trainieren, entschloss er sich, mal etwas ganz anderes zu machen. Und unterschrieb beim Al-Khor SC. Wüste statt Lausitz. Katar statt Deutschland.

Den Kontakt in das Land des WM-Gastgebers stellte eine Trainerlegende her. Winfried Schäfer, früherer Europapokal-Coach des Karlsruher SC, überzeugte Agovic von einem Wechsel nach Katar. Ursprünglich sollte der 32-Jährige bei Schäfers Verein Al-Khor die Reserve trainieren, schnell kam das Amt des Co-Trainers hinzu. „Ich wollte unbedingt mit Winnie zusammenarbeiten. Jeder kennt ihn, er hat so viel Erfahrung gesammelt“, schwärmt Agovic vom 72-Jährigen. Doch schneller als erwartet ging die Zeit zu Ende. Nach neun Spielen ohne Sieg trennte sich das neue Präsidium des katarischen Erstligisten im November vergangenen Jahres von seinem Trainer.

Damir Agovic lernte Fußball-Legenden Xavi und Laurent Blanc kennen

„Die neuen Verantwortlichen haben alles auf den Kopf gestellt, es ging um Macht. Mit Winnie wurde mir meine Bezugsperson genommen. Daraufhin war für mich klar, dass ich dort nicht weiterarbeiten werde“, erklärt Agovic. Bis Januar machte der gebürtige Montenegriner weiter, ehe es ihn zurück nach Deutschland zog. Die Zeit in Katar möchte er aber nicht missen: „Die Erfahrung war sensationell. Es wird ständig gebaut, es sprießen quasi über Nacht Hotels oder Fußballplätze aus der Wüste. Generell ist die Lebensqualität sehr hoch“, sagt Agovic, der Fußballgrößen wie den heutigen Barcelona-Trainer Xavi oder den französischen Weltmeister Laurent Blanc, die ebenfalls in Katar als Trainer tätig waren, kennenlernen durfte.

Fußballerisch gibt es in der Liga des WM-Gastgebers aber Nachholbedarf. Agovic vergleicht das Niveau der meisten Mannschaften mit hiesigen Regionalligisten, auch deshalb, weil jeder Verein nur fünf Ausländer in seinen Reihen haben darf. Bei Al-Khor waren das unter anderem der ehemalige Hamburger Pierre-Michel Lasogga sowie der frühere Mainzer, Wolfsburger und Augsburger Ja-cheol Koo. Als Tabellenletzter musste der Verein am Ende der Saison den Gang in die zweite Liga antreten.

Es sprießen quasi über Nacht Hotels oder Fußballplätze aus der Wüste. 

Damir Agovic

Da war Damir Agovic schon wieder bei seiner Familie in Bad Soden-Salmünster. Relativ früh war für den Fußballlehrer klar, dass sein Weg zurück nach Deutschland in den Jugendfußball führen würde. Bei Vereinen wie Ajax Amsterdam und Sporting Lissabon, die über eine starke Nachwuchsakademie verfügen, informierte sich Agovic über deren Philosophie und bereitete sich so bestmöglich auf seinen künftigen Job vor. Bei Eintracht Frankfurt – für die SGE spielte er selbst jahrelang in der Jugend und trainierte später die U15 – wird er künftig die U19 in der A-Junioren-Bundesliga trainieren. Er folgt auf Ex-Bundesliga-Trainer und -Spieler Jürgen Kramny.

Damir Agovic mit Barcelona-Trainer Xavi
Agovic mit Barca-Trainer Xavi, der vor seiner Zeit bei den Katalanen in der ersten katarischen Liga trainierte. © privat

„Eine sehr lukrative Stelle mit vielen Bewerbern“, weiß Agovic, der erst nach sechs, sieben Gesprächen ins neue Amt gehievt wurde. Bis ins Detail wurden die gegenseitigen Vorstellungen skizziert. Nach einem starken dritten Platz in der abgelaufenen Saison gehe es für die SGE unter der neuen Führung um Sportvorstand Markus Krösche darum, wieder mehr Talente aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum, die aus der Umgebung stammen, in die Frankfurter Profimannschaft zu integrieren.

Mithelfen soll dabei auch die neugegründete U23, die ab Sommer in der Hessenliga an den Start gehen wird. „Markus Krösche hat zu mir gesagt, dass er einen Jugendtrainer nicht nach seinen Ergebnissen misst, sondern daran, wie gut sich ein Spieler in welcher Phase entwickelt. Für mich passt bei dieser Aufgabe einfach alles, das Gesamtpaket ist perfekt. Zumal ich nicht mehr pendeln oder reisen muss“, betont Agovic.

Auch interessant