„Da ist das Ding!“ Johannes Litwinow hält den Europameister-Titel in der Hand. Neben ihm jubelt Eve Böttcher. Die Torhüterin arbeitete mit Litwinow schon in Leipzig zusammen und war im Finale gegen Spanien mit drei gehaltenen Elfmetern die entscheidende Spielerin.
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„Da ist das Ding!“ Johannes Litwinow hält den Europameister-Titel in der Hand. Neben ihm jubelt Eve Böttcher. Die Torhüterin arbeitete mit Litwinow schon in Leipzig zusammen und war im Finale gegen Spanien mit drei gehaltenen Elfmetern die entscheidende Spielerin.

Triumph in Bosnien-Herzegowina

Europameister Litwinow: „Einfach Wahnsinn“

Was die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Herren seit mehr als 25 Jahren erfolgslos versucht, ist den U17-Juniorinnen des DFB vergangenen Sonntag gelungen. Die Mannschaft wurde in Bosnien und Herzegowina Europameister. Mittendrin war, Johannes Litwinow, ein 32-jähriger Sportwissenschaftler aus Petersberg-Steinau.

Ende vergangenen Jahres stand der Athletiktrainer vor der Wahl: Weiter bei Frauen-Zweitligist RB Leipzig arbeiten oder eine neue Herausforderung angehen? Litwinow, der kurz zuvor zum ersten Mal Papa wurde, entschied sich für die Veränderung. Er nahm das Angebot des DFB an, ab Januar die Nationalmannschaft der U17-Juniorinnen als Athletiktrainer zu betreuen.

Dass er sich nur viereinhalb Monate später Europameister nennen darf, kann Litwinow kaum realisieren: „Ich hätte nie gedacht, gleich mit einem Titel nach Hause fahren zu dürfen - zumal wir uns fast nicht qualifiziert hätten.“ Ende März brauchte Deutschland im entscheidenden Qualifikationsspiel einen Sieg, sonst wäre die EM in Bosnien-Herzegowina verpasst worden. Gegen Österreich lag das DFB-Team 0:2 hinten, spielte in Unterzahl - und drehte die Partie innerhalb von fünf Minuten.

Empfang in Frankfurt mit Bernd Neuendorf und Oliver Bierhoff

Bei der Anfang Mai gestarteten Europameisterschaft ging es nahtlos erfolgreich weiter. Drei 2:0-Siege in der Vorrunde, darunter gegen die ambitionierte Niederlande, sowie ein 1:0 im Halbfinale gegen Frankreich sorgten für den Finaleinzug. Als Gegner wartete Spanien, auf Juniorinnenebene eines der besten Teams Europas. Der Ausgleich zum 2:2 in der 88. Minute rettete Deutschland ins Elfmeterschießen. Dort schlug die große Stunde von Eve Böttcher. Drei Elfmeter hielt die Torhüterin, die mit Litwinow bereits in Leipzig zusammenarbeitete, zum umjubelten Sieg.

„Einfach Wahnsinn! Danach haben wir unseren Emotionen freien Lauf gelassen“, berichtet Litwinow, der das Elfmeterschießen Arm in Arm mit dem Trainer- und Betreuerteam - dazu zählen unter anderem Cheftrainerin Friederike Kromp und die 123-fache Nationalspielerin Melanie Behringer - verfolgte. Nach der Siegerehrung wurde bis spät in die Nacht im Hotel, das sich das DFB-Team mit zahlreichen anderen Nationen teilte, gefeiert.

Nach vier Stunden Schlaf ging es im verspäteten Flieger zurück nach Frankfurt, wo es einen Empfang am neuen DFB-Campus gab, inklusive Reden von Präsident Bernd Neuendorf und Oliver Bierhoff, Geschäftsführer Nationalmannschaften und Akademie. „So richtig verarbeiten kann ich das alles erst, wenn ich zur Ruhe komme“, sagt Litwinow, der direkt weiter in seine Wahlheimat Leipzig fuhr und nach einem Tag Pause, der intensiv mit Freundin und Sohn genutzt wurde, bereits wieder an der Universität Trainerkurse leitete. Der Posten beim DFB, bei dem der Steinauer auch schon bei der U15-Junioren-Nationalmannschaft reinschnuppern durfte, ist „nur“ eine halbe Stelle, wenngleich eine bislang sehr intensive.

„Bei so einem Turnier wie der Europameisterschaft, bei der alle drei Tage ein Spiel stattfindet, bin ich für das Belastungsmanagement mitverantwortlich. Ich kontrolliere die Belastungsumfragen und tausche mich im Anschluss mit unserem Trainerteam sowie der medizinischen Abteilung aus, die aus unserer Mannschaftsärztin und den Physiotherapeuten besteht. Das Ziel ist immer ein optimales Training zu gestalten. Zusätzlich übernehme ich die Erwärmung sowie Aktivierung vor den Trainingseinheiten und Spielen und kümmere mich um Spielerinnen, die nach Verletzungen wieder in das Mannschaftstraining einsteigen sollen. Und im normalen Alltag, wenn keine Lehrgänge oder Turniere anstehen, stehen wir mit allen Spielerinnen in Kontakt und versuchen, sie bestmöglich zu betreuen.“

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