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Folgt Vizepräsident Becker auf Reuß?

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Bislang stand Stellvertreter Torsten Becker (links) im Schatten von Präsident Stefan Reuß. Wird sich da nach Reuß‘ Rücktritt ändern?
Bislang stand Stellvertreter Torsten Becker (links) im Schatten von Präsident Stefan Reuß. Wird sich da nach Reuß‘ Rücktritt ändern? © Peter Hartenfelser

Der Hessische Fußball-Verband (HFV) kommt nicht zur Ruhe: Am Mittwoch kündigte Präsident Stefan Reuß seinen Rücktritt an – und möchte seinen Nachfolger noch selbst bestimmen. Sein Favorit: Vizepräsident Torsten Becker.

Wie torgranate.de erfuhr, kündigte Reuß am Mittwoch im Rahmen einer Präsidiumssitzung seinen Rücktritt zum 30. Juni an. In der internen Sitzung soll Reuß zudem einen Nachfolger vorgeschlagen haben: Torsten Becker. Ebenfalls pikant: Ein Präsidiumsmitglied wollte direkt einen Beschluss für einen außerordentlichen Verbandstag fassen lassen, der dienlich wäre, um den Aufsichtsrat in der Entscheidungsfindung des neuen Präsidenten auszubooten. Dieser kam, weil nicht auf der Tagesordnung vermerkt, nicht zur Abstimmung.

Die Wahl des Nachfolgers muss nicht zwangsläufig per außerordentlichem Verbandstag durch die Delegierten erfolgen, sondern kann abgekürzt werden: dann, wenn der Aufsichtsrat einem Vorschlag des Präsidiums folgt. Alternativ kann das Präsidium direkt für einen außerordentlichen Verbandstag stimmen – und so ein Veto des Aufsichtsrats gegen einen Kandidaten umgehen.

HFV-Präsidiumsmitglied wollte Beschluss für Verbandstag fassen lassen

Würde Becker zum Präsidenten berufen oder durch Delegierte gewählt, müsste anschließend ein neuer Vize-Präsident nach gleicher Regelung gefunden werden. Hier gilt Dieter Elsenbast, Kreisfußballwart in Wiesbaden und Rechtsanwalt, als Kandidat. Er war einer der Wortführer in einer Kampagne gegen DFB-Vizepräsidentin Silke Sinning und HFV-Schatzmeister Ralf Viktora. Nun tritt Elsenbast für Becker ein, gegenüber mittelhessen.de sagte er am Donnerstag: „Ich gehe davon aus, dass Vizepräsident Torsten Becker die Nachfolge antritt. Das ist aus meiner Sicht das Einzige, was Sinn macht.“ Becker selbst war für unsere Redaktion nicht zu erreichen.

Dass Reuß zurücktreten würde, soll seit rund zwei Monaten ein offenes Geheimnis in der Verbandsspitze gewesen sein. In einer durch die HFV-Pressestelle versandten Mail heißt es zu den Rücktrittsgründen, dass es Reuß durch die zeitlichen Belastungen nicht mehr möglich sei, den Verband mit der gleichen Intensität und notwendigen Umsicht zu führen, wie dies erwartet werden dürfe und Selbstanspruch sei. Reuß hatte am 1. Januar seinen Job gewechselt: Der SPD-Politiker war Landrat des Werra-Meißner-Kreises und ist nun geschäftsführender Präsident des Sparkassenverbandes Hessen-Thüringen. 

Ein Wortführer in Kampagne gegen DFB-Vizepräsidentin soll HFV-Vize werden

Reuß ist seit 22 Jahren Mitglied des HFV-Präsidiums und führt den Verband seit 2016, erst im vergangenen September wurde er wiedergewählt. Schon damals stellte sich beispielsweise Fuldas Kreisfußballwart Thorsten Beck offen gegen Reuß und stimmte gegen ihn. Der Präsident hatte insbesondere im Fußballkreis Fulda vor ziemlich genau einem Jahr für Negativ-Schlagzeilen gesorgt, weil der HFV in einer entscheidenden Abstimmung gegen den Regionalliga-Aufstieg der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz votierte, dies aber nicht transparent machte und der Fall erst später enthüllt worden war. Damals hatte auch Viktora seine Finger im Spiel, der letztlich für Reuß an der Sitzung teilnahm und final votierte.

Silke Sinning und Ralf Viktora wollen im "Team Peters" für Inhalte stehen. Fotos: Jan Hübner
Silke Sinning und Ralf Viktora gehören dem HFV-Präsidium an, sollen aktuell aber ein wenig außen vor stehen. © Jan Hübner

Als skandalös eingeschätzt wurde Reuß’ letztlich ins Leere gelaufenes Ultimatum gegen die beiden Präsidiumsmitglieder Ralf Viktora und Silke Sinning in diesem Januar. Beide hatten sich im Vorfeld der Wahl des neuen DFB-Präsidenten dem Team des letztlich unterlegenen Kandidaten Peter Peters angeschlossen – Reuß und auch Becker wollten allerdings insbesondere den bayerischen Präsidenten Rainer Koch unterstützen und forderten daher Viktora und Sinning auf: Rücktritt oder Gefolgschaft.

Viktora und Sinning ließen sich nicht beeindrucken, Sinning gewann letztlich die Kampfabstimmung gegen Koch auf der DFB-Bundestagswahl zur Vizepräsidentin und sägte so den wohl umstrittensten Fußballfunktionär Deutschlands ab. Das Zerwürfnis mit einem Teil des HFV-Präsidiums aber hielt an. Viktora als Schatzmeister und Sinning als Vorsitzende des Verbandsausschusses für Frauen- und Mädchenfußballs sind weiterhin Mitglied des HFV-Präsidiums. Aus Osthessen ist der Dipperzer Gerd Schugard (Vorsitzender des Verbandsschiedsrichterausschusses) einziges Mitglied des Präsidiums.

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