Objekt der Begierde, vor allem im Winter: Bad Sodens Kunstrasenplatz im Bornweg. Foto: Ralf Hofacker
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Objekt der Begierde, vor allem im Winter: Bad Sodens Kunstrasenplatz im Bornweg.

"Die tun so, als wäre der Platz ihnen"

Glücklich schätzen dürfen sich Fußballmannschaften, die in der Wintervorbereitung Zugang zu einem wetterfesten Kunstrasenplatz haben. Da die Begehrlichkeiten größer sind als das Angebot, sind Engpässe unvermeidlich. Hier und da sorgt die Situation für Verdruss, wie etwa in Bad Soden-Salmünster.

„Wir wollen keinen Ärger mit denen da drüben, aber die tun so, als wäre der Platz ihnen“, sagt Willi Waitz. Der Vorsitzende des SV 1913 Salmünster hat „einen Termin beim Bürgermeister gemacht“, um klären zu lassen, welche Rechte sein Verein hat. „Wie da die Absprache genau aussieht, ob es da einen Vertrag gibt und was da drin steht, das weiß ich nicht, will ich aber in Erfahrung bringen“, sagt Waitz.

„Die da drüben“, das ist die SG Bad Soden. Der Platzhirsch, Schlüchterns über Jahrzehnte bester Fußballverein, betreibt nicht nur mit der SG Huttengrund und dem Gelnhäuser Club SV Salmünster einen überregional aktiven Jugendförderverein mit etlichen Mannschaften, er war bis vor kurzem auch der einzige hiesige Verein, der über einen Kunstrasenplatz verfügt. Das bis zur Eröffnung des Freiensteinauer Kunstrasens im Herbst des vergangenen Jahres einmalige Projekt im Fußballkreis Schlüchtern wurde mit öffentlichen Mitteln, auch 100.000 Euro der Stadt Bad Soden-Salmünster, vor allem aber dank einer beträchtlichen Eigenleistung der SG Bad Soden gestemmt.

Schon weil, wie auch Waitz einräumt, der SV Salmünster unlängst Trainingszeiten auf dem Kunstrasen erhielt, zeigt sich der Wladimir Römmich, der zweite Vorsitzende der SG, überrascht von der Debatte: „Das alles ist gut geregelt und verläuft für alle Seiten zur vollen Zufriedenheit.“ Dass am Sonntag die SG Huttengrund kostenpflichtig für ihr Testspiel gegen Kressenbach/Ulmbach nach Bad Orb auswich, anstatt vor der eigenen Haustüre zu kicken, „habe ich nicht gewusst. Bei mir hat keiner angefragt“, so Römmich.

Ihm sei kein Fall erinnerlich, in dem die SG Bad Soden hiesige Fußballvereine zurückgewiesen hätte: „Wir haben noch für alle Anfragen eine Lösung gefunden und gehen sehr fair und offen mit diesem Thema um.“ Dass gegebenenfalls nicht jeder Terminwunsch erfüllt werden könne, läge in der Natur der Sache, erläutert Römmich. Zumal die Pandemie und die damit einhergehenden Hygienevorschriften die Lage verschärft hätten. „Wir können aktuell keine unterschiedlichen Teams parallel beherbergen. Allein die vielen Jugendmannschaften zu koordinieren ist eine riesige logistische Herausforderung. Der Belegungsplan ist proppenvoll.“ Und so stellt Römmich klar: „Wir sind die Hausherren, und es wäre fatal, wenn andere in dieser Situation bestimmen dürften.“

