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Auch Becker zurückgetreten! Das Dilemma des HFV im Zeitstrahl

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Von: Johannes Götze

Torsten Becker ist beim Hessischen Fußball-Verband zurückgetreten.
Torsten Becker ist als Vizepräsident des Hessischen Fußball-Verbands zurückgetreten. © Memento36

Der Hessische Fußballverband (HFV) ringt seit fast einem Jahr vor allem mit sich selbst – und befindet sich auf der Suche nach einem Präsidenten. Im nachfolgenden Beitrag kann sich der Leser immer auf den neuesten Stand bringen.

4. September 2021: Reuß siegt, Frauen werden abgestraft

Stefan Reuß (Präsident), Torsten Becker (Vizepräsident) und Ralf Viktora (Schatzmeister) werden auf dem bis dato letzten Verbandstag des Hessischen Fußball-Verbandes in ihren Ämtern bestätigt - und bilden den sogenannten BGB-Vorstand, ergo das geschäftsführende Präsidium. Zum neuen Verbandsfußballwart wird mit Thorsten Bastian ein guter Freund von Becker gewählt, er setzt sich in einer Stichwahl gegen Matthias Bausch durch. Gleichzeitig wird dem Frauen- und Mädchenreferat die Autonomie versagt. Zur erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit für die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen fehlen vier Stimmen. Silke Sinning bleibt Chefin des Frauen- und Mädchenreferats und ist qua Amt wie Bastian Präsidiumsmitglied.

19. Januar 2022: Sinning und Viktora kandidieren für DFB

Vor dem DFB-Bundestag im März präsentiert Peter Peters in einem großen Interview mit der „Sport Bild“ sein Team: Dabei sind Viktora und Sinning. Peters will gegen Bernd Neuendorf um das Amt des DFB-Präsidenten antreten. Reuß und Becker reagieren mit „großem Unverständnis“, erklären, dass die Kandidatur nicht mit dem HFV abgesprochen sie und sprechen ihre uneingeschränkte Unterstützung Neuendorf, Rainer Koch und Ronny Zimmermann aus. 

30. Januar 2022: Torgranate legt Ultimatum offen

torgranate.de legt ein von Reuß gestelltes und an Sinning und Viktora gerichtetes Ultimatum offen. Die beiden sollen ihre Kandidatur zurückziehen oder ihre HFV-Ämter niederlegen. Zahlreiche überregionale Medien nehmen Bezug auf die Berichterstattung, insbesondere die „Süddeutsche Zeitung“ widmet sich ausführlich, spricht „von einer offenen Drohung“ und neuem Tiefpunkt im DFB-Streit.

10. März 2022: Gutachten über verbandsschädigendes Verhalten

HFV-Justitiar Benjamin Koch geht ein Gutachten einer Rechtsanwaltskanzlei zu, dass die Fragestellung „Satzungsmäßige Anforderungen an die Nachberufung abberufener Mitglieder des HFV-Präsidiums aus wichtigem Grund“ beantwortet. Dieses Gutachten beschäftigt sich kurzum damit, ob Sinning und Viktora verbandsschädigendes Verhalten vorgeworfen werden kann und ob eine Abwahl/Nachbesetzung durch einen Außerordentlichen Verbandstag erfolgen könnte.

11. März 2022: Sinning sorgt für Zäsur im DFB

Neuendorf gewinnt die Wahl zum neuen DFB-Präsidenten deutlich gegen Peters. Viktora zieht daraufhin seine Kandidatur zurück, da er diese abhängig von Peters’ Wahl gemacht hatte. Sinning tritt gegen Dr. Rainer Koch an, siegt in geheimer Wahl deutlich und sorgt somit für eine Zäsur im DFB. Sinning ist nun Vize-Präsidentin des DFB. 

2. April 2022: Ruhe soll einkehren, dabei steht ein Rücktritt wohl schon fest

Der Verbandsvorstand des HFV tagt erstmals seit der DFB-Wahl. Doch statt Rücktritte gelobt das Präsidium Einigkeit. Tenor: alle haben sich wieder lieb. Zumindest nach außen hin. Dabei ist es längst offenes Geheimnis, dass Reuß maximal bis Ende Juni Präsident bleiben wird.

8. Juni 2022: Becker wünscht sich Elsenbast als Vizepräsident

Reuß erklärt im Rahmen einer Verbandsvorstandssitzung seinen Rücktritt zum 30. Juni und schlägt Becker als seinen Nachfolger vor. Becker teilt dem Aufsichtsrat mit, für eine Kandidatur bereitzustehen und wünscht sich Dieter Elsenbast als Vizepräsidenten. Der Aufsichtsrat teilt Becker Vorbehalte gegen Elsenbast mit. Becker teilt dem Aufsichtsrat mit, nur in einem gemeinsamen Team mit Elsenbast zur Verfügung zu stehen. Elsenbast war zuvor einer der Wortführer gegen Sinning und Viktora. 

