Tobias Nophut im legendären Camp Nou in Barcelona. Bis zu 30.000 Eintracht-Fans werden in Barcelona erwartet.
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Tobias Nophut im legendären Camp Nou in Barcelona. Bis zu 30.000 Eintracht-Fans werden in Barcelona erwartet.

30.000 Adler in Barcelona

Osthessen erwarten epische Eintracht-Nacht im Camp Nou

Ob Rom, Mailand oder London, Moskau, Wien oder Athen. Ob mit Bus oder Bahn oder Flugzeug s**eißegal, Eintracht Frankfurt international! Jene Zeile wird heute in Barcelona von abertausenden Eintracht-Fans inbrünstig geschmettert. Bis zu 30.000 „Adler“ werden in Spaniens Metropole erwartet.

Einige Osthessen sind dabei und schildern ihren Weg zum vielfach als Spiel des Jahrhunderts stilisierten Europa-League-Viertelfinale. Für Marko Wehner (51) stellte sich die Frage, ob er nach Barcelona reisen wird, nicht. Er war in den vergangenen Jahren international mit der Eintracht unter anderem in Mailand, London oder Porto. Sein letzter Ausflug nach Istanbul war nicht von Erfolg gekrönt, er reiste ohne Karten an und schaute erstmals sprichwörtlich in die Röhre. Nach Barcelona fliegt der Hünfelder erneut ohne Ticket. „Aber ich bin entspannt. Das Stadion bietet genug Platz und wir haben vor Ort eine seriöse Ticketquelle aufgetan.“

Ihm und seinem Cousin Daniel Wehner, der steter Reisebegleiter ist. Beide sind gestern ab Hannover geflogen und bleiben bis Samstag in Barcelona. „Wir verbinden die Ausflüge immer mit Sightseeing“, erklärt er, den das Spiel unfassbar elektrisiert: „Barcelona und das Camp Nou sind so etwas wie der Endgegner. Eine der weltbesten Mannschaften, ein unfassbares Stadion und wir sind nicht chancenlos. Vielleicht können wir das Chelsea-Trauma bewältigen.“ Was ihm missfällt? „Dass das Spiel etwas an Eventcharakter gewinnt.“

Eintracht in Barcelona: 15 Stunden Fahrt mit dem Auto

„Nach Corona braucht’s ein bisschen Wahnsinn – und den bekommen wir jetzt“, sagt Cäcilia Gehring. Die Hofbieberin ist gestern Abend mit ihrem Lebensgefährten Benjamin Ochs ins Auto gen Spanien gestiegen. Rund 15 Stunden Fahrt für 1442 Kilometer. Die Flüge waren völlig überbucht, weswegen sie sich für die Autofahrt entschieden. Gehring lässt dafür sogar den 30. Geburtstag ihrer Schwester sausen, den diese heute begeht. Aber Ärger gibt es deshalb nicht. Vielmehr will die 28-Jährige den Trip in vollen Zügen genießen.

Cäcilia Gehring (rechts) und Lebensgefährte Benjamin Ochs verbrachten 15 Stunden im Auto.

„Das ist etwas, was ich sicherlich noch im Schaukelstuhl meinen Enkeln erzählen kann“, sagt sie und bekommt Gänsehaut. Schon das Hinspiel vor Wochenfrist sei unfassbar stimmungsgeladen gewesen, nun soll das getoppt werden. Helfen soll „Hinti“, der das Paar begleitet. Sie haben eine kleine Nachbildung des Frankfurter Innenverteidigers Martin Hinteregger als Glücksbringer dabei, den „Figuren Betz“ aus dem Kalbach entworfen hat.

Für Tobias Trapp (38) gehen zwei Träume in Erfüllung: das Camp Nou während eines großen Spiels zu besuchen und die SGE international zu begleiten. Der Eintracht-Fan reist mit seiner Frau Marion nach Barcelona: „Eigentlich wollte ich mit Kumpels fliegen, die haben aber der Reihe nach abgesagt. Als ich dann vorhatte, allein auf Reisen zu gehen, sagte meine Frau spontan zu.“ Lest hier: Nach dem Triumph in Barcelona hat sich ein Torgranate-Redakteur heimlich in die Eintracht verliebt.

Sieg im Elfmeterschießen? „Dann falle ich ins Koma“

Mit Fußball könne sie eigentlich nicht viel anfangen, verstünde die explosiven emotionalen Ausbrüche nicht. Doch je näher das Spiel rücke, je mehr steige die Vorfreude bei ihr. Die beiden Mackenzeller fliegen heute ab Frankfurt und bleiben bis Montag in Barcelona. Die Karten organisierte Trapp mit einem Trick. Beim Tickethändler „Viagogo“ wählte er sich mit einer niederländischen IP ein und sparte mehr als 300 Euro pro Karte. Trotzdem ist der Ausflug nicht günstig: „Aber das ist okay. Ich erfülle mir zwei Träume.“ Trapp träumt von einem Sieg im Elfmeterschießen, „aber dann falle ich wahrscheinlich in ein Koma.“

Das kommt direkt nach Altar und Kreißsaal.

Eintracht-Fan Tobias Nophut

„Die Eintracht im Camp Nou, das kommt direkt nach Altar und Kreißsaal. Ich glaube, dass das Spiel neben dem Pokalsieg 2018 das Highlight der letzten Jahrzehnte ist“, sagt Tobias Nophut (42), der auf seine Hochzeit und die Geburten seiner Kinder anspielt. Der Eintracht-Fan aus Eiterfeld begab sich mit sechs Kumpels auf den Weg nach Barcelona. Da die Direktflüge schnell ausgebucht oder überteuert waren, sind sie gestern von Nürnberg über Palma nach Barcelona geflogen.

Nophut war bereits beim Hinspiel im Stadion und beschreibt dieses Ereignis schon als „episch, weil die Eintracht einfach ein unfassbar emotionaler Verein ist“. Karten organisierte sich die Eiterfelder Reisegruppe über spanische Kontakte und kann entspannt dem Spiel entgegenblicken. Wenngleich Nophut „seine“ Eintracht nicht ganz chancenlos sieht. „Wichtig ist, dass wir nach dem Hinspiel noch eine Chance haben. Und diese wollen wir dann auch einfach nutzen.“

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