„Andere“, das könnte in diesem Fall nur die Stadtverwaltung sein. Dort hat man, wie Bernd Stoos von dem für die Sportstätten zuständigen Bauamt sagt, „schon gehört, dass das Thema um die Platzzeiten hochgekocht ist“, aber grundsätzlich sei man „froh, wenn die Vereine das untereinander regeln. Eine Verwaltung, die viel reguliert, macht auch viel verkehrt.“ Eine schriftliche Vereinbarung, die anscheinend Willi Waitz vom SV Salmünster im Sinn hat, „gibt es nicht. Es gibt nur den Weg, dass man sich auf Vereinsebene einigt.“ Dass diese Einigung noch nicht erzielt worden ist oder eben neu hergestellt werden muss, weiß aber auch Stoos: „Dieses Gespräch steht an, es hat noch nicht stattgefunden.“

Wie es andere Vereine machen

Beliebtes winterliches Reiseziel war in den vergangenen Jahren der Kunstrasen des SV Buchonia Flieden. Heuer sieht das, nicht zuletzt wegen Corona, anders aus: „In diesem Winter vermieten wir nicht. Wegen der aktuellen Umstände können nur drei Spiele pro Tag abgewickelt werden, wir sind randvoll mit eigenen Teams“, sagt Vorstandsmitglied Frank Happ. „Eigene Teams“, das seien freilich auch die anderen Vereine der Gemeinde, SV Höf und Haid, SG Rückers oder SG Magdlos. „Das gehört sich so. Da denke ich nicht einmal drüber nach, diesen Vereinen den Zugang zu erschweren“, sagt Happ.

Ein preiswertes Vergnügen ist es nicht, sich auf Kunstrasenplätzen einzumieten. Mehr als zwei-, dreimal pro Winter dürften die wenigsten Clubs sich das leisten können. Feste Tarife gibt es nicht. Fliedens Vor-Corona- und Vor-Energiekostenexplosions-Preis lag bei 130 Euro, aufgeteilt in 80 für den Platz, 20 fürs Licht und 30 für die Kabinen. Auch wer beim SV Hochland Fischborn vorstellig wird, muss für die Kabine separat berappen. Dort kostet das Gesamtpaket allerdings stattliche 180 Euro, „und dafür stellen die einem noch nicht einmal einen Kasten Wasser hin“, sagt ein Fußballtrainer und schimpft: „Die versuchen ihren Reibach zu machen, für mich ist das Abzocke.“

So teuer wie in Fischborn, das ergab die unrepräsentative Umfrage der Sportredaktion, ist es anderswo in der Tat nicht: Der FSV Bad Orb ruft 150 Euro auf, in Hilders zahlt man angeblich einen Euro pro Minute. Am günstigsten erscheint im Main-Kinzig-Kreis ein Spiel im Jugendzentrum Ronneburg. 80 Euro müssen allerdings ins Verhältnis gesetzt werden zu einem in die Jahre gekommenen, knüppelharten Geläuf.

Üblicherweise teilen die Vereine sich die Kosten, sofern sie auf neutralem Gelände aktiv sind. Gastfreundschaft wird nicht immer groß geschrieben: So hat es sich eingebürgert, dass Kunstrasenplatzherren die Schiedsrichterkosten sich von ihrem Gegner bezahlen lassen.

In die Offensive zur allemal legitimen Refinanzierung des teuren Projekts ist an diesem Wochenende die SG Freiensteinau gegangen: „Liebe Sportsfreunde“, schreiben die Vogelsberger, „nach Jahren der Vorbereitung, schweißtreibenden Monaten und unzähligen Arbeitsstunden ist es uns im Herbst gelungen den Kunstrasen fertigzustellen, um bessere Trainings- und Spielbedingungen für den Verein, aber auch für die gesamte Region zu gewährleisten. Interessierte Vereine können eine Anfrage oder Buchung zur Nutzung des Kunstrasenplatzes schnell und unkompliziert über das folgende Buchungsportal vornehmen: sg-freiensteinau.ebusy.de“. Die Redaktion hat das Angebot geprüft, es funktioniert einwandfrei: 120 Minuten auf dem neuesten Kunstrasen der Region kosten demnach 150 Euro, für 90 Minuten ist man mit 120 dabei.

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