Damir Agovic (schwarzes Trikot) wurde von Winfried Schäfer (rechts daneben) für ein Engagement in Katar überzeugt. Foto: privat
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Damir Agovic (schwarzes Trikot) wurde von Winfried Schäfer (rechts daneben) für ein Engagement in Katar überzeugt.

Katar statt Braunschweig oder Zürich

Damir Agovic geht den nächsten Schritt in seiner Trainerkarriere – und wagt sich erstmals ins Ausland. Der 31-Jährige aus Steinau an der Straße übernimmt die U23 des Al-Khor SC im WM-Gastgeberland Katar.

Es ist ein gehöriger Schritt aus der Komfortzone – und ein um vielfaches größerer als der Wechsel von Eintracht Frankfurt zur U19 von Energie Cottbus vor einem Jahr. "Ich bin jetzt 31, seit acht Jahren im Trainergeschäft und habe den Fußballlehrer. Mir ist es wichtig, mich fachlich und menschlich bestmöglich und ständig weiterzuentwickeln. Um irgendwann, wenn der Tag X kommt und ich die Chance im Profibereich erhalte, bereit zu sein", gewährt Damir Agovic Einblicke in seine Gedankenwelt.

Für ein Spiel bekam er in Cottbus die Gelegenheit, als er für das Ziel Gewinn des Brandenburg-Pokals interimsmäßig den Nordost-Regionalligisten übernahm. Die Aussichten, anschließend in der ersten Mannschaft weiterbeschäftigt zu werden, waren gering – und das 0:3 im Halbfinale gegen den späteren Sieger Babelsberg beseitigte jegliche Resthoffnungen. Obwohl Agovic die Stelle des Sportlichen Leiters angeboten bekam, entschied er sich für eine vorzeitige Vertragsauflösung bei Energie. Mit Eintracht Braunschweigs U19, der U18 der Grasshopper Zürich sowie zwei Regionalligisten kamen attraktive Trainerjobs in Frage. Doch der 31-Jährige wählte nach einem Anruf von Trainerlegende Winfried Schäfer einen komplett anderen Weg.

Unbefristeter Vertrag – mit Hintertürchen

"Winnie wollte für seinen Club Al-Khor SC einen deutschen, jungen Trainer für die U23 sowie als Akademie-Leiter und kam auf mich zu", erzählt Agovic, der sich einen halben Tag Bedenkzeit erbat. Schließlich hat der Steinauer eine junge Familie, ist Vater einer vierjährigen Tochter. Den entscheidenden Impuls gab seine Frau: "Sie hat gesagt, dass es eine tolle Erfahrung für mich werden würde. Andere machen in Doha Urlaub, wir werden 20 Minuten entfernt arbeiten. Meine Familie wird zudem nachkommen", freut sich der Fußballlehrer über die Unterstützung.

Agovic hat einen unbefristeten Vertrag unterschrieben, der zum Jahresende beidseitig aufgelöst werden kann. "Wenn ich also nach einem halben Jahr merke, dass das Ganze nichts für mich ist, können wir reagieren", erklärt der ehemalige U19-Trainer des JFV Viktoria Fulda, der grundsätzlich ein Fan von kurzen Vertragslaufzeiten ist: "Das habe ich von einem ehemaligen Spieler gelernt: Wenn du nur für ein Jahr unterschreibst, bist du stets gefordert Leistung zu bringen. So wirst du immer erfolgreich sein."

Ganz nah dran an der WM 2022

Erfolgreich sein möchte Agovic nun also in Katar. Viel verspricht er sich von der Zusammenarbeit mit Winfried Schäfer – früherer Erfolgscoach der Karlsruher Eurofighter oder WM-Nationalcoach Kameruns. "Die Jahre mit ihm werden mich besser machen. Winnie blickt auf 40 Jahre Trainer-Erfahrung zurück, hat Spieler wie Mehmet Scholl oder Oliver Kahn zum Profi gemacht", schwärmt Agovic vom Globetrotter, der beim Al-Khor SC unter anderem den ehemaligen Hamburger Pierre-Michel Lasogga trainiert. In Katar gibt es mit Ex-Bayern-Star Javi Martinez sowie Barca-Legende Xavi oder Ex-Frankreich- und PSG-Coach Laurent Blanc weitere bekannte Spieler beziehungsweise Trainer.

Agovic wird bei Al-Khor die U23 trainieren, die in einer eigenen Reserveliga der Eliteklasse antritt. Gesprochen wird in englisch, arabisch spricht aus dem Trainerteam nur der Torwarttrainer. Gerade läuft die Vorbereitung, erste und zweite Mannschaft befinden sich im dreiwöchigen Trainingslager in der Türkei, bevor die Saison in einem Monat startet. In Katar war Agovic bislang noch nicht – und kann sich entsprechend nicht zu den Vorwürfen der Menschenrechtsverletzungen im Wüstenstaat äußern, die im Zuge der WM 2022 immer wieder aufkamen. Von der Weltmeisterschaft, die auch im Heimstadion des Al-Khor SC ausgetragen wird, erhofft sich Agovic Vorteile: "Ich werde ganz nah dran sein. Es wird eine gute Möglichkeit sein, mein Netzwerk weiter zu knüpfen."

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