Silke Sinning (Bildmitte) und Ralf Viktora (rechts) unterstützten Peter Peters. Foto: Jan Hübner
+
Silke Sinning (Bildmitte) und Ralf Viktora (rechts) unterstützten Peter Peters.

Frontalangriff auf Sinning und Viktora

Großer Bahnhof in Grünberg: Morgen präsentieren sich die DFB-Präsidentschaftskandidaten samt ihrer Teams dem Verbandsvorstand des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV). Doch inhaltliche Themen könnten zur Randnotiz verkommen.

Denn fünf Kreisfußballwarte (Wiesbadens Dieter Elsenbast, Gießens Henry Mohr, Frankfurts Rainer Nagel, Marburgs Peter Schmidt, Darmstadts Michael Sobota) und Gießens Regionalbeauftragter Jörg Wolf wollen einen Antrag einbringen, in dem das Präsidium beauftragt werden soll, die Einberufung eines außerordentlichen Verbandstages mit der Tagesordnung der Abwahl der HFV-Präsidiumsmitglieder Silke Sinning (Vorsitzende des Frauen- und Mädchenausschusses) und Ralf Viktora (Schatzmeister) rechtlich zu prüfen. Das Sextett sieht keine Vertrauensbasis mehr für eine zukünftige Zusammenarbeit.

Sinning und Viktora unterstützten das Team um DFB-Präsidentschaftskandidat Peter Peters, während der HFV sich für den Gegenkandidaten Bernd Neuendorf ausgesprochen hatte. In der Folge stellte das Präsidium des HFV ein Ultimatum an Sinning und Viktora, in dem sie sich zwischen DFB-Kandidatur und HFV-Ämtern entscheiden sollten. Beide ließen das Ultimatum verstreichen. Sinning will DFB-Vizepräsidentin werden; Viktora DFB-Schatzmeister, falls Peters zuvor ins Präsidentenamt gehoben wird.

Sobota erklärt gegenüber torgranate.de, dass die Vorgehensweise von Sinning und Viktora ein Novum in der Verbandshistorie darstelle. Er erklärt, dass durch die Unterstützung der beiden des Team Peters ein erheblicher Reputationsschaden am HFV entstanden sei, den beide zumindest mitzuverantworten hätten. Ferner erläutert er, dass beide nicht immer mit offenen Karten gespielt hätten und befindet, dass insbesondere ihre Ausführungen in den Medien über mangelndes Demokratieverständnis kein passendes Bild ergäbe. Vielmehr unterstellt Sobota den beiden fehlerhaftes Abstimmungsverhalten.

Sobota: "Minderheit soll Meinung der Mehrheit mittragen"

Sein Grund: Sinning und Viktora enthielten sich im November als Präsidiumsmitglieder des Süddeutschen Fußball-Verbandes (SFV) bei der Wahl der Vizepräsidentschaftskandidaten für den DFB. Dem SFV stehen zwei Vizeämter zu, die beim DFB-Bundestag am 11. März einzeln und im ersten Wahlgang ohne Gegenkandidat gewählt werden. Alle stimmten für Rainer Koch und Ronny Zimmermann, nur Sinning und Viktora enthielten sich. Sinning will am Bundestag gegen einen der beiden antreten, sofern Koch oder Zimmermann im ersten Wahlgang nicht die absolute Mehrheit erhält. Überhaupt nur dann kann sie gewählt werden.

Was Sobota missfällt: Seiner Meinung nach hätte für Sinning und Viktora keine Entscheidungsfreiheit bei der Abstimmung im November gegolten. Sie hätten einem imperativen, also bindendem Mandat unterlegen und zum Wohle des HFV für Koch und Zimmermann stimmen müssen. Sobota erklärt sein Demokratieverständnis in diesem Falle so, „dass eine Minderheit die Meinung der Mehrheit mittragen soll“. Nun hoffe das Sextett, beim Verbandsvorstand, dem unter anderem alle 32 Kreisfußballwarte angehören, mit ihrem Antrag auf Zustimmung zu treffen.

In der Satzung heißt es hierzu: „Die Abberufung von Mitgliedern des Aufsichtsrates und des Präsidiums kann nur aus wichtigem Grunde auf einem außerordentlichen Verbandstag beschlossen werden.“ Die Hamburger Rechtsanwältin Julia Olbrisch, die sich intensiv mit sportpolitischen Themen auseinandersetzt, sieht keinen wichtigen Grund und ordnet ein: „Meiner Meinung nach fehlt es hier schon an der notwendigen Pflichtverletzung. Es gibt keine Pflicht, dass alle einheitlich und auf Linie stimmen müssen, im Gegenteil: wir leben in einer Demokratie und die Geschäftsordnung des HFV bestimmt, dass die Organe des HFV nach parlamentarischen Grundsätzen tagen. Daher kann weder die Enthaltung noch die Kandidatur mit Peters als Pflichtverletzung gesehen werden. Und was die negative Presse angeht, auf die sich die Antragssteller ebenfalls berufen, so wurde die nicht durch die Kandidatur von Viktora und Sinning verursacht, sondern durch die unzulässige Maßnahme, die die Verbandsspitze durch Setzen dieses Ultimatums ergriffen hat.“ Für Olbrisch ist der Vorstoß nichts als ein weiterer Versuch, Sinning und Viktora aus ihren Ämtern zu drängen und deren Zusammenarbeit mit Peters zu verhindern.

Anwältin Olbrisch ordnet Vorstoß ein

Damit gerät der einzige Tagesordnungspunkt der Verbandsvorstandssitzung in den Hintergrund: Denn Bernd Neuendorf und Peter Peters wollen mit ihren Teams ihr Programm präsentieren. Nicht nur dem Verbandsvorstand des HFV, sondern allen Landespräsidenten des SFV. Gerade Sinning und Viktora werden die Chance nutzen wollen, Werbung in eigener Sache und vor allem im eigenen Verband zu betreiben.
Bereits unter der Woche wendeten sich Sinning und Viktora an den Verbandsvorstand und erklärten sich. Sie führten aus, dass es für einen Landesverband nur von Vorteil sein kann, wenn sich zwei Präsidiumsmitglieder für Ämter beim DFB bewerben.

Sie versuchen in einer E-Mail eine höchstmögliche Transparenz durch eine Übersicht mit den zeitlichen Abläufen ihrer Kandidaturabsicht herauszustellen: „Dies ist uns deshalb wichtig, da durch Mitglieder des Verbandsvorstands in der Öffentlichkeit ein Bild erzeugt wurde, das aus unserer Sicht nicht zutreffend ist. Jetzt kann sich jede/r selbst ein objektives Bild machen. Silke und ich stehen für Themen und Inhalte, sodass wir auf persönliche Angriffe ganz bewusst nicht eingehen“, schreiben sie.

Das könnte Sie auch interessieren