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Nichts zu trinken, aggressive Ordnungshüter und Freudentränen

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Von: Johannes Götze

Eintracht Frankfurt Fans aus Osthessen beim Europapokal-Sieg in Sevilla.
Tobias Trapp (links) und Daniel Fennel (rechts) sind nach Abpfiff glücklich, aber auch fix und fertig. Es war heiß in Sevilla – und zu trinken gab es auch nichts. Foto: privat © Privat

Die beiden Osthessen Daniel Fennel und Tobias Trapp (beide 38) waren gemeinsam in Sevilla, um die beste (Fußball)-Nacht ihres Lebens zu genießen. Nur: Nicht alles war schön, insbesondere mit dem Verhalten der Polizei und schierem Organisationschaos hadern sie. 

„Es war krass, dass nach Abpfiff niemand mehr so richtig feiern konnte, weil alle Fans einfach völlig K.o. waren. Jeder hat den Moment für sich genossen, aber viel mehr ging nicht mehr“, schildert Fennel und liefert Gründe: „Ich war durch das dauerhafte Anfeuern, die mentale Anspannung und dem Fakt, dass es bei 30 Grad und drückender Hitze quasi nichts zu trinken gab, körperlich ganz nahe an der Schmerzgrenze.“ Fennel stand im Eintracht-Block und führt aus, „dass es schon in der ersten Halbzeit überhaupt kein Wasser mehr zu kaufen gab. In meiner unmittelbaren Nähe ist einer umgekippt, weil er völlig dehydriert war. Das war von der UEFA ganz schlecht organisiert.“ 

Treffer von Rafael Borre: „Habe den halben Block umarmt“

Fennel, körperlich topfit, nutzte jede Unterbrechung, um sich auf der Toilette unter den Wasserhahn zu klemmen. „Das war immer ein regelrechtes Wettrennen, aber hätte ich das nicht gemacht, wäre ich sicherlich umgefallen“, sagt er. Den ersten Kontakt zu den spanischen Ordnungshütern hatte er da bereits hinter sich: „Ich hatte an einem der wenigen da noch geöffneten Verkaufsstände drei Wasser bestellt, als mich ein Polizist aggressiv weggestoßen und mich mit etwas für mich Unverständlichem auf spanisch angebrüllt hat.“ Die Wasser bekam er nicht, der Verkaufsstand machte direkt danach wie so viele andere zu. Noch vor dem Spiel. 

Über aggressives Verhalten der Polizei und Ordner hatte auch Stephan Weidner, Bassist der Rockband Böhse Onkelz, in einem Instagram-Beitrag berichtet. Selbst sein Feuerzeug hätten sie ihm abgenommen und seien extrem aggressiv aufgetreten. Fennel kann das bestätigen: „Leider waren sie überhaupt nicht deeskalierend. Man muss sich vorstellen, dass die Ordner sogar unseren Ersatzspieler Kristijan Jakic abgehalten haben, als der den Fans nach dem Spiel Wasser reichen wollte. Insgesamt ist das sehr schade – und gerade die Getränkesituation war letztlich gesundheitsgefährdend.“ Lest hier: Eintracht Frankfurt hat die Grenze des Glücks verschoben

Aber Fennel war dabei, die Eintracht hat gewonnen. Das bleibt für ihn. Für immer. Genau wie für Kumpel Trapp, der den Moment des Erfolgs versucht zu beschreiben: „Als Rafael Borre den Ball reinschießt, wusste niemand mehr, wohin mit sich. Ich habe wahrscheinlich den halben Block umarmt. Es war, als ob jemand den Stecker gezogen hat. Jeder war einfach unfassbar glücklich.“ Die 120 Minuten zuvor seien unfassbar laut und das intensivste gewesen, was er in einem Fußballspiel miterlebt hätte. Trapp, Emotionsmensch durch und durch, sog die Emotionen förmlich auf. Seinen Freudentränen ließ er wie tausenden anderen Fans freien Lauf. Wirklich Worte, um den Sieg für ihn als Eintracht-Fan einzuordnen, findet er nicht. Aber auch er weiß: Eintracht Frankfurt ist Europapokalsieger und spielt bald Champions League.

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