Die Delegierten schenken dem Frauen- und Mädchenreferat nicht das erhoffte Vertrauen. Foto: Johannes Götze
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Die Delegierten schenken dem Frauen- und Mädchenreferat nicht das erhoffte Vertrauen.

Keine Autonomie für Frauen

Der Hessische Fußball-Verband hält zur Stunde den Verbandstag in der Frankfurter PSD-Bank-Arena ab. Dort werden über insgesamt 141 Anträge zu Satzung, Spielordnung und Co. abgestimmt. Ein Kardinalantrag befasste sich, etwas heruntergebrochen, mit der Thematik „Gleichberechtigung“ – und dem wurde von den Delegierten eine Absage erteilt.

In Antrag 18 ging es um die Autonomie der Frauen im Verband. Bislang war die Vorsitzende des Verbandsausschusses für Frauen- und Mädchenfußball (derzeit Prof. Dr. Silke Sinning) dem Verbandsausschuss für Spielbetrieb und Fußballentwicklung unterstellt und musste sich dort jedwede Entscheidung „absegnen“ lassen. Nun stellte das HFV-Präsidium den Antrag, den Frauen- und Herrenbereich voneinander zu trennen. Den „Verbandsfußballwart“ hätte es in dieser Form nicht mehr gegeben, vielmehr zwei Ausschüsse: Einen für den Herrenfußball und einen für den Frauenfußball. (siehe auch hier)

Bereits vor der Abstimmung wurde kräftig die Werbetrommel gerührt, beispielsweise positionierte sich HFV-Präsident Stefan Reuß deutlich für die Trennung des Frauen- und Herrenbereichs und damit letztlich für Gleichberechtigung. Er stellte noch einmal klar, dass der komplette Verbandsvorstand vor wenigen Wochen für diesen Antrag gestimmt hätte. Doch das „Schattenkabinett“, das in den zwei Wochen gegen diesen Antrag mobil machte, war zu stark. Es stimmten 199 Delegierte für die Änderung, da aber eine Zweidrittel-Mehrheit erreicht werden musste, waren 203 Stimmen vonnöten.

Schnell wurden Stimmen der Frauen-Diskriminierung im Stadion laut, schließlich stellten sich 105 Delegierte offen gegen die Gleichberechtigung von Frauen und Herren im Hessischen Fußball-Verband – oder, anders gesagt, trauen es dem Frauen- und Mächenreferat nicht zu, ihren Spielbetrieb eigenständig zu organisieren.

Ellen Berghöfer, Kreiskassenwarttin und Referentin für Frauenfußball im Kreis Waldeck-Frankenberg, ergriff das Mikrofon, forderte zu einer Neuabstimmung auf, erinnerte an 50 Jahre Frauenfußball in Hessen und zeigte sich von der Abstimmung wie viele andere bestürzt. Nutzen sollte es nicht, die Entscheidung war gefallen.

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