Nicht nur mit einer Choreo machten die Fans von Eintracht Frankfurt auf sich aufmerksam.
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Nicht nur mit einer Choreo machten die Fans von Eintracht Frankfurt auf sich aufmerksam.

Kommentar zum Final-Wahnsinn

Eintracht Frankfurt hat die Grenze des Glücks verschoben

Dass Eintracht Frankfurt den Europapokal gewinnt? Sich für die Champions League qualifiziert? Betis Sevilla, FC Barcelona, West Ham oder Glasgow Rangers aus dem Weg räumt? Alles Utopie! Ein Wunschtraum für abertausende Fans. Nun ist das Realität – und doch kaum greifbar, wie unser Redakteur Johannes Götze kommentiert.

Das Trauma von Rostock, als Eintracht Frankfurt 1992 in letzter Sekunde die Deutsche Meisterschaft verspielte. Die Bundesliga-Abstiege 1996, 2001, 2004 und 2011. Relegation gegen Nürnberg vor gerade einmal sechs Jahren. Skandale in der Geschäftsführung. Kredite vom Land, um überhaupt zu überleben. Die „launische Diva“ wurde ihrem Namen gerecht. Doch der Verein hat gelernt und unter der Leitung von Präsident Peter Fischer und der Vorstandsriege um Axel Hellmann die eigene DNA präzisiert. Ein Club zum Anfassen. Ein Multi-Kulti-Team für die Multi-Kulti-Stadt. Eine aktive Fanszene, die von Verein wie Mannschaft nicht nur respektiert, sondern regelrecht abgefeiert wird. Keine Selbstverständlichkeit im Fußballgeschäft. Nein, diese Verbundenheit ist die große Ausnahme.

Eintracht Frankfurt steht für pure Ekstase

Und dass Fans ihren Adlern noch ein paar mehr Flügel verleihen können, wurde bereits nach dem DFB-Pokalsieg 2018 deutlich. Die damalige Reise durch Europa endete spektakulär. Im Elfmeterschießen bei Chelsea London. Ein Trauma für die treuen Begleiter und Ansporn für die Mannschaft, es in diesem Jahr besser zu machen. Was muss Oliver Glasner der Mannschaft nur mit auf den Weg gegeben haben, dass die Schützen mit solch dicken Eiern den Weg zum Elfmeterpunkt gingen und die Bälle dem Rangers-Torwart nur so um die Ohren hauten? 

Und damit die Fans in schiere Ekstase stürzten. Es war fast beängstigend leise nach Rafael Borres Schuss ins große Glück. Weil die mehr als 10.000 Frankfurter erst einmal gar nicht wussten, wo sie hinsollten. Mit sich selbst. Mit ihren Gefühlen. Die einen sprachlos, die anderen übermannt. Tränen liefen. Die Grenze des Glücks hatte sich verschoben. Wer dabei war, wird es seinen Kindern erzählen. Fotos zeigen. „Damals in Sevilla“, werden sie sagen. Stolz sein. Glücklich sein. Den Tränen nahe. Schon wieder.

Jetzt verdient der Club Millionen in der Champions League, Ministerpräsident Volker Bouffier muss längst nicht mehr finanziell unter die Arme greifen, sondern gratuliert von Herzen und ist mächtig stolz. Eintracht Frankfurt ist Hessens Aushängeschild – in ganz Europa.

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