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Reulbach-Torhüter Michael Wehner richtet Hessens große Fußball-Fälle

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Von: Tino Weingarten

Michael Wehner hütet wieder das Tor für den TSV Poppenhausen. Archivfoto: Charlie Rolff
Michael Wehner in Aktion. Der Torhüter der SG Reulbach/Brand ist ehrenamtlicher Richter beim neu geschaffenen HFV-Sportgericht. © Charlie Rolff

Um den Kreissportgerichten die Last der ganz großen Fälle zu nehmen, gründete der Hessische Fußball-Verband (HFV) Anfang der Saison das Sportgericht. Einer der Richter ist Michael Wehner, Torhüter der SG Reulbach/Brand.

Es sind Verhandlungen, die über das Maß von roten Karten wegen groben Foulspiels hinausgehen. Fälle, in denen es zu Gewalt gegen Schiedsrichter kam, zu Spielabbrüchen und Rassismus. Fälle, die ein gesteigertes öffentliches Interesse nach sich ziehen. „Wir verstehen uns in erster Linie als Hilfe für die Kreissportgerichte bei der Abarbeitung sperrigerer Verfahren. Im Regelfall ist auch eine Person des für den Spielort zuständigen Sportgerichts in der Verhandlung dabei, uns ist die regionale Verwurzelung und die Zusammenarbeit wichtig“, sagt Michael Wehner.

Richter im diesen Jahr neu geschaffenen HFV-Sportgericht

Der Torhüter der SG Reulbach/Brand ist Richter beim Amtsgericht Bad Hersfeld und seit diesem Jahr ehrenamtlich für den HFV tätig. Der Vorsitzende des HFV-Sportgerichts, Dr. Claus Dieter Becker, erklärte ihm das Konzept des neu geschaffenen Sportgerichts. „Herr Dr. Becker kam auf mich zu, da er durch eine von ihm geleitete Fortbildung um meine juristischen Kenntnisse, aber auch meine Affinität zum Fußball wusste“, erläutert Wehner. Becker ist es wichtig, dass die Richter um die Eigenheit des Sportes wissen. Derzeit sind sie beim Sportgericht noch zu dritt, das soll sich in Zukunft ändern. Um häufiger zu rotieren und die Arbeitsbelastung zu verteilen.

Noch gibt es allerdings keinerlei Erfahrungswerte, wie häufig Wehner zu Verhandlungen nach Grünberg oder Frankfurt muss. „Es kann sein, dass wir drei Verfahren im Monat haben oder nur einen. Das ist eine absolute Blackbox, aber wir rechnen damit, dass alle zwei bis drei Wochen ein Verfahren reinkommt“, betont Wehner. Der Spielabbruch der Partie in der A-Liga Offenbach zwischen Türkgücü Dietzenbach und Al Amal Dietzenbach landete vor dem Sportgericht, der Faustschlag des Spielers von Frischauf Fulda wird es in den nächsten Wochen ebenfalls.

„Nicht anders als eine Verhandlung im Arbeitsalltag“

Im Dietzenbach-Fall war Wehner beteiligt. Kommt ein neues Verfahren rein, wird dieses vorbereitet und die Zeugen geladen. „Es ist nicht viel anders als eine Verhandlung in unserem Arbeitsalltag. Die Stellungnahmen werden vorgesichtet, ganz wichtig ist der Bericht des Schiedsrichters, um die Zeugen zu befragen“, sagt Wehner. Welche Fälle beim neuen HFV-Sportgericht landen, entscheidet der Vorsitzende Dr. Becker mit dem Verbandsanwalt Timo Ide. 

Dass der zeitliche Aufwand mit der neuen ehrenamtlichen Tätigkeit beim Verband und Fahrten nach Grünberg oder Frankfurt größer geworden ist, merkt Wehner. Bei seinem Heimatverein und der JSG Hohe Rhön kann er aber weiterhin als Torwart und Torwarttrainer fungieren. „Es hält sich noch in Grenzen. Wenn wir aber zweimal die Woche verhandeln, würde es schon schwer sein, alles zu vereinbaren“, gibt Wehner zu.

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