Banner, Banden, Biersponsor-Befindlichkeiten: Aus logistischen Gründen soll Schlüchtern fester Endspielort bleiben. Die SG Freiensteinau möchte das ändern. Foto: Ottmar Schleich
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Banner, Banden, Biersponsor-Befindlichkeiten: Aus logistischen Gründen soll Schlüchtern fester Endspielort bleiben. Die SG Freiensteinau möchte das ändern.

Funktionäre sehen Pfeiffer im Interessenkonflikt

An der Oberfläche geht es um ein jährlich wiederkehrendes Fußballspiel. Doch darunter gärt es kräftig, und zwar zwischen dem Kreisfußballausschuss Schlüchtern und der SG Freiensteinau. Im Grunde tobt ein Streit um demokratische Verfahrensfragen und kollidierende Interessen mehrerer Ehrenämter, die Kreisfußballwart Dietmar Pfeiffer auf sich vereint.

Der Sportplatz Auwiese, Heimspielstätte der SG Schlüchtern, bleibt fester Austragungsort des Kreispokalendspiels im Fußballkreis Schlüchtern. Ein Antrag, das Finale auch in andere Orte zu vergeben, ist – zumindest vorerst – vom Tisch. „Pokalendspiele werden auch zukünftig immer in Schlüchtern ausgetragen. Ebenso das Finale 2022, das am 25. Mai dort stattfinden wird. Das haben wir im Kreisfußballausschuss mehrheitlich beschlossen“, stellt Dietmar Pfeiffer, Kreisfußballwart (KFW) des Fußballkreises Schlüchtern auf Nachfrage der KN fest und erteilt damit eine Absage an die SG Freiensteinau, die allen Vereinen im Kreis die Chance auf Ausrichtung des Pokalfinales eröffnen will.

Bernd Sill, Jugendleiter des Gruppenligavereins aus dem Blauen Eck, hatte zum Kreisfußballtag im September 2020 einen Antrag dahingehend gestellt, dass nicht immer nur Ligakonkurrent SG? Schlüchtern profitieren solle. Als Vorschlag lag ein Vergabeverfahren per Losentscheid auf dem Tisch. Dieser Antrag wanderte damals auf der Tagesordnung des Kreisfußballtages unter den Punkt „Sonstiges“, doch zu einer Abstimmung darüber kam es nicht, Pfeiffer und sein Vorstandsteam nahmen den Antrag wieder mit und behandelten ihn als ausschussinterne Angelegenheit. Antragsteller Sill bemängelt: „Ich habe seit September 2020 noch nicht einmal eine Antwort zu meinem Antrag bekommen – ein Unding.“

Auf Nachfrage der KN sagt Pfeiffer: „Ich kenne die Befindlichkeiten der SG Freiensteinau. Wir haben ihnen schon einiges zukommen lassen in der Vergangenheit. Man kann doch nicht alles an sich reißen. Das ist doch kein Zuckerschlecken. Beim besten Willen nicht. Die müssen sich jetzt auch einmal dem Mehrheitsbeschluss beugen.“

"Es gibt unzählige Banden, Banner und Werbemittel. Wir müssen das Finale zentralistisch vergeben. Das geht nicht anders."

Aus Freiensteinauer Sicht bleibt ein Beigeschmack: Pfeiffer war bis September 2021 Stellvertretender Vorsitzender der SG Schlüchtern und ist derzeit Mitglied im Ältestenrat des Vereins – zwei Ämter, die sich mit Pfeiffers Funktion als Kreisfußballwart überschneiden. Stoßen Entscheidungen, an denen Pfeiffer als KFW beteiligt ist und die wie in punkto Pokalfinale seinen Stammverein begünstigen, auf Widerspruch, so befindet sich Pfeiffer in einem Interessenkonflikt. Laut Sill sehen das auch Vertreter anderer Vereine so, schon länger rege sich in dieser Frage Kritik am KFW.

Der Kreisfußballwart möchte diesen Vorwurf entkräften und erklärt, warum nur Schlüchtern und kein anderer Verein in Frage kommt: „Das hängt mit dem Sponsoring und der Vorbereitung zusammen. Wir haben im Vorfeld einen ungeheuren Aufwand mit der Planung und riesiges Equipment. Ich kann nicht an einem Werktag mit dem Kombi mehrmals durch den ganzen Kreis fahren. Es gibt unzählige Banden, Banner und Werbemittel. Wir müssen das Finale zentralistisch vergeben. Das geht nicht anders. Und Schlüchtern ist nun einmal zentral.“ Der Kreisfußballwart erinnert daran, dass vor fünf, sechs Jahren einmal ein Finale in Steinau stattgefunden habe. Das sei heute gar nicht mehr zu bewältigen. „Wir müssen uns da auch ein bisschen an die Vorgaben der Bitburger-Gruppe richten“, sagt Pfeiffer.

Das Finale auf einen Samstag oder einen Feiertag zu legen ist nach Ansicht Pfeiffers auch nicht so einfach machbar: „Klar ist das in Gelnhausen oder Fulda anders. Aber die haben auch ein anderes Schema. Wir sind zum Beispiel bei den Alten Herren nicht so gut aufgestellt. Und so lange sich die Frauen und die AH im Kreis Schlüchtern nicht bemühen, sich hier einzubringen und einen gemeinsamen Pokaltag zu veranstalten, haben wir diese Möglichkeiten auch nicht.“

Freiensteinaus Spielausschussvorsitzender Dieter Krieg stellt sich hinter den Antrag seines Vorstandskollegen Kollegen Bernd Sill und hält die „Schlüchterner Berlinale“ und hält Pfeiffers Argumente der für äußerst zweifelhaft: „Mit welchem Recht gibt es diese Monopolstellung für einen einzigen Verein, der da SG Schlüchtern heißt?“ Zumindest fordern Sill und Krieg, die anderen Vereine demokratisch mit einzubinden und keine Entscheidungen im Ausschuss und im stillen Kämmerlein zu treffen und das Ganze dann über ein Jahr totzuschweigen.

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