24. Juni 2022: Der HFV will es ohne Präsident versuchen

Der HFV erklärt, dass Becker und Viktora in ihren Ämtern als Vize und Schatzmeister den Verband ab dem 1. Juli führen sollen. Das Präsidentenamt soll bis zum nächsten ordentlichen Verbandstag im Jahre 2024 vakant bleiben. Der Aufsichtsrat hätte laut Satzung einen Präsidenten auf Vorschlag des Präsidiums einsetzen können.

26. Juli 2022: Viktora tritt zurück – nur Becker bleibt übrig

Viktora tritt als Schatzmeister zurück. Er begründet dies öffentlich mit privaten Gründen, erklärt aber weniger später in einem Schreiben an den Verbandsvorstand, dass ein Miteinander im Verband derzeit nicht gegeben sei. Becker ist nun einziges geschäftsführendes Präsidiumsmitglied. 

4. August 2022: Metzler neuer Schatzmeister, trotzdem ein Verbandstag

Der HFV verkündet, dass das Präsidium für den 10. September einen Außerordentlichen Verbandstag beschlossen hat. Grund für die Einberufung ist die Nachbesetzung des vakanten Präsidentschaftsposten. Becker soll laut Vorschlagsliste des Präsidiums Präsident werden, Spezi Bastian sein Vize und Robert Neubauer Verbandsfußballwart. Gleichzeitig wird Jörn Metzler durch den Aufsichtsrat auf Vorschlag des Präsidiums Viktoras Nachfolger als Schatzmeister. Der HFV ist somit wieder voll handlungsfähig – auch ohne Außerordentlichen Verbandstag.

15. August 2022: Gutachten taucht nach fünf Monaten auf

Aufsichtsrat und Teile des Präsidiums erhalten Kenntnis vom bereits am 10. März erstellten und seinerzeit durch Justitiar Koch, Reuß und Becker seinerzeit geprüftes Gutachten. In diesem werden massive rechtliche Zweifel gegen die Durchführung eines Außerordentlichen Verbandstags geäußert, da die Satzung zur Nachbesetzung eines Präsidiumspostens den Weg über den Aufsichtsrat vorgibt – wie im Falle Metzlers geschehen.

16. August 2022: Außerordentlicher Verbandstag gecancelt

Der Verbandsvorstand sagt den Außerordentlichen Verbandstag ab. Stattdessen wird der Beschluss gefasst, dass die 32 Kreisfußballwarte bis zum 9. September 2022 ein Meinungsbild einholen sollen, um bei einer neuerlichen Sitzung die drei Personalfragen (Becker, Bastian, Neubauer) zu klären. Reisig erklärt, dass der Aufsichtsrat nur bei einer breiten Mehrheit pro Becker oder anderer Personen diese einsetzen werde. In der Sitzung werden Vorwürfe gegenüber dem Präsidium laut, dass dieses beispielsweise das mitentscheidende Gutachten nicht längst vorgelegt hat.

26. August 2022: Mohr und Co. plädieren für „weiter so“

Nachdem mit Matthias Schmelz der Kassler Kreisfußballwart sich öffentlich für Becker und Bastian ausgesprochen hatte, beispielsweise aber der ehemalige Verbandsfußballwart Jürgen Radeck stark für einen Neuanfang plädierte, werden die Stimmen im Hintergrund immer lauter. Und manche wollen eine mögliche Inthronisierung oder aber Ohrfeige gegenüber Becker und Co. am 9. September schon vorher abbiegen: So sprechen sich der Gießener Kreisfußballwart Henry Mohr und seine Amtskollegen Martin Seidel (Dillenburg), Alexander Neul (Wetzlar), Frank Heller (Alsfeld) und Daniela Rühl (Marburg) für ein „weiter so“ mit Becker als Vize und Metzler als Schatzmeister bis 2024 aus und plädieren dafür, dass die Delegierten dann die Wahl haben, um einen neuen Präsidenten zu wählen.

3. September 2022: Torsten Becker erklärt seinen Rücktritt

Was torgranate.de bereits am Samstagmorgen, den 3. September 2022 berichtete, bestätigte der Hessische Fußball-Verband am Nachmittag: Vizepräsident Torsten Becker hat gegenüber dem Präsidium seinen Rücktritt erklärt. „Um dem Verband einen Neustart zu ermöglichen“, erläutert Becker seinen Rücktritt, der seit 45 Jahren in verschiedenen Funktionen für den HFV tätig war. Im geschäftsführenden Präsidium ist demzufolge nun einzig Schatzmeister Jörn Metzler übrig, die Posten des Präsidenten und des Vizepräsidenten hingegen unbesetzt. Das Präsidium und der Aufsichtsrat sind jetzt gefordert, um den HFV wieder handlungsfähig zu machen.

5. September 2022: Kommentar zur HFV-Führungskrise

Johannes Götze äußert sich zur Führungskrise des Hessischen Fußball-Verbands, erkennt Parallelen zu dem durch Skandalen und Rücktritten geprägten DFB - von dem sich der HFV ein gutes Beispiel nehmen könne: „Das Präsidium benötigt einen Neuanfang mit ein paar frischen Gesichtern. Wer damit nicht leben kann, sollte jetzt ebenfalls noch schnell seinen Hut nehmen.“

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