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An persönlichen Befindlichkeiten gescheitert

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Von: Johannes Götze

Grafik Fußballkreise Landesgrenzen
Eine Grafik der Landeskreisgrenzen und der Fußballkreise. © Michael Haipeter

Die politischen Landkreisgrenzen und die der Fußballkreise gehen in der heimischen Region weit auseinander. Warum das so ist? Eine Spurensuche.

„Niemals“, behauptet Hermann Dücker, „niemals wird es eine große Reform der Fußballkreise geben.“ Und Hermann Dücker (75) muss wissen, wovon er redet: Bis 2008 war der Nüsttaler Fuldas Bezirksfußballwart und gewissermaßen die höhergestellte Person über den Kreisfußballwarten aus Fulda, Schlüchtern, Lauterbach-Hünfeld und Hersfeld-Rotenburg. Wenngleich dies zu Beginn seiner Amtsperiode so nicht stimmt: Lauterbach und Hünfeld sowie Hersfeld und Rotenburg waren zunächst eigene Fußballkreise, wurden aber im Laufe der 2000er-Jahre jeweils zusammengeführt.

Insbesondere der Fußballkreis Lauterbach-Hünfeld ist in seiner Form einzigartig, beheimatet er doch Fußballvereine aus gleich drei Landkreisen: Aus dem Landkreis Fulda alle Vereine des ehemaligen Landkreis Hünfeld. Aus dem Kreis Hersfeld/Rotenburg immerhin die Vereine FC Wehrda und FC Neukirchen und aus dem Vogelsbergkreis rund 20 Vereine aus den Gemeinden Grebenhain, Herbstein, Lautertal, Wartenberg sowie den Städten Schlitz und Lauterbach.

Einst gehörte auch das „Blaue Eck“ zum Kreis Lauterbach, doch die Vereine SG Freiensteinau, KSG Radmühl sowie SV Nieder-Moos wurden schon vor 20 Jahren dem Kreis Schlüchtern zugeordnet, der dadurch ebenfalls gleich drei Landkreise in sich vereint: Denn neben dem Gros aus dem Mainz-Kinzig-Kreis (Schlüchtern, Sinntal, Steinau an der Straße und Teile des Stadtgebiets Bad Soden-Salmünster) und dem Vogelsbergkreis (Gemeinde Freiensteinau), beheimatet der Fußballkreis mit beispielsweise der SG Oberkalbach oder dem SV Höf und Haid einige wenige Teams aus dem Landkreis Fulda.

Kreise waren kaum noch überlebensfähig

„Ich kann mich noch sehr gut an die Diskussionen um die Teams aus der Gemeinde Freiensteinau erinnern. Die wollte der damalige Schlüchterner Kreisfußballwart unbedingt in seinen Kreis holen, damit der überhaupt überlebensfähig bleibt. Und so kam es dann auch“, schaut Dücker zurück, der anfügt, „dass diese Diskussionen immer wieder aufkamen, weil kaum ein Kreis bereit war und ist, einen Verein abzugeben – ohne dafür einen anderen zu bekommen.“ Für Dücker nichts weiter als persönliche Befindlichkeiten einzelner Funktionäre, die auf dem Rücken der Vereine ausgetragen werden: „Dem Verein ist es im Zweifel egal, welchem Kreis er zugeordnet ist. Ihm geht es einzig und allein darum, dass er in vernünftig sortierten Ligen ohne große Distanzen spielt.“

Und genau dies wurde beispielsweise durch die Fusion der Kreise Lauterbach und Hünfeld nicht erreicht. Sowohl Hünfeld als auch Lauterbach seien seinerzeit allein kaum noch überlebensfähig gewesen. Aber anstatt Hünfeld mit Fulda zu verschmelzen und somit den politischen Landkreisgrenzen näher zu kommen, wurde ein Fußballkreis mit großen Distanzen geschaffen: „Anstelle dass die D-Jugend von Nüsttal aus nach Fulda fährt, fährt sie nun in den tiefsten Vogelsberg“, bemerkt Dücker und stellt fest, „dass das nicht im Sinne des Erfinders sein kann.“ Spielen die Senioren der Fußballregion Fulda mit den vier Fußballkreisen kreisübergreifend und nach geografischen Prinzipien, was immer wieder zu leidigen Diskussionen führt, wird in den allermeisten Jugendklassen kreisintern zugeteilt, was zum Teil für große Distanzen zwischen den Spielorten sorgt. Dennoch gab es seinerzeit keinerlei Überlegungen, die Fußballkreise Fulda und Hünfeld zusammenzulegen, wie sich Dücker erinnert: „Weil Fulda eh schon der größte Kreis war und man sich innerhalb dieser beiden Kreise niemals einig geworden wäre.“

Grabenkämpfe, die Dücker fast vor Gericht getrieben hätten

Stattdessen trugen Hünfeld und Lauterbach Grabenkämpfe aus, die Dücker fast vor Gericht getrieben hätten. Nach einem Bericht in der Fuldaer Zeitung bekam er von einem Lauterbacher Funktionär Anwaltspost und die Aufforderung, seine Äußerungen klarzustellen. Dücker musste selbst einen Anwalt einschalten, der dafür sorgte, dass seine Aussagen nicht korrigiert werden mussten.

Dass immer wieder einzelne Vereine zwischen den Fußballkreisen hin- und hergeschoben werden, sorgt dafür, dass viele Fußballkreise nun in gleich mehreren Landkreisen aktiv sind: „Eine Lösung wäre sicherlich, die Fußballkreise so zu reformieren, dass sie den Sportkreisen entsprächen und somit sogar den politischen Landkreisen – dann gäbe es viele Diskussionen gar nicht mehr“, sagt Dücker und doch betont er: „Unmöglich, weil dann einige entscheidende Funktionäre um ihre Daseinsberechtigung fürchten müssten. Es geht eben nicht um die Vereine, sondern nur um persönliche Befindlichkeiten.“ Dücker würde sich gerne eines Besseren belehren lassen.

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