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In den Farben getrennt, in der Sache vereint

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Andreas Weinreich ist neuer Vereinsvertreter des Hessischen Fußball-Verbands. Foto: privat
Andreas Weinreich ist neuer Vereinsvertreter des Hessischen Fußball-Verbands. © privat

Mein Name ist Andreas Weinreich: Ich bin für euch da! Nein, Andreas Weinreich will nicht in Kürze für das Amt des Bundeskanzlers kandidieren. Er ist sogar schon gewählt worden – nicht zum Bundeskanzler, aber in eine wichtige Position. Am Verbandstag des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) setzte sich der 49-jährige Dörnberger unter anderem gegen Pierre Weiss (FT Fulda) durch und vertritt nun die Belange der Vereine unterhalb der Hessenliga im Verband.

Dass der Verbandstag nicht ganz reibungslos verlief, wurde bereits berichtet. Die Wahl des Vereinsvertreters gehörte gewiss dazu, schließlich sollte eine große Satzungsänderung dazu beitragen, dass unter anderem dieser Posten wegfällt. Da aber gegen diese Änderung gestimmt worden war, musste in Eile nach Kandidaten gefahndet werden. Zumindest war der Verband für diese Eventualität gewappnet. Drei wurden im Plenum gefunden, die sich anschließend kurz präsentierten.

Gabriele Nagel (Kreis Frankfurt) und Pierre Weiss (Kreis Fulda) zogen gegen Weinreich den Kürzeren. Weinreichs Vorteil in seiner knappen Vorstellungsrede war seine Erfahrung: In der Kommission für Fußballentwicklung und Nachhaltigkeit, dem sechs Kreisfußbwallwarte und sechs Vereinsvertreter (jeweils ein Part aus jeder der sechs hessischen Fußballregionen) angehörten, sammelte er bereits hinreichende Einblicke in die Arbeit des HFV und verbrannte sich in jenem Gremium sogar gerne mal seinen Mund. Dass es das Amt des Vereinsvertreter weiterhin gibt, freut ihn, nicht aber, dass das Frauenreferat nicht eigenständig wurde. Mit Frauen-Chefin Prof. Dr. Silke Sinning verbindet Weinreich eine kompetente und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Werra-Meißner in die Region Fulda?

Diesen Erfahrungsschatz will Weinreich nun einbringen, wenn es in den kommenden zweieinhalb Jahren bis zum nächsten Verbandstag um die wirklich dringlichen Fragen des Amateurfußballs in Hessen geht. Ganz oben auf der Agenda steht eine Spielklassenreform, die seit mehr als zehn Jahren auf der Tagesordnung steht, aber ganz viele Meinungen unter einen Hut bringen muss. Weinreich hat klare Vorstellungen, sagt, „dass eine Spielklassenreform nur mit einer Gebietsreform einhergehen kann“. Was er meint? „Dass es bei Gebietsreformen immer ein Problem mit persönlichen Befindlichkeiten gibt. Wer wird Fußballwart? Wer leitet welche Liga? Wir müssen weg von starren Strukturen.“

Weinreich spricht aus Erfahrungen aus „seinem“ Fußballkreis. Hofgeismar und Wolfhagen gingen vor geraumer Zeit zusammen. Ein paar Jahre später seien die anfänglichen Probleme in Luft aufgelöst gewesen. Er selbst ist im Kreisfußballausschuss als Beisitzer aktiv, kümmert sich unter anderem um die Spielplanung – als ITler ist Weinreich Problemlöser von Hause aus. Um weg von persönlichen Befindlichkeiten zu kommen, erklärt Weinreich, „dass man sich am besten eine grüne Wiese vorstellen muss, auf der kein Kreis, keine Region vermerkt ist, sondern Vereine und Teams die Hauptrolle spielen“.

Er führt als Paradebeispiel die ständigen Diskussionen um zwei Gruppenligen in der Region Kassel und nur eine Gruppenliga in der Region Fulda an. Von Willingen, im Westen, bis nach Herleshausen, im Osten der Region Kassel, sind es fast 150 Kilometer Landstraße. Mehr als zwei Stunden Anfahrt für ein Gruppenligaspiel? Weinreich stellt das zu Recht infrage und sagt: „Vielleicht müssen Teile des Werra-Meißner-Kreises in die Region Fulda wandern, dann sind auch andere Lösungen denkbar. Aber das ist nur eines von ganz vielen Gedankenspielen. Das Thema lässt sich nur gemeinsam lösen, da sind Teamplayer gefragt.“

Weinreich: Wir brauchen eine grüne Wiese als Grundlage

Nicht nur kreis-, sondern regionübergreifendes Spielen seien Möglichkeiten. Vielleicht aber eben die grundsätzliche Neuordnung des Verbandes auf Basis der grünen Wiese? Weinreich will dabei vor allem die Meinungen der Vereine einfließen lassen, sich den Mund verbrennen. Für Weinreich, der sich seit 30 Jahren für den Verbandsligisten FSV Dörnberg ehrenamtlich engagiert und genau so lange für die gleiche Firma arbeitet, genießen die Belange aller Vereine Priorität: „Ich will nicht meinen Kreis, meine Region und schon gar nicht meinen Verein vertreten. Wir brauchen im Amateurfußball vielmehr zukunftsfähige Lösungen, damit die Zuschauer kommen, damit die Mannschaftszahlen stabil bleiben.“

Wobei Weinreich darauf verweist, „dass nicht jedes Problem des einzelnen Vereins gleichzeitig ein Problem für das Gros sein kann“. Da wolle er filtern, die drängenden Probleme beackern und die verschiedenen Situationen in den unterschiedlichen Regionen beachten. Und er bringt Werkzeug mit für die eingefahrene Situation: verbales und technisches. Jetzt will er loslegen.

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