Damals 1950er Fotograf Hubert Weber Foto privat
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Hubert Weber in bekannter Manier: In den 1950er-Jahren mit seiner Kamera in der Hand.

Hubert Weber ist leidenschaftlicher „Borusse“

Die Fotografen-Legende

Dank Hubert Weber sind mehr als fünf Jahrzehnte Zeitgeschichte der Stadt Fulda für die Nachwelt in Form von unzähligen Fotos erhalten geblieben. Ob wichtige kulturelle Ereignisse oder Prominente, die unsere Stadt besuchten – Weber hat alles mit der Kamera festgehalten.

Sein Lebenswerk beinhaltet so ziemlich alles, was die Region in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bewegte: Ob der Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1980, die Ankunft des damaligen Bundespräsidenten Dr. Konrad Adenauer zum Bonifatiusjubiläum 1954 oder aber Großveranstaltungen wie die erste hessische Landesgartenschau in Fulda 1994 – Weber war mit seiner Kamera immer dabei.

Das galt auch für den Fußball. Dank seiner Leidenschaft zu fotografieren kann sich bis heute noch ein Bild davon gemacht werden, wie das damals so war, als Borussia Fulda bis in die zweite Liga aufstieg oder wie die alte Tribüne in der Johannisau ausgesehen hat. „Mit dem Fußball ging damals alles los“, schaut der heute 91-Jährige zurück, dessen erster offizieller Termin als Berufs-Fotograf ein Heimspiel von Borussia Fulda war. Am Ostermontag, dem 7. April 1953, war das.

Bei Borussia Fulda mit zwei linken Schuhen gespielt

„Ich habe ja selbst in der Schüler und Jugend bei Borussia gespielt. Linker Verteidiger war ich“, erzählt Weber. „Weil ich als Junge keine Schuhe hatte, ist der Trainer Heini Hessberger mit mir in eine Abstellkammer gegangen, in der allerlei Gelumpe lag. Da haben wir zwei Fußballschuhe gefunden. Leider waren beides linke Schuhe und sie waren auch viel zu groß. Also haben wir alte Zeitungen in die Schuhe gestopft und los ging’s. Beim Schießen war das mit zwei linken Schuhen aber sehr schwierig“, schmunzelt Weber heute rückblickend.

Schon damals schlummerte das Foto-Talent in ihm. Als die Fuldaer Zeitung Anfang der 1950er-Jahre einen Foto-Wettbewerb ausrief, machten Weber und sein Kumpel Hubert Behrens mit. Behrens gewann den ersten Preis mit einem Foto, das Kinder an einem See zeigte. Weber wurde Zweiter. Sein Motiv: Borussen-Torwart Otto Schindewolf, wie er bei einer Parade quer in der Luft lag.

Im Laufe der Jahrzehnte kam einiges an Geräten zusammen: 28 Kameras plus Zubehör und zwölf Blitzgeräte verschliss Weber in seiner Laufbahn als Fotograf.

Als die Fuldaer Zeitung dann in Person des damals einzigen Sportredakteurs Hüttenmüller einen Fotografen suchte, bewarb er sich und wurde sofort eingespannt. Anfang 20 war er damals. „Zu dieser Zeit gab es noch das Problem, wie ich zu den Terminen komme. Mein Freund Alwin Pahl hat mich oft auf der 250er-BMW hinten drauf als Sozius mitgenommen. Manchmal bin ich auch mit dem Zug gefahren. Irgendwie ging es immer“, schaut Weber zurück. „Dann wollte der damalige Chefredakteur Sauer aber, dass ich mir einen Roller kaufe. Mein Vater hat aber gesagt, ich solle so lange sparen, bis es für einen VW Käfer reicht. Das habe ich dann auch gemacht.“

Aufträge aus Augsburg und Stuttgart

Neben der Sportfotografie folgten unzählige Einsätze für die Lokalredaktion. „Die Feuerwehr und die Polizei haben bei mir zu Hause angerufen und gemeldet, wenn irgendwo gerade etwas passierte. Wenn ich dann dorthin kam, wurde ich von der Polizei durchgewunken. Die haben mich und mein Auto genau gekannt.“

Was sich heute im Zeitalter der digitalen Fotografie so einfach anhört, war damals eine echte Kunst. Weber arbeitete komplett mit Film. Zu Hause hatte er seine Dunkelkammer, wo er selbst entwickeln musste. Alles mit der Gefahr, dass Fotos unscharf sein könnten. Schließlich gab es kein modernes Display, durch das seine Arbeit vorher kontrolliert werden konnte.

Heute ist Hubert Weber 91 Jahre alt und blickt auf jahrzentelange Zeitgeschichte der Stadt Fulda zurück.

„Ich bin geboren in der Ronsbachstraße, danach groß geworden am Buttermarkt. Als das Fotografieren dann richtig Fahrt aufgenommen hat, bin ich aber ans Peterstor gezogen. Genau gegenüber von den Redaktionsräumen der Fuldaer Zeitung. So musste ich nur über die Straße und die frisch entwickelten Fotos rüberbringen. Die Bilder waren teilweise noch nass, denn es musste oft schnell gehen.“, lacht Weber heute.

Auch für überregionale Zeitungen hat der gelernte Maschinenbauer oft fotografiert. „Wenn Mannschaften aus Augsburg oder Stuttgart in Fulda gespielt haben oder andere aktuelle Fotoaufträge vorlagen, dann bin ich Samstagnachts zwischen 4 Uhr und 4.30 Uhr an die alte Post. Die befand sich im heutigen Hotel Platzhirsch neben dem ,Cafe Thiele‘“, erklärt Weber. „Da gab es einen 24-Stunden-Schalter und dort wussten die Leute schon, dass ich noch komme. Am Sonntag hatten die auswärtigen Redakteure dann per Eilbote ihre Bilder auf dem Schreibtisch liegen.“

Manchmal seien es für den Sport- und Lokalteil 15 Termine und mehr am Tag gewesen. „Da bin ich fünf, sechs Mal am Tag nach Hause gefahren, habe meiner Frau Doris die Filme gebracht und sie hat dann angefangen, die Fotos zu entwickeln. Ohne ihre Hilfe wäre das alles überhaupt nicht möglich gewesen.“ 48 Jahre fotografierte Weber für den Verlag Parzeller, ehe zur Jahrtausendwende im Alter von 70 Jahren Schluss war. Sein gesamtes Archiv hat er der Stadt Fulda verkauft, sodass jeder Bürger über das Stadtarchiv auf die alten Schätze zurückgreifen kann.

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