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„Geht nur um Geld und Macht“: Basis kritisiert DFB

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An der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main kam es am Wochenende zu Schmierereien.
An der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main kam es am Wochenende zu Schmierereien. © Frankfurter Rundschau

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) durchlebt schwierige Zeiten. Ein Kooperationsprojekt der Universität Würzburg und der Hochschule Ansbach hat die Basis des DFB zur Lage des Verbandes befragt – mit überaus deutlichen Ergebnissen.

Am 11. März wird beim DFB-Bundestag in Bonn ein neuer DFB-Präsident gewählt, der den weltweit größten Sportverband aus der Krise führen soll. Ein Forschungsprojekt der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg und der Hochschule Ansbach setzt hier an und hat mit einer Umfrage Einstellungen und Ziele der DFB-Basis eingeholt. Das Team aus vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wollte wissen, wie die DFB-Basis ihren Verband und dessen Spitzenpersonal bewertet, wie sie die Präsidentenwahl einordnet und welche Themen für die Mitglieder in Zukunft relevant sind. Die nun vorliegenden Ergebnisse sind überaus deutlich.

„Unsere Studie lässt eine große Kluft zwischen der DFB-Spitze und der Basis erkennen, insbesondere bei den Themen Transparenz, Diversität und Belange der Amateure“, erklärt Professor Harald Lange, Lehrstuhl für Sportwissenschaft an der JMU. Zudem habe das Image des eigenen Verbandes an der Basis extrem gelitten. „So sehr, dass mehr als die Hälfte der Befragten für die Führungsaufgaben im deutschen Fußball eine Alternative zum DFB einfordern“, so Lange weiter.

DFB mit sehr schlechten Ergebnissen in der Umfrage

Insgesamt nahmen 11.725 Personen an der Umfrage teil, von denen über 70 Prozent im DFB organisiert sind – zum Beispiel Mitglieder von Fußballvereinen, Vereinsvorstände, Spielerinnen und Spieler oder Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter. „Die überaus deutliche Positionierung der Teilnehmenden hat uns sehr überrascht“, erklärt der Würzburger Sportwissenschaftler. „Ebenso die geringen Abweichungen im Antwortverhalten der Gruppe der Fußballinteressierten, die nicht in den Vereinen des DFB organisiert sind und für diese Studie als Kontrollgruppe wertvollen Aufschluss bieten.“

Konkret bedeutet das: 93,1 Prozent stimmen der Aussage zu, dass es der DFB-Spitze „nur um Macht und Geld“ geht, so Lange. Zudem beurteilen über 90,9 Prozent der Befragten das Image des DFB als schlecht oder sehr schlecht. Nur 4,4 Prozent der Befragten stimmen der These zu, dass die DFB-Spitze die Interessen des Amateursports gut vertritt und nur 4,9 Prozent stimmten der These zu, dass es den DFB-Funktionären um das Wohl des Fußballs geht.

Die Ergebnisse können für den DFB eine wertvolle Grundlage in Hinblick auf die Einleitung möglicher Reformprozesse sein.

Prof. Dr. Harald Lange

Auch beim Thema Präsidentschaft ist die Meinungslage klar: Über 90 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Transparenz beim Wahlverfahren, fast drei Viertel befürwortet eine Urwahl. Zudem sehen über 90 Prozent der Befragten den neuen Präsidenten in der Verantwortung, die Skandale im Umfeld der DFB-Spitze der letzten Jahre aufzuklären und entsprechende Ergebnisse zu veröffentlichen. Doch nur eine Minderheit der Basis traut den beiden Kandidaten Bernd Neuendorf (11,1 Prozent) und Peter Peters (13,4 Prozent) das Amt des DFB-Präsidenten zu. Entsprechend wünschen sich 79,8 Prozent mehr Kandidaten und nur zwei Prozent sagen, dass nach dem DFB-Bundestag alles besser wird.

Was braucht also der neue DFB-Präsident? 80 Prozent sagen, dass der neue Präsident Kenntnis zu den Strukturen im nationalen und internationalen Fußball benötigt, 60,6 Prozent verlangen Managementerfahrung und 57,4 Prozent der Befragten erwarten vom neuen Präsidenten ein Netzwerk im Fußball. Erfahrungen als Politiker (3,5 Prozent) und Bundesliga-Erfahrung im Fußball (24,3 Prozent ist für den Großteil der Befragten nicht wichtig. Die Präsidentschaftskandidaten schneiden in der Umfrage schwach ab, auch die Arbeit Interimspräsident Dr. Rainer Koch wird in der Umfrage mit einer Durchschnittsnote von 5,08 bewertet.

Grundlage für einen möglichen Reformprozess

„Unsere Studie filtert Einstellungen und Ziele der Basis rund um den größten Sportverband der Welt und liefert somit ein wertvolles Stimmungsbild und konstruktive Ansatzpunkte für Veränderungen – vor allem für den DFB selbst“, erklärt Jana Wiske, Professorin an der Hochschule Ansbach. Und weiter: „Im besten Fall könnte die Studie dazu führen, wieder mehr Nähe und Vertrauen zwischen Basis und DFB-Spitze aufzubauen.“ Dies bekräftigt auch der Sportwissenschaftler Lange: „Die Ergebnisse können für den DFB eine wertvolle Grundlage in Hinblick auf die Einleitung möglicher Reformprozesse sein.“

Weitere Informationen und detaillierte Ergebnisse hat das Forschungsteam hier veröffentlicht: https://go.uniwue.de/studie-dfb2022

Schmierereien an DFB-Verbandszentrale

Unterdessen wurde die Verbandszentrale des DFB beschmiert. An sechs verschiedenen Orten in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt, so berichtet die Frankfurter Rundschau, sei das Gebäude mit Graffiti besprüht worden. In der Nacht hatten der oder die Täter die Wände beim DFB besprüht. Die Schmierereien richten sich gegen den DFB sowie gegen Koch, dessen Abwahl gefordert wird. Die Polizei ermittelt zu diesem Vorfall.

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