Die Schiedsrichter müssen sich immer mehr Beleidigungen aussetzen, sagt Norbert Lohfink in seinem Leserbrief. Symbolfoto: Charlie Rolff
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Die Schiedsrichter müssen sich immer mehr Beleidigungen aussetzen, sagt Norbert Lohfink in seinem Leserbrief. Symbolfoto: Charlie Rolff

"Fairness wird auf und neben dem Spielfeld vergessen"

Ein Schiedsrichtereinsatz am Wochenende hat Norbert Lohfink wieder einmal gezeigt, wie wenig Respekt den Schiedsrichtern entgegengebracht wird. Das hat den Steinbacher dazu bewegt, einen Leserbrief zu schreiben - in dem Lohfink Worte findet, die zum Nachdenken anregen.

Der Leserbrief im Wortlaut:

Ich bin Fußballschiedsrichter und bin es gern gewesen. Am Sonntag durfte ich das Spiel der Kreisliga A zwischen der SG Sorga/Kathus und dem FV Friedlos leiten. Ich wurde in Kathus freundlich empfangen, wurde zur Umkleidekabine begleitet und bekam etwas zu trinken.

Das Spiel verlief in der 1. Halbzeit noch sehr ruhig, obwohl hier schon einige Zuschauer und Anhänger beider Mannschaften Unmutsäußerungen zu Entscheidungen von sich gaben. In der 2. Halbzeit wurde dann fast jede Entscheidung mit Kommentaren bedacht, die leider häufig nicht konstruktiv oder sachlich waren. Kritik an Entscheidungen ist eine Sache, die Art und Weise eine andere. Lautstark rufend, manchmal schon brüllend wurden Zwischenrufe gemacht, ohne die Situation aus nächster Nähe zu sehen und damit die Entscheidung zu verstehen. Geplärre, Meckern, Reklamieren, Monieren, Motzen, Nörgeln und vieles mehr ist das Gehabe im Fußball geworden. Alle Werte der Fairness werden auf und neben dem Spielfeld irgendwie vergessen.

In meiner bisherigen Zeit als Schiedsrichter habe ich mir sicherlich schon manches anhören müssen und ich bin selbstkritisch genug, dass ich Fehler mache. Dazu stehe ich auch.

Aber das Verhalten der Zuschauer in Bezug auf ein Miteinander im Fußball hat inzwischen eine Dimension angenommen, die mir dann zu denken gibt, ob es noch sinnvoll ist dafür Sonntage und Zeit zu opfern.

Amateurfußball ist nach meiner Auffassung ein Ausgleich für viele Sorgen, Nöte und den Arbeitsalltag. Doch Sonntag erinnerte mich das Verhalten an einen Spruch eines Trainers: „Bei Fußball geht es nicht um Leben und Tod, es geht um viel mehr.“ Dies scheinen gerade Zuschauer auch so zu sehen, sonst würden sie sich nicht so aufführen.

Gewinnen gehört zum Sport, genauso wie verlieren. Und eine Anerkennung, dass einer besser ist, gehört zur Fairness.

Für die Verlierer sind häufig wir als Schiedsrichter die Schuldigen. Und das lassen die Zuschauer uns dann auch spüren.

Der negative Höhepunkt war dann am Sonntag, dass mich ein Zuschauer als „Idiot“ titulierte und auf Nachfrage nach seinem Namen „Leck mich am Arsch“ sagte.

Solche Zuschauer braucht keiner. Vor allem ich als Schiedsrichter nicht. Ich hatte viel Spaß als Schiedsrichter, doch der Spaß wurde mir am Sonntag gänzlich genommen.

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