Foto: imago images/Jan Huebner
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Foto: imago images/Jan Huebner

Das Vorbild macht Schluss und geht zum DFB

Die bekannteste osthessische Fußballerin ist gleichzeitig die leiderfahrenste. Nun hat Theresa Panfil ihre Schuhe an den Nagel gehängt. Mit 26. Die Entscheidung ist wohlüberlegt. Der Plan B steht. Vorerst.

Wer bei Google nach Bildern von Theresa Panfil sucht, findet unzählige. Hat sie der Fotograf im Spiel erwischt, wirkt sie fokussiert. Posiert sie für ein gestelltes Foto, erstrahlt ihr Lächeln. Nie gezwungen, stets aus dem Herzen heraus. Selbst bei den Impressionen im Krankenbett, auf Krücken am Rande des Spielfelds oder während ihrer Rehamaßnahmen.

Diesmal, nach Abschluss der letzten Reha, hat sie eine Entscheidung getroffen. Mit Bundesligist Werder Bremen löste sie kurz vor Weihnachten ihren Vertrag auf und verkündete nun ihr Karriereende. Ganz dem Zeitgeist passend mit einem Beitrag auf ihrer Instagram-Seite.

Der Beitrag dort ist fast so ausufernd wie dieser Text. Sehr aufgeräumt, sehr dankbar, sehr emotional. Wie es dem Mensch Theresa Panfil gerecht wird. Die Reaktionen auf ihr Statement ließen nicht lange warten, so schrieb die deutsche Nationalspielerin Sophia Kleinherne: „Eine tolle Sportlerin und ein noch tollerer Mensch verlässt die Bühne. Ich bin froh deine Karriere begleitet zu haben! Eine der inspirierendsten Persönlichkeiten, die ich kenne.“

Als Inspiration darf Theresa Panfil tatsächlich gelten. In vielerlei Hinsicht. Denn wie sie mit ihren unzähligen gesundheitlichen Rückschlägen umgegangen ist, sucht ihresgleichen. Immer wieder durchschritt sie tiefe Täler, musste den Fokus neu setzen, wieder kämpfen. Tränen verbarg sie nie. Die gehören dazu. Zweifel auch. Doch sie vermittelte stets positive Lebensfreude, ging nie vom schlechtesten, sondern immer vom besten Fall aus. Eine Kämpferin mit einem riesigen Löwenherz.

"Eine großartige Sportlerin und Person verlässt die große Bühne" – Eintracht Frankfurt via Instagram

Nun hat sie einen Kampf beendet. Manche würden behaupten, sie hätte den Kampf verloren. Aber sie hat ihn gewonnen. Deutlich sogar. Selbstbestimmt hat sie ihre Karriere beendet. Niemand musste ihr sagen, dass es nicht mehr langt. Darauf ist und darf sie sein. Dafür hat sie in den vergangenen Stunden unzählige Respektsbekundungen von Wegbegleitern erhalten.

Panfil blickt beseelt und glücklich zurück. Früh habe sie sich in den Fußball verliebt, verliebt in den Kampf, die Hingabe, in Tränen und Glücksmomente, das Adrenalin, das beim Betreten des Platzes durch den Körper schießt und den Antrieb, sich ständig verbessern zu wollen. Das Spielfeld sei der Ort, an dem sie zur gleichen Zeit Schmerz, Freude und Zufriedenheit versprühte.

Bis zuletzt habe sie viel investiert, um ihren Körper an Belastungen heranzuführen, die für den Leistungssport elementar sind. Dieser fortwährende Kampf und die Suche nach Heilung brachten jedoch Ängste, Sorgen und einen stetig wachsenden Druck mit sich. Schließlich habe sie feststellen müssen, dass sie durch die Stressreaktionen des Körpers und die immer wieder auftretenden körperlichen Probleme den eigenen Ansprüchen, aber auch denen des Leistungssports auf allerhöchstem Niveau nicht mehr gerecht werden könne. Sie weiß, was sie ihrem Körper zumuten kann.

In den vergangenen Monaten hat sie ihren Fokus neu ausgerichtet. Vorbereitet ist dieser dank eines erfolgreichen Sport-Management-Studiums schon lange. Beim DFB ist Panfil seit dem 1. Dezember als Praktikantin tätig. Noch knapp fünf Monate blickt sie in den Bereich der Talentförderung hinein. Ihre Aufgabe ist es, die Konzepte des DFB an die Nachwuchsleistungszentren zu vermitteln. Der erste Eindruck – durchweg positiv. Doch festlegen mag sie sich für die Zukunft nicht. Sie freut sich auf das Neue. Mit einem Lächeln im Gesicht.

Ihre Karriere

Das Einmaleins des Fußballs erlernte Theresa Panfil beim Haimbacher SV und beim SVBuchonia Flieden, danach zeigte die Kurve lange nur nach oben. U17-Europameisterin, U20-Weltmeisterin. Für den FFC Frankfurt debütierte sie in der Bundesliga und nahm 2013 ein Angebot von Bayer Leverkusen an. Im Deutsch-Leistungskurs saß sie neben dem späteren Nationalspieler Benjamin Henrichs und besuchte die gleiche Schule wie Kai Havertz. Es lief: Während sie das Abitur ablegte, spielte sie Bundesliga für Bayer 04 Leverkusen.

2015 folgte die Rückkehr zum FFC – einem der besten Frauenteams der Welt. Doch nun begann die Leidenszeit: Dem ersten Kreuzbandriss folgte schnell ein zweiter. Fünf Operationen musste sich die hochveranlagte und als kommende A-Nationalspielerin gehandelte Offensivspielerin über sich ergehen lassen. Deswegen bestritt sie fünf (!) Jahre kein Bundesligaspiel von Beginn an. Doch der FFC ließ sie nicht hängen. Ab Mai 2020 sollte alles besser werden. Im ersten Spiel von Beginn an glänzte sie mit zwei Torvorlagen. Doch in Frankfurt, nun für die Eintracht, schaffte sie nicht mehr den Durchbruch. Sie war in erster Linie Ergänzungsspielerin und wagte im vergangenen Sommer den Schritt an die Weser. Doch bei Werder Bremen folgte die nächste schwere Knieverletzung. Im Training riss sie sich den Meniskus. Die Krücken ist sie nun wieder los – und doch traf sie nun als 26-Jährige die Entscheidung, ihrem Lebensweg eine andere Richtung zu verleihen.

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